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Sonderprüfung japanischer Banken beginnt

Am Donnerstag beginnt bei Japans führenden Banken eine Sonderprüfung von Großkrediten durch die Finanzaufsicht. Ziel der auf direkte Initiative von Ministerpräsident Junichiro Koizumi zurückgehenden Operation ist die Beschleunigung der Sanierung des Bankensystems. In Tokio wird befürchtet, dass es nur symbolische Opfer geben wird.

TOKIO. Die um zwei Monate vorgezogene Sonderprüfung von Problemkrediten der führenden japanischen Banken durch die Finanzaufsicht könnte einen weiteren erheblichen Wertberichtigungsbedarf der Instituten auslösen. Fraglich ist, ob die gegenwärtige Kapitalausstattung der Finanzhäuser dafür ausreichen würde.

Ein wichtiger Grund für die vorgezogene Prüfung ist der Zusammenbruch der viertgrößten Supermarktkette Japans, Mycal, im September. Hierfür hatten die Gläubigerbanken eine völlig unzureichende Risikovorsorge gebildet. Der Mycal-Zusammenbruch gilt in Japan allerdings erst als die Spitze eines Eisberges. Zudem dürfte die sich seit September markant verschlechternde Wirtschaftslage sowie die anhaltende Deflation zu einer weiteren Verschlechterung der Qualität des Kreditportfeuilles der Banken sowie der Kreditsicherheiten führen.

Die ursprünglich erst für das erste Quartal 2002 geplante Sonderprüfung der tatsächlichen Qualität von Krediten, die die Banken bislang lediglich als besonders "überwachungsbedürftigen Engagements" (Kategorie 2) eingestuft haben, wurde daher vorgezogen. An den internationalen Finanzmärkten bestehen Zweifel, ob die Kreditklassifizierung durch die Banken noch der Wahrheit entspricht.

Die Sonderprüfung erfasst Großkredite der Mizuho Holdings (Dai-Ichi Fuji Bank, Industrial Bank of Japan), UFJ Holdings (Sanwa Bank, Tokai Bank), der Mitsubishi Tokyo Financial Group sowie der Sumitomo Mitsui Banking Corp. mit einem ausstehenden Volumen von mehr als 10 Mrd. Yen (rund 90 Mill. Euro). Als zusätzliche neue Kriterien bei der Engagements-Klassifizierung dienen die Entwicklung des Aktienkurses seit Ende März diesen Jahres sowie die Entwicklung des Ratings.

In Japan wird erwartet, dass sich als Folge dieser Sonderprüfung eine erhebliche Verschiebung innerhalb des gesamten Problemkreditvolumens von der Kategorie 2 (Ende August: 43 Bill. Yen) zu den Kategorien 3 und 4 ("notleidend" / "uneinbringbar", Ende August: 11 Bill. Yen) ergibt. Dies würde bei den Banken weiteren Wertberichtigungsbedarf auslösen und könnte damit auch zu einer Unterkapitalisierung führen. Denn die Bankbilanzen werden bereits durch den drastischen Kursverfall am Aktienmarkt stark belastet. Per Ende August wiesen Japans führende Finanzhäuser insgesamt ein Eigenkapital von 34 Bill. Yen aus. Davon entfallen 6 Bill. Yen auf die beiden bisherigen staatlichen Rekapitalisierungsoperationen.

In Tokio gilt es allerdings als denkbar, dass die Aufsichtsbehörde FSA lediglich symbolische Opfer fordern werde. Von den faktisch überschuldeten rund 30 Großunternehmen - vorrangig aus der Bau- und Immobilienbranche sowie dem Einzelhandel - könnten lediglich ein bis zwei in Konkurs enden, so die Befürchtungen. Die FSA hatte die verschärfte Prüfung abgelehnt, ebenso der zuständige Minister Hakuo Yanagizawa. Seitens der FSA war zudem immer wieder betont worden, dass es keinen erneuten Rekapitalisierungsbedarf gebe. Japans führende Wirtschaftszeitung "Nikkei" zitiert hierzu einen ehemaligen Beamten der Bank von Japan, der erklärt, es zeichne sich ab, dass die FSA mit der jetzt angelaufenen Sonderprüfung lediglich diese Lageeinschätzung bestätigen wolle.

Demgegenüber signalisierte jetzt der Präsident des Wirtschafts-Dachverbandes Keidanren, Takashi Imai, Unterstützung für die von Ministerpräsident Junichiro Koizumi angestrebte drastische Strukturbereinigung: Unternehmen, die nicht in der Lage seien, ihre Bilanzstruktur zu verbessern, fehle die Existenzberichtigung. Sie trügen lediglich zu Überangebot und Deflation bei und stellten somit eine Belastung für die gesunden Unternehmen dar. Auch für Klein- und Mittelbetriebe dürfe es keine Sonderbehandlung geben, meinte Imai angesichts entsprechender Bestrebungen in der Regierungspartei. Die Phase des Schutzes von Kreditnehmern sei vorbei, jetzt müsse das Tempo der Bewältigung der Problemkredite erhöht werden, so der Keidanren-Präsident.

Bei den Banken habe die Steigerung ihrer Ertragskraft sowie eine Kapitalaufnahme über die Finanzmärkte Vorrang. Sollte hierbei aber die Unterkapitalisierung immer noch nicht überwunden werden, müssten Staatsgelder eingesetzt werden. Hierfür bestehe im Einlagensicherungsfonds ein Rahmen von 15 Bill. Yen, den man voll ausschöpfen solle, sagte Imai. type="person" value="? Imai, Takashi" />

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