Archiv
Sorge bei Bundesligavereinen wegen Überschuldung

Frankfurt/Main (dpa) - Die anhaltende Finanzkrise im deutschen Profi-Fußball löst bei den Vereinen zunehmend Existenzängste aus.

Frankfurt/Main (dpa) - Die anhaltende Finanzkrise im deutschen Profi-Fußball löst bei den Vereinen zunehmend Existenzängste aus.

Nachdem die Verschuldung der 36 Clubs in der ersten und zweiten Bundesliga in der vergangenen Saison um etwa 100 Millionen Euro auf die Rekordmarke von 700 Millionen Euro angestiegen ist, sorgt sich laut einer Umfrage unter den Managern mehr als die Hälfte der Vereine um die eigene Zukunft. «Die Insolvenzgefahr ist da. Es besteht das Risiko, dass einige Vereine auf der Strecke bleiben», sagte Karl-Heinz Stagner von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Die in Frankfurt/Main vorgestellte Studie des Unternehmens zeichnet zwar kein düsteres Bild von der Zukunft des deutschen Profi-Fußballs, zeigt aber etliche Problemfelder auf. Vor allem die zu geringe Eigenkapitalausstattung belastet die Vereine. Mit Ausnahme von Bayern München und Borussia Dortmund sind die übrigen Bundesligaclubs im Durchschnitt mit drei Millionen Euro überschuldet. «Die Vereine müssen sich im Hinblick auf die Finanzierung neu aufstellen», erklärte Stefan Pfeiffer, Senior Manager von Ernst & Young.

«Ihre Verschuldungssituation werden die Clubs kurzfristig nur durch alternative Finanzierungsformen sowie eine Reduzierung der Ausgaben für den Spielbetrieb in den Griff bekommen», sagte Pfeiffer. Die Mehrheit der 24 Vereinsmanager, die sich an der im April durchgeführten Umfrage beteiligten, habe dies erkannt und der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten die höchste Priorität eingeräumt. Zunehmende Bedeutung gewinnt dabei die Leasing-Finanzierung, die für knapp 60 Prozent der Fußball-Unternehmen schon heute eine große Rolle spielt.

Dagegen erwägt derzeit keiner der befragten Vereine einen Gang an die Börse. Das Beispiel Borussia Dortmund habe abschreckend gewirkt und zu einem Umdenken geführt. «Fußball-Vereine sind mit weitaus größeren Risiken behaftet als andere Wirtschaftsunternehmen und daher für einen Börsengang nicht tauglich», sagte Stagner. Der in finanzielle Schieflage geratene BVB müsse nun seine Strategie neu überdenken und vor allem die AG sanieren.

Bei der Zufuhr frischen Geldes setzen die meisten Vereine auf eine Erhöhung der Einnahmen aus den TV-Rechten und des Spielbetriebs. In diesen Sparten rechnet kein Manager mit Rückgängen, gut die Hälfte aber mit einem Anstieg in der kommenden Saison. Gespart werden soll vor allem bei den Ausgaben für Transfers und Spielergehälter.

Gut die Hälfte der Befragten rechnet damit, dass die Talsohle erreicht ist und die Gesamteinnahmen in den kommenden fünf Jahren wieder ansteigen. Dabei wird jedoch die Schere zwischen Arm und Reich mit großer Wahrscheinlichkeit weiter auseinander gehen. So kann ein Erstligist pro Saison mit durchschnittlichen Einnahmen von 65 Millionen Euro rechnen, ein Zweitligist kann lediglich mit 10 Millionen Euro kalkulieren. Für die kleinen und finanzschwachen Vereine könnte es daher in Zukunft immer enger werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%