Sorgen um das wichtige Weihnachtsgeschäft
Luxusgüter-Aktien im Sog der Krise

Die Aktien von Luxusgüter-Konzernen galten lange als sicherer Hafen auch in schlechten Zeiten. Doch unter den Folgen der Terroranschläge in den USA hat die Branche besonders zu leiden. Die Branchengrößen LVMH, Richemont und Gucci erlebten einen regelrechten Ausverkauf ihrer Aktien.

DÜSSELDORF. Die Aktien der Luxusgüter-Konzerne leiden gleich mehrfach. Zum einen belastet die Unsicherheit nach den US-Attentaten die Branche stark. Hinzu kommt ein verhängnisvoller Rückkoppelungseffekt: Denn die Börsenbaisse führte bei Kunden der Luxusgüter-Konzerne zu erheblichen Vermögenseinbußen, erläutert Franz Zendath, Analyst der Hypo-Vereinsbank. Das minderte die Nachfrage nach teuren Uhren, Schmuck und Accessoires - was wiederum die Aktien der Hersteller belastet

Noch vor einem Jahr sahen Marktbeobachter die internationale Luxusgüterbranche vor einem Aufbruch. Zweistellige Wachstumsraten waren eher die Regel als Ausnahmen. Doch seit März 2001, als der Sturz der Aktienmärkte begann, fiel das Wachstum der Branche geringer aus, beobachtete René Weber von der Schweizer Bank Vontobel.

"Investoren und Käufer hassen Konflikte"

Außerdem verloren die Anbieter viele so genannte Grenzkunden - das sind Konsumenten, die sich nur in guten Zeiten Luxus leisten, aber in der Flaute darauf verzichten. Als weiteren Grund für den nachlassenden Luxuskonsum nennt Klaudia Akbaba von der Privatbank Sal. Oppenheim, dass die Konjunktur in Europa - nach der Abschwächung in den USA und Japan - nicht wie erwartet angezogen sei. Zudem dürfte die Branche neben Fluggesellschaften und Touristik stark unter den Folgen des Terroranschlags leiden, fürchtet Vontobel- Analyst Weber. "Investoren hassen Konflikte", weiß Antoine Colonna von Merrill Lynch, "und die Käufer von Luxusgütern noch mehr."

Die Reaktion der Börsen nach den Attentaten fiel entsprechend aus. "Die Aktien der beiden größten europäischen Luxusgüterkonzerne LVMH und Richemont erlebten einen regelrechten Ausverkauf", sagt Zendath. Das Papier des Branchenprimus LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton) sackte auf 33,35 Euro (Paris) und verlor gemessen am Jahreshöchstkurs (74,20 Euro) 50 %. Auch die Aktie des Branchenzweiten Compagnie Financière de Richemont im Schweizer Zug liegt mit 1 860 Euro (Frankfurt) deutlich unter Jahreshoch (3 140 Euro). Nur die Gucci-Aktie konnte sich mit 81,50 Euro - gemessen am Höchstkurs von 110 Euro - relativ gut halten. Sie profitiert von der Übernahme durch den französischen Kaufhauskonzern Pinault Printemps Redoute (PPR), der alle Aktien - darunter 20 % von LVMH - spätestens bis 2004 in mehreren Schritten für 100,50 $ übernehmen will. "Damit steht Gucci besser da als die Konkurrenz", sagt Zendath, der die Aktie auf "Marktneutral" einstuft.

Kurse hinken dem Gesamtmarkt hinterher

Zwar glauben die Analysten, dass die Marktschwäche inzwischen weitgehend in den Kursen berücksichtigt ist und weitere Abstürze kaum drohen. Doch die Wende zum Besseren sieht noch niemand. So stellt Zendath die Branche auf "unterdurchschnittlich". Die Aktien hätten sich schlechter entwickelt als der Euro-Stoxx-Index - und das werde auch noch so bleiben. "Das Geschäft wird schwierig, zumal der Verlauf des wichtigen Weihnachtsgeschäfts nicht abzusehen ist", sagt Oppenheim-Expertin Akbaba. "Im zweiten Halbjahr mache die Branche 60 % ihres Gewinns, merkt Vontobel-Analyst Weber an. Ob Verbrauchern in den USA und im Nahen Osten der Sinn nach Luxuskonsum steht, scheint derzeit fraglich.

Unter den Großen LVMH (Umsatz: 11,6 Mrd. Euro), Richemont (3,7 Mrd. Euro) und Gucci (2,26 Mrd. $) scheint Richemont am besten gegen die Krise gefeit. Die Schweizer machen 55 % des Umsatzes mit wertbeständigen Luxusgütern wie Uhren und Schmuck. Zu Richemont gehören Marken wie IWC, Jaeger-Le Coultre, A. Lange & Söhne sowie Cartier. Schwieriger wird laut Analysten das Geschäft für Gucci (mit Marken wie Yves Saint Laurent) und LVMH (Christian Dior, Veuve Cliquot, Kenzo) mit den Schwerpunkten Mode und Accessoires.

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