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Sonnige Geschäftsideen

Unternehmensgründer Markus Krall eröffnet mit seinen flexiblen Solarmodulen neue Möglichkeiten auf dem Markt umweltfreundlicher Energie.

Mitten auf dem Acker steht das Werbeschild. Aufgestellt auf einem alten Karren weist es auf den nächsten Schnellimbiss hin. Zumindest solange es hell ist. Mit der Dämmerung versinkt das Schild in Finsternis.

"So war es bisher", sagt Markus Krall, Geschäftsführer des bayerischen Startups Sunovation. "In Zukunft werden nachts Lampen angehen, die das Schild beleuchten. Und tagsüber lädt sich der Akku mit unseren neuartigen Solarmodulen wieder auf."

Eigentlich lässt sich der Wagen auch mit herkömmlichen Solarmodulen beleuchten - doch die sind üblicherweise aus Glas und deshalb sehr empfindlich. Sunovation dagegen hat Solarzellen statt in Glas in Plexiglas eingebettet. Dadurch sind sie widerstandsfähiger und außerdem auch noch biegsam.

Unternehmensgründer Krall ist kaum zu bremsen, wenn er über die vielen Anwendungsmöglichkeiten seiner Module spricht: In Booten sind sie gleichzeitig Sonnendach und Stromversorgung, in Bushaltestellen spenden sie tagsüber Schatten und sorgen nachts für die Beleuchtung, bewegliche und beleuchtete Werbung ist nicht mehr auf das Stromnetz angewiesen.

Einige dieser Ideen sind längst Wirklichkeit: Das Solarboot Alstersonne in Hamburg ist mit Plexiglasmodulen von Sunovation ausgestattet, erste Bushaltestellen haben ein Solardach. Und Leon Dominitz von der Werbeagentur Proconcept bestätigt: "Ich bin sicher, dass diese Technik viele neue Möglichkeiten in der Werbung eröffnen wird."

Sunovation ist keine Gründung aus dem Nichts. Krall hat sich bereits vor über zehn Jahren mit kunststoffverarbeitenden Unternehmen selbstständig gemacht. "Die Idee, Solarzellen mit Kunststoff zu verknüpfen, entstand aufgrund einer Machbarkeitsstudie der Darmstädter Firma Röhm." Die Degussa-Tochter hatte erforscht, wo sich Kunststoffe abgesehen von Bedachungen und Maschinenabdeckungen noch einsetzen lassen.

Krall war von der Idee, Solarzellen in Kunststoff einzubetten, sofort begeistert. Er gründete die Firma Solacryl, tat sich mit den beiden Solarspezialisten Claus und Bernd Rothenbach zusammen, tauschte abends den Business-Anzug gegen Arbeitskleider und entwickelte mit den beiden Mit-Gründern die Plexiglas- Module.

Kosten sind in dieser Zeit kaum entstanden: Die "Firma" war anfangs in drei kleinen Räumen untergebracht, die Miete zahlte Kralls Kunststoff-Unternehmen. "Außerdem haben wir uns als Geschäftsführer nie Gehälter gezahlt, ansonsten hätte die Firma nicht überleben können." Zu Buche schlugen hauptsächlich die Kosten für das nötige Material.

Vier Jahre dauerte die Entwicklungszeit, bis Krall und die Brüder Rothenbach das Problem gelöst hatten, wie sich Solarzellen und Acryl verbinden lassen. "Die Schwierigkeit ist, dass Solarzellen und Acryl sich unterschiedlich stark ausdehnen", beschreibt Oliver Lang, Geschäftsführer der Berliner Firma Solarc das Problem. "Solacryl hat eine sehr gute Technik entwickelt, die diese Schwierigkeit überwindet."

Seine Mitgründer hat Krall vor einem Jahr ausgezahlt, die damalige Solacryl hat er in Sunovation umbenannt und mittlerweile auch Mitarbeiter eingestellt, die die Produktion für größere Stückzahlen vorbereiten sollen. Die Zeit, in der sich das Geschäft auf ein paar Werkstatträume beschränkte, ist vorbei. Krall hat für Sunovation eine eigene Fertigungshalle gebaut.

Die nötigen Investitionen hat Krall bisher auf eigenes Risiko aufgebracht. Auf Gründerkredite hat er verzichtet, Krall hat die nötigen Kredite - mehrere 100 000 Mark - stattdessen bei seiner Hausbank aufgenommen. Die gibt das Geld gerne, schließlich hat Krall bereits mehrere profitable Firmen aufgebaut und taugt deshalb auch als Bürge.

Für die Produktion braucht er nun jedoch rund 1,5 Millionen Euro - und sucht Venture Capital-Geber, die die Geschäftsidee unterstützen. Er geht selbstbewusst in die Verhandlungen: Für sein Geschäftsmodell ist er beim Business-Plan-Wettbewerb Nordbayern ausgezeichnet worden und hat bereits Gespräche mit mehreren Interessenten: "Es gibt Unternehmen, die wollen gleich 30 bis 40 Prozent der Anteile, andere sind auch mit weniger zufrieden." Krall legt sich aber nicht nur auf Wagniskapital fest: "Wenn wir günstige Bankkredite bekommen, ist uns das natürlich lieber als der Verkauf von Anteilen."

0,2 Prozent des Weltmarktes für Photovoltaik strebt Krall für 2005 an - das entspricht einem Umsatz von zwölf Millionen Euro. Bis 2010 strebt er sogar 45 Millionen Euro Umsatz an. Kooperationen in Pilotprojekten bestehen mit Bayer, BMW und Shell Solar.

Dass er kein Traumtänzer ist, bestätigt Solar-Produzent Lang: "Es gibt viele Anwendungen, für die flexible Module wünschenswert wären." Und Claudia Hemmerle von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie bestätigt: "Sunovations hat durchaus eine innovative Technik eingeführt."

Bisher sind die Module noch recht dick und sperrig, doch Krall entwickelt bereits dünnere Versionen: "Die können Sie dann einrollen, mit an den Strand nehmen und gleichzeitig als Windschutz benutzen und mit dem Strom ihr Laptop betreiben."

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