Sorge um Bilanzierungspraktiken: Wall Street muss kräftige Verluste hinnehmen

Sorge um Bilanzierungspraktiken
Wall Street muss kräftige Verluste hinnehmen

Anhaltende Sorgen um undurchsichtige Bilanzierungspraktiken haben die New Yorker Aktienmärkte am Dienstag belastet und den Nasdaq-Index auf den tiefsten Stand seit dem 2. November 2001 gedrückt.

rtr NEW YORK. Überschattet wurde das Geschäft nach Händlerangaben außerdem von Befürchtungen, die hohen Schulden der US-Telekomfirmen könnten weitere Unternehmen des Sektors in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Der Standardwerte-Index Dow Jones schloss 1,60 % schwächer bei 9 745 Punkten. Der technologielastige Nasdaq Composite gab 3,04 % auf 1 750 Zähler nach. Der breiter gefasste S&P-Index verlor 1,90 % auf 1 083 Punkte. "Hauptgesprächsstoff ist im Moment die Angst vor unzuverlässigen Angaben von Wirtschaftsprüfern und das unsichere Gefühl bei den Bilanzen", sagte Tracy Herrick, Chefinvestment-Strategin bei Jefferies & Co. "Die Banken werden das Problem zuerst zu spüren bekommen."

Die Mitteilung der PNC Financial Services Group, der Gewinn aus aufgegebenen Geschäftsbereichen für 2001 sei wegen eines Buchführungs-Fehlers um 35 Mill. Dollar niedriger als zunächst gemeldet ausgefallen, habe für Unruhe bei den Investoren gesorgt, sagten Händler. Das Unternehmen musste damit bereits zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen seine Gewinnangaben nach unten korrigieren. Die Aktien büßten rund 2,8 % auf 55,35 Dollar ein.

Die Titel des Mobilfunkkonzerns Nextel Communications brachen rund 27 % auf 3,55 Dollar ein und waren der umsatzstärkste Wert an der Nasdaq. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, der internationale Konzernbereich NII Holdings werde für 2001 eine vorsteuerliche Belastung von einer bis zwei Mrd. Dollar verbuchen.

Im Blickpunkt standen nach Händlerangaben weiterhin die Aktien des Computerherstellers IBM, die im Verlauf auf ein Viermonats-Tief einbrachen. Die Investmentbank Prudential Securities hatte zuvor das Kursziel für die Aktie auf 100 von 111 Dollar gesenkt und dies mit Sorgen um unübersichtliche Finanzberichte des Konzerns begründet. Diese Befürchtungen könnten der Aktie noch bis zum kommenden Jahr schaden, hieß es. Die IBM-Papiere fielen zum Schluss rund 3,3 % auf 99,54 Dollar. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" will IBM den Forderungen der Investoren nach einer transparenteren Rechnungslegung nachkommen und über die Bilanzierungsvorschriften hinaus die Herkunft seiner Einnahmen künftig detaillierter offen legen.

Die Aktien des US-Netzwerkausrüsters Cisco Systems verloren rund 1,6 % auf 16,81 Dollar. Ein Artikel in der Montagsausgabe der Zeitung "New York Post" habe Befürchtungen um mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Transaktionen des Konzerns geweckt, sagte David Memmott, Leiter Aktienhandel bei Morgan Stanley. "Sorgen um die Bilanzierungen halten sich weiter. Der etwas negative Artikel in der 'Post', der diese Sorgen noch einmal anspricht, hat nicht geholfen."

Die Investoren befürchteten außerdem, dass Sorgen um die Kreditwürdigkeit der Telekommunikationsfirmen zu einer Verknappung des Kapitals führen und die Darlehenskosten der Unternehmen erhöhen könnten, sagten Börsianer. Diese Sorgen seien durch den Antrag auf Gläubigerschutz der Telekomfirma Global Crossing im Januar verstärkt worden. Die Aktien der Qwest Communications verloren 3,8 % auf 7,27 Dollar. Mehrere Ratingagenturen hatten in der vergangenen Woche die Bonitätsbewertung des US-Telekommunikationsanbieters gesenkt, nachdem Qwest Handelspapiere (Commercial Papers) nicht erneuern konnte.

Die Aktien von Finanzwerten litten nach Händlerangaben unter Sorgen, dass deren Gewinne als Folge der Probleme ihrer Kunden schrumpfen könnten. Die Titel des Blue Chip Citigroup gaben rund 4,3 % auf 42,22 Dollar nach und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange.

An der New York Stock Exchange wechselten insgesamt rund 1,19 Mrd. Aktien den Besitzer, dabei gab es 2 120 Verlierer und 1014 Gewinner, 201 schlossen unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund 1,73 Mrd. Aktien 2 495 Titel im Minus, 1 046 im Plus und 317 unverändert.

An den US-Bondmärkten verloren die richtungweisenden zehnjährigen Notes 7/32 auf 99-28/32 Punkte und rentierten mit 4,88 %. Die 30-jährigen Bonds büßten 12/32 auf 99-23/32 ein zu, wobei sich eine Rendite von 5,39 % ergab.

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