Sorgen in Magdeburg
Flut entreißt Rettern immer neue Dämme

Weit schneller als erwartet hat die vordringende Flutwelle der Elbe im südlichen Sachsen-Anhalt weite Gebiete unter sich begraben. Bei der Lutherstadt Wittenberg waren sieben Deiche an den evakuierten Elbauen gebrochen. In Magdeburg wurde am Montag nicht ausgeschlossen, dass der Scheitel des Jahrhundert-Hochwassers bereits am Abend eintreffen könnte.

HB MAGDEBURG/POTSDAM/HANNOVER. Mit Sandsäcken und Kies kämpften Zehntausende von Sicherheitskräften und Freiwillige in mehreren Bundesländern um die Deiche. Elbaufwärts - im südbrandenburgischen Mühlberg und im sächsischen Torgau - wuchs die Hoffnung, die völlig aufgeweichten Deiche bei fallenden Pegelständen halten zu können.

Südlich von Magdeburg verloren die Einsatzkräfte auf breiter Front den Kampf gegen die braunen Wassermassen. In Dessau überschwemmte die Mulde nach einem Dammbruch in der Nacht einen Ortsteil vollständig. In den elbnahen Gebieten des Sachsen-Anhalter Kreises Wittenberg wurde die Lage dramatisch. Bei Prettin brach der Damm auf rund 200 Metern Länge. Nach Deichbrüchen in Seegrehna und Pratau war der auf der Welterbeliste der Unesco stehende Landschaftsgarten Wörlitzer Park bedroht. 40 000 Menschen aus 38 Gemeinden des Kreises Wittenberg mussten vor dem Elbehochwasser im Sicherheit gebracht werden. Nach 7,07 Metern am Vortag sanken die Pegel am Montag hier auf 6,66 Meter.

In Bitterfeld standen fünf Stadtteile unter Wasser. Das eigentliche Zentrum der Innenstadt blieb weiterhin verschont, auch der Chemiepark war nach Angaben des Krisenstabs nicht bedroht. In Teilen der Stadt wurde die Zwangsräumung angeordnet.

Elbaufwärts wuchs bei sinkenden Pegelständen die Hoffnung, einer größeren Überflutung entgehen zu können. Wie im sächsischen Torgau war die Gefahr wegen der völlig aufgeweichten Deiche jedoch nicht gebannt. Der Pegelstand zeigte dort am Nachmittag 8,80 Meter nach 9,70 Metern am Vortag. Weiter südlich, im brandenburgischen Mühlberg, sei die Lage beherrschbar, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Entwarnung könne für diesen Elbabschnitt aber noch nicht gegeben werden.

Bei Stehla in Sachsen wurden Taucher abgezogen, da bei einem Deichbruch Lebensgefahr bestehe, hieß es. In Dresden wurden um 14.00 Uhr 7,22 Meter gemessen. Am Dienstagmorgen wird in Dresden mit einer Wasserhöhe zwischen 6,35 Meter und 6,25 Meter gerechnet. Normal sind rund zwei Meter.

Unablässig kämpften tausende Einsatzkräfte der Hilfsdienste, Soldaten und Bürger mit Sandsäcken und Kiesladungen um die Sicherung und gegen ein Brechen der butterweichen Deiche. Wo Wasser durchsickerte, versuchten die Retter vielerorts mit Hubschraubern in pausenlosem Einsatz durch abgeworfene Sandsäcke die Flut im letzten Moment aufzuhalten.

In Magdeburg wurden rund 30 Einsatzkräfte des Technischen Hilfwerks (THW) sowie rund 70 Freiwillige vom Hochwasser eingeschlossen. Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts rechnete bereits für Montagabend oder die Nachtstunden mit dem Scheitelpunkt der Elbe- Flutwelle. Bislang waren die Behörden von Mittwoch ausgegangen. Brennpunkte der fieberhaften Deichsicherung waren die ostelbischen Ortsteile Randau, Pechau und Prester sowie Rothensee. Die Stadtverwaltung forderte die Bevölkerung auf, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Katastrophenalarm herrscht neben Magdeburg in den angrenzenden Landkreisen Jerichower Land, Schönebeck und Ohrekreis sowie im Landkreis Stendal. Einzelne Orte wurden evakuiert.

Weiter nördlich, im brandenburgischen Wittenberge und Umgebung, müssen voraussichtlich bis zu 20 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. In Niedersachsen bereiten sich 5700 Menschen aus dem östlich der Elbe gelegenen Amt Neuhaus im Kreis Lüneburg auf eine Flucht vor dem Wasser vor.

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