Sonderabschreibungen belasten
Lion Bioscience sieht Rot

Das Heidelberger Bioinformatikunternehmen Lion Bioscience hat angesichts der Investitionszurückhaltung in der Pharmabranche in seinem zweiten Geschäftsquartal den Verlust drastisch ausgeweitet.

Reuters HEIDELBERG. Der Nettoverlust habe sich auf 92,7 Millionen Euro binnen Jahresfrist mehr als verachtfacht, teilte das im Nemax50 gelistete Unternehmen am Mittwoch mit. Dem stand ein um die Hälfte geschrumpfter Umsatz von nur noch 5,2 Millionen Euro gegenüber. An der Prognose, im vierten Quartal des nächsten Geschäftsjahres 2003/2004 (Ende März) die Gewinnschwelle zu erreichen, werde aber festgehalten, hieß es. Analysten sagten, mit den vorgelegten Zahlen erscheine selbst die vor kurzem gesenkte Umsatzprognose für dieses Jahr ehrgeizig. Die Aktie büßte mehr als sieben Prozent auf rund 2,75 Euro ein.

Lion führte den deutlichen Verlust vor allem auf hohe Sonderabschreibungen von 70,6 Millionen Euro auf Firmenwerte und andere Vermögensgegenstände zurück. Aber auch im operativen Geschäft verdoppelte Lion seinen Verlust auf 18,6 Millionen Euro. Grund für den Umsatzeinbruch seien insbesondere sinkende Investitionsausgaben bei der Kundschaft. Lion spürt wie andere Biotech-Firmen am Neuen Markt angesichts der Konjunkturflaute die Ausgabendisziplin in der Pharmabranche. Arzneimittelfirmen konzentrieren sich derzeit angesichts des zunehmend geringeren Medikamentennachschubs aus ihren Labors sowie eines stärkeren Wettbewerbs durch billigere Nachahmerarzneien vor allem auf ihre Wirkstoffkandidaten in den späten klinischen Phasen. Aufträge an Biotechnologie-Dienstleister werden daher zurückgeschraubt.

So musste zuletzt die ebenfalls am Neuen Markt gelistete Evotec ihre Geschäftsziele für dieses Jahr deutlich nach unten schrauben. Die Martinsrieder Morphosys weitete ihren Verlust im dritten Quartal ebenso ausgeweitet kündigte einen umfangreichen Arbeitsplatzabbau an. Die niederländische Qiagen machte dagegen jüngst erste Anzeichen aus, dass die Schwächeperiode in der Pharmabranche langsam durchgestanden sein könnte.

Bei Lion hat nach Firmenangaben auch die Schließung der eigenen Wirkstoffforschung zum hohen Verlust beigetragen. Im nächsten Geschäftsjahr würden dadurch aber Kosteneinsparungen von bis zu 20 Millionen Euro erwartet. Lion gehe dann zudem von steigenden Umsätzen auf Grund neuer Kundenverträge und des Ausbaus bestehender Kooperationen aus, hieß es.

Analysten zeigten sich von den Lion-Resultaten enttäuscht. Die Ergebnisse seien unter den Erwartungen geblieben, hieß es in einem Kommentar der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). "Mit den vorgelegten Zahlen erscheint uns selbst das revidierte Umsatzziel von Lion Biscience sehr ambitioniert." Die jüngste Prognose bei Lion sieht einen Umsatzrückgang für dieses Geschäftsjahr 2002/2003 von bis zu einem Viertel vor. Einziger Lichtblick sei der reduzierte Verbrauch liquider Mittel im zweiten Quartal, so die LRP. Ende September verfügte Lion nach eigenen Angaben über liquide Mittel von 88,1 Millionen Euro.

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