Sony rechnet mit Minus im Gesamtmarkt für Unterhaltungselektronik
Digitalfotografie als treibende Kraft

Ein ungebremstes Wachstum bei der Digitalfotografie wird nach Ansicht von Leopold Bonengl, Geschäftsführer der Sony Deutschland GmbH, die Vernetzung der Unterhaltungselektronik deutlich voran bringen.

DÜSSELDORF. Die Verbindung von Digitalbild, Web, TV und Handy soll dem deutschen Marktführer bei Unterhaltungselektronik ein gutes Weihnachtsgeschäft bescheren, die Rückkehr in die Gewinnzone beschleunigen und den Abstand zur Konkurrenz vergrößern.

"Die Vernetzung kommt bald, der Markt ist reif", sagt Bonengl. Objektiv, gibt er zu, ist dieser Markt im Konsumbereich zwar noch nicht vorhanden. Aber er hofft, dass 2003 die Saat, die Sony 1998 gelegt hat, aufgehen wird. Damals wurde das strategische Konzept der "Vaio World" geboren.

Der Vaio Desktop-PC - seit wenigen Monaten auch in Deutschland auf dem Markt - wird zur Schaltzentrale für die digitale Unterhaltungswelt, wobei allerdings die einzelnen Komponenten wie Kamera, Handy, MP3-Spieler oder Notebook auch ohne PC direkt kommunizieren werden. Gerade wurde das erste Plasma-TV-Gerät mit Schnittstelle zur Speichereinheit Memory-Stick auf den Markt gebracht. Es kann jetzt Bilddaten direkt von einer digitalen Kamera übernehmen.

Hat Bonengl recht, gewinnt Sony wichtigen Boden gegenüber Branchenriesen wie Grundig oder Philips. Das Unternehmen hat erfolgreich den Schritt in die wichtigen Märkte digitales Video und digitale Fotografie geschafft. Rund 625 000 Camcorder sollen nach Angaben des Branchenverbandes Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU) in diesem Jahr verkauft werden. Sony ist hier Marktführer.

Bei Fotokameras werden nach Branchenberechnungen 2002 bereits gut 50 % der verkauften Apparate Digitalgeräte sein. Das wären gut 2,5 Mill. Stück. Im Jahr 2000 waren es noch 14 %. Der Vorstandschef von Europas größtem Fotodienstleister Cewe Color, Rolf Hollander, bestätigt Bonengls Einschätzung zum digitalen Kameramarkt durch eigene Erfahrungen. Die Bestellung von Ausbelichtungen von Digitalaufnahmen explodierte bei Cewe zwischen September 2001 und 2002 um 480 % auf 5,2 Mill. Abzüge. Hollander: "Digitalgeräte werden nicht mehr nur gekauft, sondern mittlerweile ganz alltäglich genutzt." Bei digitalen Fotoapparaten ist Sony zwar nicht Marktführer, wächst aber beständig und öffnet sich neuen Märkten, immer mit Blick auf die Vernetzung. Zum Weihnachtsgeschäft bringt Sony-Ericsson ein Multimedia-Handy mit eingebauter Kamera.

Allerdings machen Branchenanalysten auch auf potenzielle Knackpunkte in der Sony-Strategie aufmerksam. Der japanische Elektronikriese hält eisern an seinem "Memory-Stick" als Speichermedium fest. Standardisierte Flash-Card-Speicher, wie sie die Konkurrenz benutzt, haben mittlerweile aber viele Unterstützer und einen enormen Preisverfall erlebt. Das macht sie für die Konsumenten sehr attraktiv.

Ein Problemfeld des vergangen Jahres ist noch nicht ganz gelöst. Als technologisch-führender Hochpreisanbieter hatte Sony den mittleren und unteren Preisbereich im TV-Massenmarkt (rund 5 Mill. Einheiten pro Jahr insgesamt) vernachlässigt. Jetzt wurden auch wieder drei TV-Geräte mit billiger 50-Hz-Technologie ins Programm genommen, die Produktpalette nach unten abgerundet. Ein Zugeständnis an die wirtschaftliche Lage, die das Weihnachtsgeschäft deutlich beeinflussen dürfte.

Während die Branche noch Anfang des Jahres für den gesamten Bereich Unterhaltungselektronik auf ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr (19,97 Mrd. Euro) gehofft hatte, ist Bonengl mittlerweile skeptischer. Er schätzt, dass zum Jahresende ein "einstelliges Minus" übrig bleiben wird.

Das Geschäft mit professioneller Unterhaltungselektronik (TV-Kameras, Studioausstattungen) ist nach Aussagen von Bonengl derzeit extrem hart. Die Medienkrise schlägt voll durch, die Kirch-Gruppe gehörte zu den größten Kunden im Professional-Bereich. Dass der Investitionsstopp der Sender die Wettbewerber auch trifft, ist da nur ein schwacher Trost.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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