Sonniger September lässt Oechslegrad steigen
Winzer erwarten überdurchschnittlichen 2002er Jahrgang

Selten war die Einschätzung eines neuen Weinjahrgangs aus deutschen Landen so einhellig wie beim 2002er: Die Winzer aller 13 Anbaugebiete erwarten einen herausragenden, weit über dem Durchschnitt liegenden Wein.

HB/ dpa MAINZ. Nicht nur die Qualität wird den schon hoch gelobten Jahrgang 2001 noch übertreffen, auch der geschätzte Ertrag liegt mit etwa 10,5 Millionen Hektolitern über dem Ergebnis des Vorjahres von gut neun Millionen.

Wurde der 2001er maßgeblich von einem "Goldenen Oktober" beeinflusst, war es diesmal der sonnige September, der dem Jahrgang zu Glanz verhelfen wird. In diesem Monat explodierten die Mostgewichte mit einem Plus von wöchentlich zehn Grad Oechsle geradezu. Schon zuvor hatte es für die Vegetation in allen Phasen ideale Bedingungen gegeben. Die Trauben in den Regionen waren gesund wie selten; ausreichend Feuchtigkeit sorgte nach den Beobachtungen der Fachleute zudem dafür, dass sie weitgehend "stressfrei" blieben. So blieb den Trauben zu viel trockene Hitze erspart, bei der sie die Zuckerproduktion einstellen.

Schon bei den frühen Sorten wie Bacchus und Siegerrebe staunten die Winzer vielerorts über seit Jahren nicht erreichte Mostgewichte. Das setzte sich bei der Massensorte Müller-Thurgau fort, es gilt unter anderem auch für Silvaner und steht bei der spätesten Sorte Riesling noch in Aussicht. Die Pfalz spricht schon von einem "großen Rieslingjahr"; in Franken konnten "blitzsaubere, glasklare Moste" eingekellert werden, und an der Hessischen Bergstraße wurde verschiedentlich das zweithöchste Mostgewicht seit dem Ausnahmejahrgang 1976 gemessen. Bei der vielerorts gerade erst angelaufenen Rieslinglese hoffen Winzer noch auf eine verstärkte Edelfäule, damit der Botrytispilz den Beeren Wasser entzieht und ihnen den letzten, zusätzlichen Zuckerschub gibt.

Rotwein-Boom hält an

Dem nach wie vor ungebrochenen deutschen Rotwein-Boom kommt der Spitzenjahrgang ebenfalls entgegen. Spätburgunder, Portugieser und Dornfelder lassen beispielsweise in der Pfalz, in Rheinhessen und an der Ahr Weine mit ausgewogenem Mostgewicht und Säurewerten sowie überdurchschnittlichen Farbwerten erwarten. Beim "Roten" gibt es selbst bei den Fassweinanbietern keine Probleme. Bei den Weißweinen sieht das für viele Fassweinvermarkter allerdings anders aus: Die von den Kellereien gebotenen Preise für ihren Most decken beispielsweise bei etlichen dieser Winzer im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer nicht einmal die Erzeugerpreise.

Dort droht eine Fortsetzung des "Winzersterbens" - für den Betrachter schon an den vielen überwucherten Flecken in den Weinbergen erkennbar. Aber selbst für die Fassweinwinzer hat der Jahrgang 2002 einen Lichtblick: Wegen eines katastrophalen Ernteausfalls in Italien lassen sich größere Mengen Most zur Verarbeitung als Traubensaft im südlichen Weinbauland absetzen.

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