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Sommertheater: Erster Akt

Sehen wir es doch einfach mal unter dem Unterhaltungsgesichtspunkt: Entertainment. Das ist es doch, was Amerikaner mögen. Alles, was nicht den üblichen Gang geht, ein bisschen aus dem Rahmen fällt, hat schon einen Unterhaltungswert. Amüsement. Am Freitag fiel das Handelssystem an der Nasdaq aus. Nicht gerade spaßig für die Beteiligten. Das Wochenende nahte und die Computer lagen brach, dafür wurde der Feierabend nach hinten verschoben. Wie aufregend. Da die technischen Probleme jedoch bis zum verschobenen Handelsschluss um 23:00 MESZ nicht behoben werden konnten, kamen Broker von der Wall Street ohne Verzögerung zu ihren Domizilen auf Long Island.

Auch ein Krimi kann ja äußerst unterhaltsam sein. Allerdings dient er in erster Linie dem Spannungsaufbau. An so etwas ähnlichem wie an einem Krimi schreiben gerade die Unternehmen Honeywell und General Electric. Das Happy End steht noch nicht fest. Mal sehen, was die Dramaturgie so ergibt. "Nimm mich, nimm mich", bettelte und schrie Honeywell am Freitag. Zwar nicht um jeden Preis. Aber der Mischkonzern bot sich um zwei Milliarden Dollar billiger zum Verkauf an. Doch General Electric zierte sich und wollte nicht so richtig zuschlagen. Pech gehabt, die Honeywell-Aktie fiel allein am Freitag um über zehn Prozent.

Ein böser Schurke ist in den Augen vieler Anleger Bill Gates. Andere halten ihn für ein Genie. Wieder andere für einen Gesetzesbrecher. Microsoft soll seine Quasi-Monopolstellung bei Computerbetriebssystem wettbewerbswidrig ausgenutzt und kleinere Konkurrenten in Bedrängnis gebracht haben. In dieser Woche wurde vor einem Berufungsgericht in Washington der nicht enden wollende Rechtsstreit an ein anderes Gericht weiter geleitet. Dazu Bill Gates: "Unsere Bereitschaft, über eine Beilegung des Streits zu reden, ist bekannt. Während des ganzen Prozesses haben wir darüber nachgedacht und meinen, dass wir einer Schlichtung offen gegenüber stehen. Das Wichtigste für uns ist, neue Produkte herzustellen. Produkte, die wir mit Funktionen ausstatten, die unsere Kunden verlangen. Ich sage es noch mal: wir sollten wirklich schauen, ob ein weiterer Rechtsstreit überhaupt nötig ist." Vielleicht kann sich das Unternehmen nun außergerichtlich mit den klagenden Behörden einigen. Nun kann sich Microsoft noch mehr darauf konzentrieren, innovative Software zu entwickeln, sagt Gates. Der Nutzer steht ohnehin im Mittelpunkt, um ihn dreht sich alles. "Die Tatsache, dass Internet-Browser mittlerweile in jedem Computer-Betriebssystem integriert sind - und die Nutzer wollen im Internet surfen, darüber gibt es wohl keinen Zweifel - war ein sehr konsumentenfreundlicher Schritt von Microsoft." Aber dieser Schritt brachte auch viel Ärger und eine teure, lange Klage mit sich.

Eine Umfrage unter Börsenhändlern zeugt von Optimismus. Auf die Frage, ob der Dow Jones-Index in einem halben Jahr über oder unter dem jetzigen Stand notieren wird, sagten 100 Prozent, dass der Dow vom derzeitigen Stand gesehen, steigen wird.

Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal ist um moderate 1,2 Prozent gestiegen. Das haben die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt ergeben. Damit gab es zwar einen ganz kleinen Aufschwung gegenüber dem Vorquartal, aber trotzdem sieht es ganz so aus, als ob die USA die schwächste Phase seit zehn Jahren haben. Auf´s Jahr betrachtet wächst die Wirtschaft nach neuesten Prognosen vermutlich nur um 1,8 Prozent.

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