Sommers Sorgenkind
Telekom-Aktionäre brauchen Ausdauer

Schnelle Kursgewinne sind bei der Deutschen Telekom nicht abzusehen. Anleger müssen darauf vertrauen, dass die hohen Investitionen sich auszahlen.

Mit einer dem Zeitgeist entsprechenden Neuerung beglückte Telekom-Chef Ron Sommer kürzlich die Privatanleger. Anlässlich der Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal durften sie via Internet der Telefonkonferenz des Konzernlenkers mit Analysten beiwohnen.



Auf heiße Neuigkeiten, die der dahin dümpelnden Aktie frischen Schwung geben könnten, warteten die zugeschalteten 1 200 Internauten indes vergebens. Die T-Aktie, die im März bei über 100 Euro stand, pendelt weiterhin um die Marke von 40 Euro. Und daran dürfte sich nach Meinung von Analysten so schnell nichts ändern. Weder ein neuerlicher Absturz noch eine schnelle Aufholjagd gelten derzeit als wahrscheinlich.

Analystenmeinungen geteilt

Freilich gibt es in der grundsätzlichen Beurteilung der T-Aktie gravierende Unterschiede. Während manche Analysten den Titel für unterbewertet halten und Kursziele von über 60 Euro errechnen, sieht Theo Kitz, Telekom-Experte bei Merck, Finck & Co., die Aktie als angemessen bewertet an. Besseren Kursen stehen seiner Ansicht nach "Schwachpunkte in der Strategie" entgegen.

Riesenbaustelle Telekom

Die Diskrepanzen der Experten spiegeln die Tatsache wider, dass die Telekom eine Riesenbaustelle ist. Mit massiven Zukäufen und Investitionen in zukunftsträchtigen Sparten wie Mobilfunk und Internet will sich der Konzern für den globalen Wettbewerb fit machen. Aber es gibt noch viel zu tun. Beispiel Internet: T-Online ist als Europas größter Internet-Provider prinzipiell zwar einer der Profiteure der "New-Economy". Doch ist das Unternehmen trotz Übernahmen in Frankreich (Club Internet) und Spanien (ya.com) noch zu stark auf den heimischen Markt fokussiert. Auch mangelt es an attraktiven Inhalten wie Dienstleistungen oder Unterhaltungsangeboten. "T-Online braucht dringend Inhalte, um die Verweildauer auf den Seiten zu erhöhen", meint Kitz. Während Konkurrenten wie die France-Telecom-Tochter Wanadoo durch Zukäufe wüchsen, bleibe T-Online stehen, warnt er.

Mobilfunk mit Problemen

Auch im Mobilfunk ist das Bild durchwachsen. Die geplante Übernahme von Voicestream bietet zwar die Chance auf hohe Wachstumsraten im gegenüber Europa unterentwickelten US-Markt, gilt aber in Analystenkreisen als zu teuer. Und in Europa stehen der starken Position in Deutschland, Großbritannien und Osteuropa weiße Flecken in Frankreich, Spanien und Italien entgegen. "Die Telekom lebt in der schlechtesten zweier Welten. Sie hat nur in zwei der fünf großen EU-Ländern eine Lizenz, und das waren ausgerechnet diejenigen mit den teuersten Lizenzen", moniert Robert Vinall von der DG-Bank. Petra Nix von Vontobel begrüßt dagegen die Entscheidung der Telekom, sich vorerst auf die Märkte zu konzentrieren, in denen der Konzern bereits Kunden hat. Als vierter oder fünfter Anbieter habe man ohne Kunden in Ländern wie Frankreich oder Italien kaum eine Chance. Außerdem sollte sich das Management vor weiterer Expansion erst einmal darauf konzentrieren, die jüngsten Neuerwerbungen zu integrieren.



Dass bei der Telekom auch im Alltagsgeschäft manches im Argen liegt, zeigten die Ergebnisse bis September, die von anhaltendem Druck auf die Margen geprägt waren. "Ohne außerordentliche Erträge wäre die Telekom in den roten Zahlen", moniert Vinall, der die T-Aktie mit "reduzieren" einstuft.

Ergebnisse unter Druck

Auch Nils Machemehl, Analyst der Vereins und Westbank, - fällt es angesichts der hohen Belastungen aus dem Erwerb von Voicestream und der UMTS-Lizenzen "von der Ergebnisseite aus schwer, positiv zu argumentieren". Aus zwei Gründen rät er dennoch zum Übergewichten der Aktien. Zum einen verfüge die Telekom über "eine in Europa einzigartige Finanzkraft". So habe der Konzern die gewaltigen Investitionen von 100 Mrd. Euro der letzten beiden Jahre trotz des Anstiegs der Schulden recht gut verkraftet. Zweitens sei der Konzern "gut aufgestellt". Neben der Mobilfunksparte hält er vor allem den Bereich Datenkommunikation für vielversprechend, der mit der Übernahme von Debis gestärkt wurde. Und das Festnetzgeschäft sei zwar kein Wachstumsträger, liefere aber als "echte Cash-Cow" die nötigen Mittel für die Expansion in anderen Sparten.

Es gibt auch Kaufempfehlungen

Nach Ansicht von Christoph Vogt von M.M. Warburg hat die Telekom sogar "mehr Substanz" als die anderen europäischen Ex-Monopolisten wie France Télécom oder Telefónica, mit denen der Konzern um die Gunst der Anleger konkurriert. Im nächsten Jahr könnten die Schulden von 65 Mrd. Euro auf 45 Mrd. Euro sinken, wozu Einnahmen aus dem Verkauf des Anteils an Sprint und dem Börsengang der Mobifunksparte beitragen dürften. "Der Kursrutsch der Aktie war übertrieben", meinte Vogt und empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 65 zum Kauf .



Eine durchschlagende Erholung auf kurze Sicht prophezeit freilich kaum jemand. Den Kurs belasten könnte etwa die im kommenden Jahr erwartete Flut neuer Telekomtitel. Vermutlich werden Anleger vor dem Kauf von Neuemissionen wie der der Mobilfunktochter von France Télécom (New Orange) andere Telekomaktien aus dem Depot werfen. Petra Nix etwa, die einen fairen Wert von 57 Euro errechnet, glaubt daher nicht, dass diese Marke "so bald erreicht wird." Zunächst müsse die Telekom zeigen, dass sich die Margen im Mobilfunk tatsächlich verbesserten. Dazu sollen vor allem die Subventionierung der Käufer von Prepaid-Karten heruntergefahren werden, denen die Telekom und ihre Wettbewerber die Handys bisher zu Kampfpreisen überlassen.



Langfristig traut die Vontobel-Analystin der Telekom allerdings einiges zu: "Die Telekom ist groß genug, um ein Gewinner der europäischen Konsolidierung zu sein."

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