"Sommerschlussverkauf" läuft schon
Dax-Ausblick: Nervöse Märkte

Die Angst, dass noch mehr US-amerikanische Unternehmen ihre Bilanzen geschönt haben, wird den Anlegern wohl erst am Ende der Quartalsberichtssaison Mitte August genommen. Der große "Sommerschlussverkauf" an den deutschen Börsen hat somit bereits begonnen - und könnte bald zu Ende sein.

rtr/fgh DÜSSELDORF. In dieser Woche wurden alle Hoffnungen auf ein Ende der Baisse an den internationalen Aktienmärkten zunichte gemacht. Der S&P 500- sowie der Nasdaq-100-Index erreichten neue Fünf-Jahrestiefs. Auch der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit April 1997. Damit durchbrach er seinen langfristigen Aufwärtstrend von 1982. Zeitweise rutschte das deutsche Börsenbarometer unter 3 300 Punkte. Die Anleger und Investoren sind so nachhaltig verunsichert, dass auch teilweise Schnäppchenpreise noch nicht zum Einstieg genutzt werden.

Ein Ende des Bärenmarktes scheint zwar in greifbare Nähe zu rücken. Wann genau der Wendepunkt erreicht ist, bleibt aber noch offen. Denn obwohl die meisten Unternehmensberichte zuletzt positiv ausfielen, ist die Anlegerstimmung immer noch pessimistisch. Die Furcht vor weiteren Unternehmenspleiten sowie die drohenden Konflikte im Nahen Osten belasten das Klima. Diese Unsicherheit dürfte in den kommenden Wochen anhalten und für weiterhin deutliche Kursschwankungen sorgen. Plötzliche Kursstürze sind nicht auszuschließen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Commerzbank insbesondere konservativen Privatanlegern, Neuengagements zunächst zurückzustellen. Chancenorientierte Investoren könnten aber an schwachen Tagen selektiv Positionen in ausgewählten Value-Titeln, wie z.B. Allianz und Siemens, aufbauen, empfehlen die Frankfurter.

Auch die DZ-Bank-Analysten wollen einen erneuten Abgabedruck in der nächsten Woche auf Grund der anhaltenden Anleger-Nervosität nicht völlig aussschließen, das Ausmaß sollte sich aber in Grenzen halten. Schwache Tage sollten nervenstarken Anlegern zum Einstieg in ausgesuchte Standarawerte genutzt werden, heißt es in der Wochenstrategie der Frankfurter. Unter den Dax-Werten empfehlen sie Allianz, BASF, Daimler-Chrysler, Eon, Thyssen-Krupp und TUI.

Anleger warten gespannt auf positive Geschäftszahlen

Mit Spannung warten die Anleger nun auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen von Konzernen wie Volkswagen (am Dienstag), Deutsche Bank oder Bayer (beide am Donnerstag). "Die derzeit laufende Berichtssaison birgt noch einige Unsicherheiten und bisher haben wir kaum positive Überraschungen gesehen", sagt Aktienstratege Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Er hält einen kurzzeitigen Anstieg des Dax auf 4 000 Punkte aber für möglich.

Die größten Fragezeichen stehen Analysten zufolge derzeit hinter den Gesamtjahresausblick von Volkswagen. Experten rechnen damit, dass der größte europäische Automobilhersteller im abgelaufenen Quartal einen achtprozentigen Rückgang des Vorsteuergewinns verbucht hat. Ein Gesamtjahres-Vorsteuerergebnis auf dem Niveau des Rekordjahres 2001, wie von VW angekündigt, würde in diesem Falle zunehmend unwahrscheinlich. Die Analysten von Schroder Salomon Smith Barney teilten in einer Beurteilung mit, die vorherrschende Meinung am Markt sei, dass VW seine Ziele zu hoch angesetzt habe und sie daher senken müsse.

Angesichts der hohen Zahl von Unternehmensinsolvenzen werde die Höhe der Risikovorsorge auch bei der Deutschen Bank von den Marktteilnehmern besonders beachtet, sagte Analyst Stefan Klein von Commerz Asset Management. Die Experten von ABN Amro äußerten sich jedoch optimistisch, dass sich der deutsche Branchenführer im Vergleich zu den Mitbewerbern gut behauptet habe. Sie rechneten mit einem vierprozentigen Anstieg der Zinserträge im vergangenen Quartal. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) hatte die Anleger mit ihren am vergangenen Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen enttäuscht. Die HVB-Aktien setzten ihre bereits zuvor begonnene Talfahrt fort. Damit haben sie seit Ende vergangener Woche rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Bei Bayer richte sich das Augenmerk derweil darauf, wie sich der Pharmakonzern von den Turbulenzen um den wegen Nebenwirkungen vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay erhole, hieß es weiter. Außerdem gäben die Zahlen einen Hinweis auf die zukünftige Branchenkonjunktur. Es werde sich voraussichtlich herausstellen, ob der im ersten Quartal von einigen Pharma-Herstellern verzeichnete Nachfrageanstieg angehalten oder ob es sich nur um die Wiederauffüllung der Lager gehandelt habe.

Neben den genannten Unternehmen wollen auch die ebenfalls im Dax gelisteten Firmen Epcos, Metro, Fresenius Medical Care und Deutsche Post Zahlen vorlegen. Nach Informationen aus Branchenkreisen wird die Post auf Grund von Rückzahlungen von Bundeshilfen am Mittwoch voraussichtlich einen Netto-Verlust von 200 bis 300 Mill. Euro bekannt geben.

Analysten erwarten Gewinnrückgang bei der Metro

Der Handelskonzern Metro hat nach Analysten-Einschätzung im zweiten Quartal 2002 vermutlich wieder schwarze Zahlen geschrieben, ist dabei aber um gut fünf Prozent hinter dem Betriebsgewinn des Vorjahres zurückgeblieben. Einige Analysten halten es wegen der schwachen Konsumentennachfrage für wahrscheinlich, dass die Metro bei der für Mittwoch geplanten Veröffentlichung der Quartalsbilanz ihre bisherigen Gewinnziele für 2002 senken wird.

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