Sorgen um Firmengewinne
Wall Street stoppt den Abwärtstrend

Mit Ach und Krach schafften es die US-Indizes am Donnerstag doch noch ins Plus - allein, die Gewinne waren kaum der Rede wert. Der Dow schloss mit 7 Zählern im Plus, die Nasdaq verbesserte sich nach zwei Ausflügen ins positive Terrain mit einem Plus von einem halben Pünktchen.

wsc NEW YORK. Nach sechs Tagen im roten Bereich war man vor allem an der Nasdaq froh: Erst am Vormittag hatte der Tech-Index mit dem Februartief von 1696 Punkten eine psychologisch wichtige Unterstützungslinie getestet. Die Techniker von Standard & Poor?s sahen den Index unterdessen auf 1682 Zählern fallen. Der Dow Jones schaffte es indes, sich im fünfstelligen Bereich zu halten. Erstmals seit zwei Monaten hatten die Blue Chips wieder unter 10 000 Punkten gehandelt.

Nachdem die Notenbank Fed am Vortag mit einem nur maßvoll optimistischen "Beige Book" Illusion aus dem Markt genommen hatte, fielen Daten aus dem ökonomischen Umfeld erneut gemischt aus. Die Zahl der Erstanträge aus Arbeitslosenunterstützung ist in der vergangenen Woche gefallen, liegt aber immer noch deutlich über dem Grenzwert von 400 000. Der Vier-Wochen-Schnitt hat seinen höchsten Stand seit einem halben Jahr erreicht.

Andernorts versuchte man, eine konjunkturelle Verbesserung herbeizureden. Von den 500 Unternehmen im S&P-Index haben bereits 330 gemeldet. 61 % haben dabei die Erwartungen der Analysten geschlagen, 24 % haben getroffen und nur 15 % verfehlt. Das sind traumhafte Zahlen, doch verhehlen sie, dass Analysten die Erwartungen an Unternehmen aller Sektoren zum Teil mehrfach nach unten revidiert hatten.

Eines der Unternehmen, die trotz dramatischer Einbrüche die Erwartungen schlugen, war Eastman Kodak. Ein Gewinnminus von 74 % schreckt Anleger jedoch ab. Eastman Kodak schloss am Donnerstag mit einem Minus von 2,6 % als schwächste Aktie unter den Blue Chips. Ebenfalls schwach: General Motors nach guten Zahlen der deutsch-amerikanischen Konkurrenz DaimlerChrysler und der Telekomriese AT&T nach einer Abstufung durch die Analysten der CIBC.

Doch es waren die Industrieriesen, die im Mittelpunkt des Marktinteresses standen. Der Mischkonzern Tyco hat eine Ertragswarnung für das Jahr 2002 ausgesprochen und hält nicht länger an Plänen fest, vier Unternehmenssparten auszugliedern und getrennt an die Börse zu bringen. Diese Nachrichten überschatteten die Tatsache, dass Tyco die Erwartungen der Analysten an das Berichtsquartal am Morgen geschlagen hat - die Aktie verlor 20 %.

Noch stärker verlor der Energietrader Dynegy, der mit 30 % im roten Bereich schloss. Die Börsenaufsicht SEC ermittelt gegen das Unternehmen, das in Houston residiert und nach der Enron-Pleite bei dem einstigen Branchenriesen einsteigen wollte. "Ein Energie-Unternehmen aus Houston mit Bilanzschwierigkeiten - das ist dem Anleger zu nahe an Enron", bemerkte ein Händler auf dem New Yorker Parkett.

Ins leichte Plus schafften es die meisten Tech-Sektoren. Die Big Caps folgten der guten Stimmung unter den Software-Riesen Microsoft und Oracle, allein der Hardwarekonzern Sun Microsystems blieb auf der Verliererseite. Nach dem Rücktritt des erfolgreichen Finanzchefs Michael Lehman gab die Aktie 2,5 % ab.

Mit mehr als 25 % schloss McAfee in den Miesen. Der Hersteller von Sicherheitssoftware und Virenschutzprogrammen bekam eine Absage von Network Associates. Der Konzern wollte die letzten ausstehenden Anteile von McAfee übernehmen, sagte den Deal nun aber ab, nachdem man Unstimmigkeiten in den eigenen Bilanzen entdeckt hat und die Berichte für 1999 und 2000 nacharbeiten muss. Network Associates verlor 20 %.

Aktien von AOL Time hielt es derweil leicht im Plus. Der Internet- und Mediengigant hat zwar einen Rekordverlust vorgelegt, die schwachen Erwartungen der Experten aber übertroffen. Was dem Wert half: Zuletzt hatten zahlreiche Bewerter den Konzern für stark unterbewertet gehalten und erklärt, dass bei angemessener Bewertung des Medienbereichs das Internetportal im Aktienpreis nicht valuiert sei. Eben auf dieses bilanzielle Missverständnis deutet die Bilanz hin.

Doch nicht nur Industrie- und Technologieaktien standen unter Beschuss. Zu einer der schwächsten Gruppen gehörten die Brokeraktien, nachdem die Börsenaufsicht SEC bekannt gegeben hat, ihre Ermittlungen gegen die Analysten weiter auszudehnen. Laut einer Untersuchung von Prudential Securities dürfte allein Merrill Lynch ein Schaden von 2 Mrd. $ ins Haus stehen. Andere Bankhäuser wie Morgan Stanley und Salomon Smith Barney dürfte ähnliches erwarten. Die Brokeraktien verloren im Mittel 5 %.

Eine Explosion in einem achtstöckigen Gebäude in Manhattan wirkte sich auf den Handel nicht aus. Ersten Meldungen zufolge wurden bis zu 50 Menschen verletzt, allerdings handele es sich nicht um einen Anschlag, so die New Yorker Polizei, sondern um einen Unfall.

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