Sonderangebote ziehen nicht
Windows XP verkauft sich schlechter als erwartet

Die Nachfrage der Privatkunden nach Microsofts neuem Betriebssystem Windows XP enttäuscht selbst die Skeptiker. Dabei hatte niemand erwartet, dass das Programmpaket über Nacht zum Verkaufsschlager wird.

siri SAN FRANCISCO. In der ersten Woche, in der es Windows XP zu kaufen gab, setzte der Softwarekonzern 260 000 Kopien ab, in der darauf folgenden Woche brach die Nachfrage um 40 % auf 155 000 Kopien ein. Noch eine Woche später sank die Verkaufszahl nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts NPD Intellect um weitere 51 % auf 76 000 Kopien. Zum Vergleich: Windows 98 ging in der ersten Verkaufswoche 300 000-mal über den Ladentisch, in der zweiten 245 000-mal und in der dritten noch 112 000-mal.

Steve Koenig, Analyst bei NPD Intellect, sieht die Konjunkturschwäche als einen Grund für die geringe Nachfrage: "Das Vertrauen der Kunden in eine baldige wirtschaftliche Besserung liegt am Boden", sagt er. Die Konsumenten hätten ihre Portemonnaies hinter Schloss und Riegel gelegt.

XP bietet Privatkunden nicht genug Mehrwert

Bruce Kasrel, Analyst beim Marktforscher Forrester Research, ist der Ansicht, dass Windows XP Privatkunden in der wirtschaftlich angespannten Situation nicht genug Mehrwert bietet. "Die bereits installierten Versionen wie Windows Me reichen zur Zeit völlig aus", sagt Kasrel. Erst wenn die Nutzer auf ihrem Computer digitale Fotos, Filme oder Musikstücke bearbeiten, werde das neue Betriebssystem unwiderstehlich. Kasrel ist überzeugt, dass Windows XP in zwei Jahren das dominante Betriebssystem sein wird. "Aber jetzt sind die Leute längst nicht so verrückt danach wie nach Windows 95."

Seit dem Marktstart am 25. Oktober hat Microsoft versucht, mit Sonderangeboten Kunden zu locken. So bekamen Käufer des Upgrades für 199 $ beim Händler für Bürobedarf Staples gratis eine Digitalkamera oder einen Taschencomputer im Wert zwischen 175 $ und 299 $. Analysten gehen allerdings davon aus, dass diese Aktionen die Nachfrage nur kurzfristig belebt haben. "Die Sonderangebote zeigen ja nur, dass der Mehrwert des Systems an sich nicht als Kaufanreiz genügt", sagt Forrester-Analyst Kasrel.

Chancen auf baldige Besserung sind gering

Auch die Chance, dass sich die Absatzchancen in den nächsten Monaten verbessern, halten Marktforscher für eher gering: IDC prognostiziert, dass Windows XP im ersten Jahr lediglich einen Zuwachs von 5 % gegenüber dem Vorjahr bringen wird.

Die verhaltenen Verkaufszahlen werden bei Microsoft allerdings keinen großen Schaden anrichten: "Es wird vielleicht ein bisschen wehtun, aber das Unternehmen keinesfalls erschüttern", sagt Kasrel. Die Kunden verschöben den Kauf nur, liefen aber nicht zur Konkurrenz über.

David Silver, Marktforscher bei Gartner Dataquest, glaubt, dass der Absatz von Windows XP zum großen Teil an die PC-Verkäufe gekoppelt sein wird - nur wenige Privatkunden trauten sich zu, ein neues Betriebssystem auf ihrem Rechner zu installieren. Gartner Dataquest erwartet, dass die PC-Verkäufe in den USA im 4. Quartal um 13,2 % hinter denen des Vorjahreszeitraums zurückbleiben.

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