Sorge um die Preisstabilität
Die EZB-Intervention kann dem Euro nur kurzfristig helfen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Freitag zum zweiten Mal seit Einführung des Euro an den Märkten zu Gunsten der Gemeinschaftswährung interveniert, ihr damit aber nur vorübergehend Kursgewinne beschert.

Reuters FRANKFURT. Die EZB teilte in Frankfurt mit, Grund für die Intervention sei die Sorge über den Einfluss gewesen, den der schwache Euro auf die Weltkonjunktur und die Preisstabilität im Inland haben könne. Der Euro stieg danach um 1,6 US-Cent auf ein Monatshoch von 0,8796 $. Nach der Bekanntgabe neuer US-Arbeitsmarktdaten und Aussagen von US-Finanzminister Lawrence Summers fiel der Euro dann zeitweise wieder unter Werte wie vor der Intervention. Anders als bei den Stützungskäufen im September handelte die EZB diesmal ohne die Mitwirkung der Notenbanken der USA und Japans.

Die EZB, die sich wie üblich nicht zum Umfang der Intervention äußerte, betonte erneut, dass aus ihrer Sicht der Wert des Euro nicht die wirtschaftlichen Bedingungen in der Euro-Zone zeige. "Die EZB hat heute an den Devisenmärkten interveniert wegen der Sorge über die weltweiten und inländischen Auswirkungen des Wechselkurses des Euro, einschließlich des Einflusses auf die Preisstabilität", teilte die EZB in einer Telefonkonferenz mit.

Euro ist rund ein Viertel weniger wert

Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sagte, er sei zufrieden mit dem Zuwachs, den der Euro direkt nach der Intervention erreicht habe. Es habe erwartet werden können, dass er anschließend wieder ein wenig nachgebe. "Ich glaube, der Euro hat seinen Boden gesehen", sagte er in Frankfurt. Durch die Abwertung des Euro - die Währung ist trotz der jüngsten Zuwächse im Vergleich zum Dollar rund ein Viertel weniger wert als bei der Einführung 1999 - sind Importe aus anderen Währungszonen teurer geworden, was mögliche Inflationstendenzen verstärkt. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bekräftigte erneut das Interesse der Bundesregierung an einem starken Euro. "Die (wirtschaftlichen) Fundamentaldaten sprechen für einen stärkeren Euro", sagte Eichel in Frankfurt mit Blick auf das in der Euro-Zone stärkere Wirtschaftswachstum.

Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius teilte als derzeitiger Vorsitzender der EU-Finanzminister mit, er trage die Intervention voll mit. Wie Fabius betonte auch die Europäische Kommission, die Intervention stehe im vollen Einklang mit der Erklärung der G7-Finanzminister vom 23. September. Die Minister hatten erklärt, dass die Zentralbanken weiter wachsam bleiben und die Wechselkursentwicklung im Auge behalten wollten.

US-Finanzminister Summers bekräftigte in Washington, sein Land stehe weiter zu der Politik eines starken Dollar. Zugleich teile er aber die Sorge der EZB über die Auswirkungen eines schwachen Euro auf die Weltwirtschaft. Unmittelbar nach diesen Aussagen gab der Euro zeitweise auf unter 0,86 $ nach.

G7-Nationen waren informiert

Im Gegensatz zur Euro-Intervention vom 22. September griff die EZB diesmal nur in Kooperation mit anderen Notenbanken der Euro-Zone ein. Jedoch seien die G7-Nationen über den Schritt informiert worden. Ende September hatten Notenbanken aus den führenden sieben Industriestaaten (G7) an den Devisenmärkten den Euro gestützt. Damals hatte der Euro zeitweise gut vier US-Cents auf mehr als 0,90 $ zugelegt. Auf die Frage, warum sich die US-Notenbank nun nicht beteiligt habe, sagte Bundesbank-Chef Welteke offenbar mit Blick auf die anstehenden Präsidentenwahlen in den USA: "Es ist in der jetzigen Situation nicht ganz einfach, die Amerikaner auch dazu zu bekommen."

Volkswirte attestierten der EZB, einen guten Zeitpunkt für die Intervention gewählt zu haben. Zuletzt habe sich am Markt die Stimmung deutlich verbessert, sagte Lorenzo Codogno von der Bank of America in London. "Deshalb war es sicherlich ein guter Tag für eine Intervention." Gleichwohl bestehe die Möglichkeit, dass der Euro die nach der Intervention erzielten Kursgewinne in den folgenden Tagen wieder abgeben könnte. In den vergangenen Tagen hatte sich der Euro erholt und am Donnerstag ein neues Drei-Wochen-Hoch von 0,8667 $ erreicht.

"Dies war sicherlich nicht der letzte Zug"

Michael Klawitter von der West LB in London sagte, es scheine klar, dass die EZB wirklich einen Boden für den Euro ziehen wolle. Das werde die EZB aber zu weiteren Eingriffen zwingen. "Dies war sicher nicht der letzte Zug, den wir von der EZB gesehen haben." Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, sagte, die Intervention scheine nicht besonders umfangreich gewesen zu sein, denn der Markt reagiere "recht moderat". "Ich kann mir aber vorstellen, dass das nicht alles gewesen ist und im Tagesverlauf noch mehrere Wellen folgen könnten", ergänzte er. Denkbar sei auch, dass zur Untermauerung eine Zinserhöhung folgen könnte. Am Donnerstag hatte die EZB den Schlüsselzins unverändert bei 4,75 % belassen.

Ein anderer Analyst sagte, in den vergangenen Tagen sei der wichtigste Einfluss auf den Euro von den US-Wirtschaftsdaten ausgegangen, die auf eine Abschwächung der Konjunktur deuteten. Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten für den Oktober gab der Euro am Nachmittag einen großen Teil seiner vorherigen Gewinne wieder ab. Zwar war der Stellenzuwachs in den USA weniger stark als erwartet ausgefallen. Analysten sagten anschließend jedoch, aus den Daten sei keine eindeutige Tendenz für eine Abkühlung der US-Konjunktur ablesen.



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