Sorgen bereitet vor allem das Auslandsgeschäft
Schwere Wochen für Online-Broker

Die Krise der Online-Broker in Deutschland verschärft sich. Die Zukunft von Consors ist ungewiss. Druck kommt zudem von den hohen Kosten und der Ertragslage. Die nächsten Wochen sind entscheidend.

"Das reine Online-Brokerage ist tot", zeigt Deutsche-Bank-Vorstand Hermann Josef Lamberti eine düstere Zukunft für die Online-Broker-Szene auf. Das Angebot einer einzigen Produktgattung über nur einen Vertriebsweg mache keinen Sinn mehr.

Die deutschen Online-Broker leiden unter hohen Investitionen in den Ausbau der Geschäfte und Informationstechnologie sowie geringen Erträgen. Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt warf seiner Direkt-Broker-Tochter DAB Bank kürzlich vor, sie habe noch nie richtig Geld verdient. Die Wettbewerber versuchen gegenwärtig, ihre Geschäftsbasis zu verbreitern, die Kosten in den Griff zu bekommen - und sie loten Kooperations- oder Fusionsmöglichkeiten aus.

Comdirect bleibt zuversichtlich

"Wir werden als Sieger aus der Krise hervorgehen", zeigt sich Comdirect-Chef Bernt Weber gegenüber dem Handelsblatt zuversichtlich für die Zukunft der Commerzbank-Tochter. Auch zur künftigen Marktsituation findet Weber klare Worte: "Die DAB Bank wird, wenn man Schmidt glauben darf, bald in der Hypo-Vereinsbank aufgehen und Consors wird es so nicht mehr geben", prognostiziert er. Weber liegt damit auf einer Linie mit Lamberti, der davon ausgeht, dass nur noch wenige Spieler übrig bleiben. Wie schnell Veränderungen gehen, zeigt das Beispiel Easytrade: Der Online-Broker soll wieder in den Postbank-Konzern zurückgeführt werden.

Als künftige Hauptwettbewerber von Comdirect bezeichnet Weber die Deutsche Bank mit Maxblue, die "keinen Fehler zweimal mache", und Consors unter neuem Dach. Dass die Deutsche Bank sehr ehrgeizig ist, macht Lamberti klar, der den eigenen Online-Broker bis Ende des Jahres zur Nummer eins in Deutschland heranwachsen sieht. Bei Analysten muss er aber noch Überzeugungsarbeit leisten. Denn Huw van Steenis von JP Morgen, sieht die DAB Bank und Comdirect am Besten für die Zukunft gerüstet.

Consors-Übernahme möglich

Für Consors in Nürnberg sei eine Übernahme durch einen Kontinentaleuropäer möglich, urteilt Weber. Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt hat das bereits einmal angedeutet. Den Einstieg eines großen US-Brokers wie E-Trade oder Charles Schwab hält Weber für unwahrscheinlich. Zu einer innerdeutschen Fusion erklärt er: "Hierfür hat es die Chancen gegeben, die Gespräche wurden geführt." Consors hatte mit der DAB Bank verhandelt, dann mit der Commerzbank. Daneben sollen Gespräche mit der Deutschen und Easytrade stattgefunden haben. "Gäbe es ein Angebot mit einem interessantem Preispaket, würden wir wieder miteinander sprechen", sagt Weber.

Sorgen bereitet den Online-Brokern vor allem das Auslandsgeschäft. Synergieeffekte gebe es nur im Bereich Informationstechnologie und Marketing, urteilt Werber. Große Effekte müssten über eine europäische Plattform erzielt werden. "Dies hat noch kein Anbieter geschafft". Comdirect hat die Reißleine gezogen und will sich aus Italien und Frankreich zurückziehen.

Problematischer europäischer Markt

"Der französische Markt ist selbst mit einer guten Marke so schwierig, dass man derzeit nicht in einem vernünftigen Zeitraum den Break-Even erreicht", betont Weber. In Frankreich liefen Gespräche. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Banken mit Interesse im Broker-Markt. In Italien strebe Comdirect einen Verkauf an. Eine Partnerschaft sei auch denkbar, dann aber mit Comdirect in einer Minderheitsposition, so Weber. Bis Weihnachten gebe es auf alle Fälle Neues.

Um sich breiter aufzustellen, denkt Comdirect über den Einstieg in das Beratungsgeschäft nach. Hierbei gehe es um Hilfestellungen bei der Anlageentscheidung im Sinne einer Finanzplanung, erklärte Weber. Es werde der Einsatz eines mobilen Vertriebs geprüft. Es gebe die Möglichkeit, mit einem externen Anbieter zusammenzuarbeiten oder selbstständig eine Mannschaft aufzubauen. Eine Entscheidung wird für das 1. Quartal 2001 erwartet.

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