Sonne, Wind, Wasser und Geld
Erneuerbare Gewinne mit regenerativen Energiequellen

Die Boomzeit für Ökoaktien könnte bald vorbei sein, warnen Finanzexperten. Manche Kurse dürften nach einem übertriebenen Steigflug wieder auf den Boden kommen. Jedoch sei das kein Grund zur Panik: Die grüne Energie steht nach Ansicht vieler Experten vor einer guten Zukunft.

DÜSSELDORF. Ökoaktien sind grünes Gold, heißt es. Dank des hohen Ölpreises und der Ökosteuer konnten Anleger mit Sonne, Wind und Wasser in letzter Zeit richtig Geld verdienen: Umweltkontor hat seinen Aktienkurs am Neuen Markt seit August verdreifacht. Das Unternehmen verdient sein Geld mit allen Arten erneuerbarer Energien, vor allem Windparks. Wedeco entkeimt Wasser mit ultraviolettem Licht. Das Konzept kam an der Börse an - der Aktienkurs verfünffachte sich innerhalb eines Jahres. Der Umweltbranche wird insgesamt eine gute Zukunft vorausgesagt - besonders den Energieerzeugern. Doch Traumgewinne wie zuletzt dürften seltener werden.

"Die meisten dieser Werte sind in der letzten Zeit sehr schnell gestiegen", sagt Catrina Vaterlaus. Sie ist Analystin bei der Schweizer Privatbank Sarasin und beobachtet die Ökoaktien. "Ich erwarte Gewinnmitnahmen, zumindest aber eine Kosolidierung." Auf lange Sicht bleibt sie aber optimistisch.

Zum gleichen Ergebnis kommt Hartmut Moers von der Research-Abteilung der Bank Julius Bär: "Zum Teil hat es bei den Ökoaktien einen Hype - wie zuvor bei Biotechnologie- und Telekommunikationswerten - gegeben. Einige Aktien sind schon zu weit gestiegen." Namen möchte der Analyst allerdings nicht nennen. Dennoch glaubt auch er, dass die regenerativen Energien auf längere Sicht wettbewerbsfähig sind. "Derzeit profitieren sie von der starken politischen Förderung", sagt er. Ein Beispiel sei das Gesetz über erneuerbare Energien (EEG), mit dem die Bundesregierung den Anteil von Ökostrom an der gesamten Energieerzeugung erhöhen will.

Größere Anteile an Wind- und Sonnenenergie

Ausgebaut werden im Wesentlichen die Bereiche Windkraft und Photovoltaik, also die Gewinnung von Strom aus Sonnenlicht. In diesem Markt sind zum Beispiel das amerikanische Unternehmen Astropower und die deutschen Firmen Solon und Solarworld aktiv. Moers erwartet, dass vor allem die Solarworld-Aktie stark steigen wird. Das Unternehmen aus Bonn entwickelt und produziert Sonnenstromanlagen. Vor kurzem hat es die Solarsparte des Pharmakonzerns Bayer gekauft. Dem Analysten zufolge verlängert Solarworld damit seine Wertschöpfungskette. Das Unternehmen wandele sich vom Händler zu einem voll integrierten Unternehmen. Und werde so zu einem der wenigen Gestalter des Marktes. "Solarworld ist immer noch unterbewertet", sagt Moers.

Brennstoffzellen auf der Basis von Wasserstoff gehören zu den möglichen Energiequellen der Zukunft. Unternehmen wie Plug Power und Fuelcell Energy verdienen ihr Geld in diesem Bereich. Ein bekannter Hersteller ist die kanadische Ballard Power. Auf ein Jahr gesehen vervierfachte sich der Aktienkurs - allerdings mit sehr starken Schwankungen. An Ballard Power ist auch der Automobilkonzern Daimler-Chrysler beteiligt. "In vier Jahren will Daimler das erste Serienauto mit Brennstoffzellen-Antrieb vorstellen", berichtet Helene Korczok-Nestorov, die für den Vermögensverwalter Invesco den Öko-Fonds GT Umwelttechnologie managt. Wegen der Verbindung mit dem Autobauer wurde Ballard allerdings für einige Öko-Fundis inakzeptabel. Ein Fonds warf die Aktie sogar aus dem Portfolio.

Für Julius Bär-Analyst Hartmut Moers sind Brennstoffzellen im Wettbewerb mit anderen erneuerbaren Energien benachteiligt. "Sie sind zum Teil komplementär, da der für die Brennstoffzelle benötigte Wasserstoff langfristig nur mit regenerativen Energien gewonnen werden kann", sagt er.

Wasserkraft stößt an Grenzen

Von allen erneuerbaren Energiequellen wird Wasserkraft in Deutschland am stärksten genutzt. Aus ihr wird zweimal soviel Strom gewonnen, wie aus Wind, Sonne, Müll und Biomasse zusammen. Doch Wasser stößt nach Angaben der Schweizer Analystin Vaterlaus an Grenzen. Staudämme könne man nicht in beliebiger Menge bauen. "Wir können ja nicht einfach alle unsere Täler überfluten."

In ferner Zukunft könnte die Wasserkraft dennoch wieder einen Boom auslösen. Derzeit forschen Universitäten daran, die Bewegungen des Meeres zu nutzen. Turbinenparks auf dem Grund der Ozeane sollen Strömungen zu Strom machen und Energie aus den Bewegungen von Ebbe und Flut gewinnen. Noch ist nach Angaben von Vaterlaus allerdings unklar, welche Untermehmen davon profitieren könnten.

Einen Dämpfer könnte der Europäische Gerichtshof der deutschen Öko-Euphorie und den grünen Aktien verpassen: Anfang nächsten Jahres werden die Richter über das Stromeinspeisungsgesetz entscheiden. Dieses zwingt Energieversorger, Ökostrom aus lokalen Wind- oder Wasserkraftwerken zu einem Festpreis abzunehmen. Ein Zwang, der möglicherweise gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt.

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