Sorge vor Angriffen mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen
Sicherheitsbehörden bereiten sich auf Notfallsituationen vor

Es gehe es vor allem darum, "in aller Stille, aber sehr rasch" Vorkehrungen zum Schutz von Behörden, Straßen, Autobahnen, Wasserreservoirs, Eisenbahnanlagen und Flugplätzen zu treffen, so Experten.

ddp BERLIN. Nach den Terrorangriffen auf die USA sind auch die deutschen Sicherheits- und Zivilschutzbehörden alarmiert. Im Wiesbadener Bundeskriminalamt (BKA) werden ständig "Gefährdungsanalysen" erstellt. BKA-Sprecher Norbert Unger versuchte am Freitag aber zu beschwichtigen: "Im Augenblick haben wir keine konkreten Hinweise darauf, dass islamistische Terroristen auch bei uns so verheerend wie in den USA zuschlagen."

Warnungen kommen jedoch aus Kreisen anderer für das Inland zuständigen Aufklärungsbehörden. Dort hieß es: "Die Lage ist wegen der Islamisten, die sich verdeckt im Auftrag Bin Ladens in Deutschland aufhalten, äußerst gefährlich." Angesichts der derzeit "gefährlichen Weltlage" müsse durchaus mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Sicherheitsexperten erinnern an die Jahre, in denen die Rote-Armee-Fraktion (RAF) die Deutschen in Atem hielt. Vor allem in den 70er Jahren bombten, brandschatzten und mordeten sie und führten die Sicherheitsbehörden an der Nase herum.

"Hochbrisante" Lage

Was derzeit in Deutschland sicherheitstechnisch anläuft, um der neuen Bedrohung durch islamistische Terroristen zu begegnen, stellt die damaligen Vorkehrungen bei weitem in den Schatten, ist aus Polizeikreisen zu hören. Im Bundeskanzleramt wurde darauf hingewiesen, dass seit dem 11. September, dem Tag des Angriffs auf die USA, die Lage als "hochbrisant" eingeschätzt wird. Die Dienste, also Verfassungsschutzämter, Bundesnachrichtendienst (BND), BKA und der Militärische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr hätten "eng aufgeschlossen" und stünden im "ständigem Gedankenaustausch", hieß es.

Nach Darstellung von Sicherheitsexperten geht es jetzt vor allem darum, "in aller Stille, aber sehr rasch" Vorkehrungen zum Schutz von wichtigen Behörden, Straßen, Autobahnen, Wasserreservoirs, Eisenbahnanlagen und Flugplätzen zu treffen. Die Krankenhäuser müssten sich auf alle erdenklichen Notfallsituationen vorbereiten, auch zur Behandlung von Opfern nach möglichen Angriffen mit chemischen und biologischen Waffen.

Es wird davon ausgegangen, dass sich die Kämpfer des gesuchten Terroristen Osama Bin Laden auch Biowaffen beschafft haben. Daher müsse mit Angriffen gerechnet werden, die bisher nicht für möglich gehalten wurden, warnen BND-Experten. Amerikanische Behörden hatten berichtet, dass sich die Attentäter von New York und Washington vor ihren Anschlägen um chemische Kampfstoffe bemüht hätten. Den deutschen Behörden stehen für eine Stunde X über 230 000 Polizisten und an die 70 000 Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW) zur Verfügung. Hinzu kommen noch rund 25 000 Feuerwehren mit über einer Million Einsatzkräften.

Brandenburger Tor gefährdet

Als die am meisten gefährdeten Gebäude gelten nach Angaben des Bundesverbandes Brand- und Katastrophenschutz das Brandenburger Tor und das Kanzleramt in Berlin, die Europäische Zentralbank und die Flugleitzentrale in Frankfurt am Main sowie die Bayerwerke in Leverkusen und BASF in Ludwigshafen. "Das sind Symbol-Bauwerke für die Terroristen", lautet die Begründung des Verbandes.

Auf eine in der Vergangenheit wichtige Einrichtung des Bundes hat die jetzige Entwicklung offenbar keine Auswirkung: Auf die geplante Schließung des einst geheimnisumwitterten Regierungsbunkers an der Ahr, nicht weit von der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn entfernt. Zeitungen hatten berichtet, angesichts der Gefahrenlage sollte der "Rückbau" gestoppt werden. Dazu sagte der zuständige Leiter der Bauabteilung Bonn des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung am Freitag: "Der für November geplante Rückbau wird nicht gestoppt." Es gebe keinen Stopp-Beschluss, auch keine Anzeichen dafür.

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