Sonderverkäufe und Preisnachlässe
Rabattschlachten locken Möbelkäufer nicht aus der Reserve

Die deutsche Möbelbranche steckt in der Krise. Auch Sonderverkäufe und Preisnachlässe bis hin zu unseriösen Rabattschlachten im Handel können die Bundesbürger nicht stimulieren, mehr für ihr trautes Heim auszugeben.

HB/dpa FRANKFURT. Nach einem leichten Minus 2001 sind die Umsätze der deutschen Möbelindustrie im Zeitraum Januar bis August weiter um 10 Prozent auf 13, 2 Milliarden Euro gefallen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Dabei sind die Deutschen Weltmeister im Möbelkauf. Pro Kopf werden etwa 425 Euro für die Ausstattung der eigenen vier Wände ausgegeben. Die großen Nachbarn in der EU - Frankreich, Italien und Großbritannien - kommen gerade auf gut 200 Euro im Jahr, berichtet der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Doch seit den Boomjahren im Gefolge der deutschen Einheit dümpelt der Jahresumsatz Umsatz der Hersteller um die Marke von 22 Milliarden Euro.

Die Strukturkrise trifft dabei Handel und Hersteller gleichermaßen. Nicht nur in der Produktion sondern auch im Einzelhandel bestehen riesige Überkapazitäten. "Während in den 70er Jahren noch 12 000 bis 15 000 DM pro Quadratmeter in Möbelhäusern umgesetzt wurden, ist der Verkauf mittlerweile auf ein Fünftel abgesackt", klagt VDM-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas. Weltmeisterlich ist auch die riesige Verkaufsfläche: Auf vier Einwohner kommt bereits ein Quadratmeter im Möbeleinzelhandel, betont die Dresdner Bank in einer Branchenanalyse.

Da die zehn größten Einkaufsorganisationen bereits mehr als 70 Prozent des Umsatzes auf sich vereinen, ist eine Abwärtsspirale in Gang gekommen. Die großen Handelsketten locken permanent mit Sonderangeboten. Ihre Nachfragemacht zwingt die meist mittelständischen Hersteller zu erheblichen Preisnachlässen - auch mit entsprechenden Qualitätseinbußen. Bei den Konsumenten hat dieser ständige Schlussverkauf zu einem Billig-Image von Möbeln beigetragen. Verstärkt wird dies durch die häufig lieblose und zu enge Präsentation in den Ausstellungsräumen.

Der Kampf um den Kunden nimmt dabei extreme Formen an. So hat der Bundesgerichtshof einem Möbelhaus untersagt, preisgünstige Sonderangebote nur für einen Tag anzubieten, teilte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg mit. Der harte Konkurrenzkampf lässt dabei die Gewinne in den Keller gehen. Der hessische Möbel-Riese Walther schrieb 2001 erstmals rote Zahlen und wurde von der ostdeutschen Kette Höffner übernommen. Selbst beim schwedischen Möbelhaus Ikea - wird in der Branche gemunkelt - sollen die Gewinne überwiegend aus dem Verkauf von Accessoires stammen.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist zudem der Konsument ein schwieriger Kunde. Wenn das Fernsehgerät streikt oder das Auto den Geist aufgibt, muss rasch Ersatz her. Wandschränke, Sitzmöbel oder Kücheneinrichtungen werden dagegen noch Jahre toleriert, wenn knappes Geld für den Urlaub herhalten muss. Ohnehin rangiert die häusliche Einrichtung erst an sechster Stelle bei der Ausgaben-Hitliste der privaten Haushalte. Nach einer Allensbach-Umfrage gehen Reisen, Kleidung, Haus/Wohnung, Altersvorsorge und Hobbys vor.

Ohne spektakuläre Pleiten - wie in anderen Branchen mit Holzmann, Dornier und Babcock - siecht die Möbelindustrie dahin. Im Spitzenjahr 1995 waren nach dem Einigungsboom in 1647 Betrieben noch 188 000 Personen beschäftigt. Derzeit zählen die Hersteller von Wohn- und Büromöbeln noch gut 1300 Betriebe mit weniger als 150 000 Arbeitnehmern. Der Verband fürchtet eher eine Fortsetzung dieses Trends, zumal sich die klassische Mittelstandsbranche auf den Exportmärkten noch schwer tut. Lediglich ein Fünftel der Produktion wird jenseits der Grenzen verkauft, und dies auch nur in den Nachbarländern Niederlande, Österreich, Schweiz, Frankreich und Belgien.

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