Sonja Lahnstein ist geschäftsführende Gesellschafterin von Step 21
Wie fühlt man sich eigentlich, Frau Lahnstein...

...wenn man jeden Tag betteln gehen muss?

...wenn man jeden Tag betteln gehen muss?

Das Schwierigste daran ist, jeden Morgen mit diesem Wissen aufzustehen, ein Bittsteller zu sein. So, als käme ich von einem Wohltätigkeitsverein, der sich um streunende Hunde kümmert und nicht von einer Initiative, die so wertvolle pädagogische Arbeit leistet wie Step 21. Deshalb habe ich ständig dieses unsichere Gefühl im Bauch und frage mich, wie es wohl weitergeht.

Dabei haben wir eine echte Dienstleistung anzubieten. Wenn ich mal das Glück habe, zu einem Konzernvorstand vorzudringen, kann ich ihm ganz genau sagen: Das sind Ihre Unternehmensleitsätze - und diese oder jene Projekte passen zu Ihren Zielen. Schließlich geht es um Themen, die alle Firmen betreffen. "Was müssten Jugendliche mitbringen, die einen Ausbildungsplatz besetzen wollen" - ist nur ein Beispiel. In Amerika sprechen Campaigner, wie ich es auch bin, auf gleicher Augenhöhe mit Geldgebern. Dort wird Bildung nicht allein als Sache des Staats angesehen, sondern Unternehmen fühlen sich genauso verantwortlich. Wer als politisch korrekt gelten will, muss sich sozial engagieren. Bei uns stecken leider häufig nur Lippenbekenntnisse hinter den hehren Zielen. So muss ich mich oft fragen lassen: "Was geht uns das an?" Anderes erlebe ich nur bei Geschäftsleuten, die selbst Kinder haben. Zum Glück.

Trotz allem mache ich meine Arbeit mit Leidenschaft, 60 Stunden in der Woche. Es tut gut, wenn ich Zuspruch bekomme: Von Privatleuten, die nur kleine Spenden machen, aber immerhin. Oder als der BDI-Präsident Rogowski kürzlich vierzig seiner Mitglieder um Spenden für uns gebeten hat. Leider sind die Briefe fast ohne Resonanz geblieben.

Die Frage stellte Stefanie Bilen.

*Sonja Lahnstein ist geschäftsführende Gesellschafterin von Step 21, eine Jugendinitiative für Toleranz und Verantwortung, die von Spenden abhängt.

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