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Sorge wegen blutiger Gaza-Offensive

Die israelische Großoffensive im Gazastreifen als Reaktion auf palästinensische Raketenangriffe fordert immer mehr Opfer. Am Montag wurden neun Palästinenser getötet. Die Gesamtzahl der getöteten Palästinenser bei der vor sechs Tagen begonnenen Offensive stieg nach Berichten aus Gaza auf weit über 70.

dpa GAZA/NEW YORK/BERLIN. Die israelische Großoffensive im Gazastreifen als Reaktion auf palästinensische Raketenangriffe fordert immer mehr Opfer. Am Montag wurden neun Palästinenser getötet. Die Gesamtzahl der getöteten Palästinenser bei der vor sechs Tagen begonnenen Offensive stieg nach Berichten aus Gaza auf weit über 70.

Der Militäreinsatz verhinderte jedoch nicht, dass militante Palästinenser am Montag zwei Kassam-Raketen auf die Grenzstadt Sderot abfeuerten. Nach israelischen Medienberichteten wurde eine Frau verletzt. Der UN-Sicherheitsrat wollte am Montagabend auf Verlangen arabischer Staaten zu einer Dringlichkeitssitzung über die Angriffe der israelischen Armee im Gazastreifen zusammenkommen.

Algerien legte dem Weltsicherheitsrat in Abstimmung mit der Arabischen Liga den Entwurf einer Resolution vor, mit der Israel zur sofortigen Einstellung der Militäraktion aufgefordert werden soll. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die israelische Regierung auf, die Angriffe zu stoppen. Zugleich forderte er von der Palästinenserbehörde, gegen jene extremistischen Kräfte vorzugehen, die Raketen auf Ziele in Israel abfeuern. In einer Erklärung appellierte Annan an beide Seiten, Zivilisten zu schonen.

Die Bundesregierung in Berlin äußerte sich besorgt über das Ausmaß der israelischen Militäroperationen. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, müsse aber das Prinzip der Verhältnismäßigkeit beachten, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Walter Lindner. Die Bundesregierung fordere beide Seiten auf, aktiv zur Deeskalation der Lage beizutragen. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia beschuldigte Israel des Völkermordes. Der Militäreinsatz sei ein "Kriegsverbrechen".

Die UN reagierten unterdessen mit Empörung auf israelische Anschuldigungen, die Weltorganisation würde palästinensischen Terroristen helfen. Annan bestellte den israelischen Botschafter ein, um eine Klarstellung zu verlangen, teilte Annans Sprecher mit. Das israelische Fernsehen hatte zuvor ein Video ausgestrahlt, auf dem angeblich zu sehen ist, wie militante Palästinenser im Gazastreifen eine Raketenabschussrampe in ein mit "UN" gekennzeichnetes Fahrzeug verladen. Eine Prüfung des Videos habe ergeben, dass es sich in Wirklichkeit um eine zusammengeklappte Krankentrage handele, sagte UN-Sprecher Fred Eckhard.

Die radikal-islamische Hamas-Organisation erklärte, seit dem Beginn der israelischen Offensive seien insgesamt 25 ihrer Kämpfer getötet worden. In einem in der Stadt Gaza verbreiteten Flugblatt kündigte die militante Bewegung Israel Vergeltung an.

Unter den am Montag getöteten Palästinensern waren nach Krankenhausangaben auch ein vierjähriger Junge und ein 14-jähriges Mädchen. Die israelische Truppen töteten am frühen Morgen zunächst vier militante Palästinenser mit einem Luftangriff auf das Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen. Zwei weitere Palästinenser starben, als sie israelische Truppen mit Handgranaten angreifen wollten. Eine Hubschrauberbesatzung tötete in Dschabalia einen militanten Palästinenser mit einem Raketenangriff. Auf der Kissufim-Passage für Siedler töteten Israelische Soldaten am Montagabend einen weiteren bewaffneten Palästinenser. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, der in einer getigerten Uniform gekleidete Mann habe eine Armeepatrouille angegriffen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und den Mann getötet.

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