Sonderabschreibungen
Lion Bioscience senkt Umsatzprognose

Mit deutlichen Kursverlusten hat die Aktie des Bioinformatikunternehmens Lion Bioscience auf die gesenkte Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2002/2003 reagiert.

Reuters HEIDELBERG. Lion erwarte nunmehr für das Geschäftsjahr bis Ende März 2003 ein Umsatzminus von bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert von 40,4 Millionen Euro, teilte das im Nemax-50 gelistete Unternehmen am Montag mit. Gründe seien Ausgabenkürzungen in der Life-Science-Branche, schleppende Vertragsabschlüsse und der Umsatzwegfall durch die Schließung der eigenen Wirkstoffforschung. Hinzu kämen Sonderabschreibungen. Die gesenkten Umsatzerwartungen sowie die Abschreibungen würden zudem die Verluste erhöhen. Am Ziel, im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2004 die Gewinnschwelle zu erreichen, werde aber festgehalten. Bis zum Nachmittag büßte die Lion-Aktie rund zehn Prozent auf 2,66 Euro ein. Nach Einschätzung von Analysten wird es Lion schwer fallen, sein neues Geschäftsmodell mit Erfolg umzusetzen.

Schlechtes Investitionsklima

Zuvor war Lion noch von einem moderaten Umsatzwachstum für das laufende Geschäftsjahr ausgegangen. Das zweite Quartal habe aber eine schleppende Umsatzentwicklung gezeigt, hieß es. "Während viele Geschäfte vor dem Abschluss standen, konnten einige wegen der anhaltenden Ausgabenkürzungen in der Branche und eines längeren Absatzzyklus im Quartal nicht zu Ende gebracht werden", sagte Lion-Chef Friedrich von Bohlen in einer Telefonkonferenz. Die allgemeine Branchenlage werde sich im noch verbleibende Rest des Geschäftsjahres nicht mehr ändern. Zwar legten Lion-Produkte eine stärkere Umsatzentwicklung im dritten und vierten Quartal nahe. Ein völliger Ausgleich der sich bislang abschwächenden Umsätze sei aber nicht möglich.

Wie sich die Rücknahme der Umsatzprognose auf das Ergebnis auswirke, lasse sich noch nicht genau beziffern, sagte eine Sprecherin. Am Ziel, im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2004 Gewinne zu schreiben, werde aber festgehalten. Dabei geht Lion nach eigenen Angaben von einer deutlichen Umsatzsteigerung und Kostensenkungen aus. Einzelheiten will Lion bei der Präsentation der Zahlen zum zweiten Quartal Anfang November nennen.

Schließung der eigenen Wirkstoffforschung

Zu dem ungünstigen Investitionsklima in der Life-Science-Branche sei die strategische Neuausrichtung von einem produkt- hin zu einem lösungsorientierten Geschäftsmodell gekommen, teilte Lion mit. Die geplante Schließung der eigenen Wirkstoffforschung bis zum Jahresende habe zudem zum Wegfall von Umsätzen geführt, was zur Jahresmitte noch nicht vorhersehbar gewesen sei. Lion hatte den Schritt Anfang September angekündigt, nachdem die Suche nach einem Partner für den Bereich erfolglos geblieben war. Nach früheren Angaben rechnet Lion daraus mit finanziellen Vorteilen von 20 Millionen Euro.

Sonderabschreibungen belasten

Ferner teilte Lion mit, das Unternehmen werde die Bewertung seiner strategischen Beteiligungen überprüfen. Erwartet würden mögliche Abschreibungen von bis zu 8,5 Millionen Euro vom gegenwärtigen Buchwert von 10,6 Millionen Euro. Bereits angekündigt hatte Lion, im zweiten Quartal (Ende September) Sonderabschreibungen von 62,1 Millionen Euro vorzunehmen, die Firmenwerte (Goodwill) und immaterielle Vermögensgegenstände betreffen. Die Abschreibungen haben nach Unternehmensangaben jedoch keine Auswirkungen auf die Liquiditätslage bei Lion.

Analysten skeptisch

Nach Einschätzung der Analysten von Sal. Oppenheim sind die gegenwärtigen Entwicklungen bei Lion keinesfalls positiv. Es sei aber damit gerechnet worden, dass Lion von den Ausgabenkürzungen in der Life-Science-Branche betroffen sein wird. "Es wird schwierig sein, dass Geschäftsmodell von Lion erfolgreich umzusetzen", schrieben die Analysten. Unterdessen stuften die Analysten der WestLB Panmure die Lion-Aktie zurück auf "Neutral" von zuvor "Buy". Die für das Gewinnziel 2004 notwendigen Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen seien schwerer als zuvor erwartet zu erreichen.

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