Sorge um Gesundheit der Profis und Fans wächst
Bundesliga stehen heiße Spiele bevor

Kritische Temperaturen, bedenkliche Ozonwerte, warnende Mediziner - der Fußball-Bundesliga steht ein heißes Wochenende bevor. Die seit Tagen anhaltende Rekordhitze drängte selbst die Diskussionen um den Transferstreit der Bayern oder die Personalprobleme der Dortmunder in den Hintergrund. Weil sich die neun Stadien nach Vorhersage der Meteorologen am Samstag und Sonntag in Glutöfen verwandeln werden, ist die Sorge um die Gesundheit der Profis und Zuschauer groß.

HB/dpa DÜSSELDORF. Verärgert über die Weigerung der Verantwortlichen, die Spiele in die Abendstunden zu verlegen, sprach Rein van Duijnhoven deutliche Worte. "Bei der Hitze darf kein Fußball gespielt werden. Der DFL geht es nur um Kohle, deswegen wirft sie alle Bedenken über den Haufen", klagte der Torhüter des VfL Bochum in der "Bild".

Nicht nur die Spieler werden an ihre Leistungsgrenze gehen müssen. Unter dem Dach der Osttribüne im Bochumer Ruhrstadion wurden am Donnerstag 45 Grad gemessen, auf der unbedachten Gegengeraden des Münchner Olympiastadions stiegen die Temperaturen gar auf über 50 Grad. Um die Gefährdung für die Zuschauer möglichst gering zu halten, haben die Vereine Vorsorge getroffen: So wird beim Duell der Bochumer mit dem Hamburger SV Mineralwasser zum Selbstkostenpreis ausgegeben. Die Dortmunder Vereinsführung kündigte vor der Partie gegen den VfL Wolfsburg eine Verdoppelung der Sanitätskräfte im Westfalenstadion an. Prof. Dr. med. Wilfried Kindermann, Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlands in Saarbrücken, warnte die Fans: "Besonders wenn Herz- Kreislauferkrankungen vorhanden sind, kann es zu Zwischenfällen kommen."

Selbst hitze-erprobte brasilianische Profis wie der Münchner Giovane Elber oder der Dortmunder Leonardo Dede klagten über das Wüstenklima. Und das, obwohl das Training in den vergangenen Tagen zumeist in den frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden stattfand. Doch am zweiten Spieltag werden die Profis nicht nur mit höheren Temperaturen, sondern auch höheren Ozonwerten zu kämpfen haben. Die kritische Marke von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft dürfte in einigen Teilen Deutschlands wie schon in den vergangenen Tagen deutlich überschritten werden. "Die durch Ozon hervorgerufenen Symptome wie Reizungen der Augen und Atemwege werden durch körperliche Belastungen verstärkt", sagte Kindermann, der Chefarzt des deutschen Olympia-Teams.

Gleichwohl ist voller Einsatz Pflicht. Die gilt vor allem für die Profis aus Hamburg und Berlin: Nach dem unerwarteten Saison-Fehlstart am vorigen Spieltag stehen sie schon jetzt unter Druck. "In den Medien wurden wir als Idioten dargestellt. Dabei haben wir bisher nur ein Spiel verloren", meinte HSV-Offensivspieler Sergej Barbarez vor der Partie in Bochum.

Wie die vor dem Saisonstart zum Geheimfavoriten erklärten Hamburger wollen auch die hoch gehandelten Berliner die Auftaktschlappe vergessen machen. Doch beim Vize-Meister VfB Stuttgart wird das nicht leicht: Neben dem Ausfall von Spielmacher Marcelinho droht auch die Absage von Torjäger Fredi Bobic, der wegen einer Wirbelblockierung im Rücken zuletzt mit dem Training aussetzen musste. Trainer Huub Stevens warnte sein Team jedoch davor, schon vor der Partie nach Ausreden zu suchen: "Wir werfen unsere Ziele nicht nach einem Spiel über Bord. Jetzt erwarte ich von den Spielern eine Trotzreaktion."

Mit ähnlichen Aussagen stimmte Matthias Sammer seine Mannschaft auf die Partie gegen den VfL Wolfsburg ein. Ungeachtet der zahlreichen Ausfälle forderte der Trainer von Borussia Dortmund eine engagierte Leistung seiner zuletzt heimschwachen Profis: "Wir haben auch so eine starke Mannschaft auf dem Platz, die in der Lage sein muss, den VfL Wolfsburg zu schlagen." Nicht nur das vermeintliche Heim-Debüt der Neuzugänge Flavio Conceicao und Andre Bergdölmo steigert die Vorfreude der zahlreichen BVB-Fans: Denn bis auf die noch nicht fertig gestellte Südwest-Ecke erstrahlt das umgebaute Westfalenstadion erstmals in neuem Glanz. Beim EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft am 10. September gegen Schottland soll die dritte Ausbaustufe endgültig abgeschlossen sein. Dann verfügt die Borussia nach Barcelona (98 000 Zuschauer), Madrid (90 200) und Mailand (85 700) mit einer Kapazität von 83 000 Plätzen über die viertgrößte Fußball-Arena Europas.

Beim Meisterschafts-Favoriten FC Bayern München spielte die anstehende Partie in Hannover nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen stand Neuzugang Roy Makaay im Mittelpunkt des Interesses. Weil der Transferstreit mit Deportivo La Coruna noch immer nicht beendet ist, trat der Titelverteidiger die Reise zum Überraschungssieger des vorigen Spieltags ohne den teuersten Einkauf in der Vereinsgeschichte an. Darüber hinaus blieben Bixente Lizarazu (Trainingsrückstand) und Martin Demichelis (muskuläre Probleme) in München.

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