Sondergutachter hat Arbeit auf Anweisung des Gerichts noch nicht aufgenommen
Prozess gegen Deutsche Bank verzögert

Das Schadensersatz-Verfahren der belgischen Holding Gevaert gegen die Deutsche Bank wegen des Kaufs von Anteilen des Baukonzerns Philipp Holzmann wird sich um Monate verzögern.

jkn FRANKFURT/M. "Obwohl die Klage bereits im März 2000 eingereicht wurde und das Gericht im Juni 2001 die Aufklärung der Verhältnisse bei Holzmann durch einen Sachverständigen angeordnet hat, hat dieser auf ausdrückliche Anweisung des Gerichts hin bis heute noch nicht mit seiner Arbeit begonnen", sagte Andre Leysen, ehemaliger Gevaert-Chef, dem Handelsblatt. "Wann der Sachverständige vom Gericht beauftragt und wann ein Urteil verkündet wird, ist noch nicht absehbar".

Gevaert hatte über die Tochter Gebema 1998 rund 30 % der Anteile von Holzmann gekauft. Nur ein Jahr später geriet der heute insolvente Baukonzern in seine erste existenzbedrohende Krise. Leysen fühlt sich von der Deutschen Bank, Großaktionär des Baukonzerns, falsch informiert. Er hat das Kreditinstitut und Holzmann wegen Prospekthaftung verklagt und verlangt rund 165 Mill. Euro Schadensersatz.

Nachdem das Verfahren wegen unklarer Zuständigkeiten bereits mit einer mehrmonatigen Verzögerung begonnen hatte, beschloss das Gericht am 13. Juni vergangenen Jahres, ein Sachverständigengutachten einzuholen. "Die Sache liegt seit mehr als einem halben Jahr auf Eis", bestätigte Dirk Rosenbaum von der BDO Deutsche Warentreuhand AG, der das Gutachten erstellen soll. Das Gericht habe weiteren Schriftverkehr der Parteien abwarten wollen.

Ein Sprecher des Landgerichts erklärte, durch die Insolvenz von Holzmann sei die Teilklage Holzmann unterbrochen und müsse abgekoppelt werden. Weitere Details seien ihm nicht bekannt. Rechtsexperten stellt diese Erklärung nicht zufrieden. "Das eigentliche Verfahren gegen die Deutsche Bank ist von der Insolvenz völlig unberührt", erklärte ein Wirtschaftsanwalt.

Einen Hinweis auf eine außergerichtliche Einigung liefert die Verzögerung nicht. "Das ist kein Thema", erklärte ein Sprecher der Deutschen Bank. Angesichts dessen wundert sich Leysen, dass das Kreditinstitut Ende 2001 einem Vergleich mit sechs Altvorständen von Holzmann zugestimmt hat. Immerhin habe die Bank den Altvorständen zum Teil vorgeworfen, durch kriminelle Machenschaften den Aufsichtsratsvorsitzenden und damaligen Vorstand der Deutschen Bank, Carl von Boehm-Bezing, nicht richtig informiert zu haben.

"Anderseits verweigert sich die Deutsche Bank einem Vergleich mit Gebema, obwohl Gegenstand des Verfahrens ebenfalls die unrichtige Information über die Verhältnisse bei Holzmann ist. Mit den Tätern vergleicht man sich; mit dem Opfer Gebema nicht", so Leysen.

Quelle: Handelsblatt

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