Sonderprüfung und Schadensersatz
Kirch setzt Springer unter Druck

Vor dem Hintergrund der Verkaufsverhandlungen um sein 40-Prozent-Aktienpaket am Axel Springer Verlag setzt der angeschlagene Medienunternehmer Leo Kirch die Konzernspitze weiter unter Druck. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin erzwang Kirch am Dienstag nach mehr als achtstündigen Debatten eine Sonderprüfung der Aktivitäten der Geschäftsführung rund um Vorstandschef Mathias Döpfner.

HB/dpa BERLIN. Damit will Kirch die Rolle von Europas größtem Zeitungshaus beim Zusammenbruch seines Medienimperiums unter die Lupe nehmen. Der Filmrechtehändler wirft Döpfner und Mehrheitsaktionärin Friede Springer vor, ihn zum Rückkauf von Springer-Anteilen an der ProSiebenSat.1 Media AG gezwungen und damit die Insolvenz seines Kerngeschäfts KirchMedia beschleunigt zu haben.

"Sie wollten Leo Kirch durch die Erhöhung des finanziellen Drucks loswerden", sagte der Anwalt des Medienunternehmers, Roland Frohne. Der 75-jährige Kirch und die Verlegerwitwe verfolgten als Aufsichtsratsmitglieder die Debatte. Neben dem Antrag auf Sonderprüfung setzte Kirch auch Forderungen nach Schadenersatz von Springer durch. Diese hätten jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen und könnten erst vor Gericht geregelt werden, verlautete aus Unternehmenskreisen.

An der Abstimmung durfte Mehrheitsaktionärin Friede Springer als Betroffene nicht teilnehmen. Damit setzte sich Kirchs PrintBeteiligungs (PB) GmbH, die die Springer-Aktien hält, durch. Die Sonderprüfung soll sich auch auf den Aufsichtsrat und die beiden Mehrheitsaktionäre erstrecken. Mehrere Kleinaktionäre meldeten Einspruch gegen die Beschlüsse an.

Gegenstand des Streits ist eine von Springer Ende 2001 ausgesprochene Verkaufsoption für 11,5 Prozent der Aktien, die der Verlag an der ProSiebenSat.1 Media AG besitzt. Laut Kirch-Vertreter hat Springer damit die Zahlungsschwierigkeiten des Medienimperiums verschärft und auch dem Verlag schweren Schaden zugefügt. "Es geht also nicht um einen Rachefeldzug des Leo Kirch", sagte Frohne.

Die Verleger-Witwe habe mit einer Kirch-Pleite den Zugriff auf weitere Teile der Springer-Aktien bekommen und damit ihre Stellung als Hauptinhaberin sichern wollen. Ein Angebot von Kirch, 16 Prozent an der Senderfamilie zu kaufen, habe Springer abgelehnt. Dieses Aktienpaket würde heute einem Wert von 28 Prozent der ProSiebenSat.1 Media AG entsprechen. Stattdessen habe Döpfner auf Anweisung von Frau Springer auf der "put option" beharrt. Angesichts der Kirch-Krise sei dieses Paket, damals etwa 767 Millionen Euro wert, heute praktisch wertlos, sagte Frohne. Springer drohe nun der Totalverlust dieser Forderung.

Döpfner sagte, die Ausübung der Verkaufsoption sei unausweichlich gewesen. "Wir haben alles Erforderliche getan und im Sinne unserer Gesellschaft und aller Aktionäre entschieden." Die Umwandlung der "put option" in eine Beteiligung an den TV-Sendern habe er ablehnen müssen. "Andere Aktionäre haben sich auf solche oder ähnliche Umwandlungs-Modelle eingelassen. Sie haben heute, nach der Insolvenz der KirchMedia, alles verloren". Springer halte aber noch immer die Anteile an den Sendern.

Kirchs Springer-Aktien waren am vergangenen Freitag an die Deutsche Bank gefallen, Kirch konnte aber die Stimmrechte noch ausüben. Nach Informationen aus Kirch-Kreisen hofft der Münchner Unternehmer noch immer darauf, das Paket selbst an den Schweizer Ringier-Verlag für zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro verkaufen zu können.

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