Sorgen um Konsum und Export
Japans Wirtschaft wächst moderat

Die japanische Wirtschaft hat ihre moderate Erholung dank kräftiger Investitionen der Unternehmen fortsetzen können. Ernste Sorgen bereiten Volkswirten jedoch die andauernde starke Kaufzurückhaltung der Verbraucher sowie Anzeichen für ein Abflauen des Exports.

dpa TOKIO. Wie das Wirtschaftsplanungsamt am Montag mitteilte, wuchs die Wirtschaft der zweitgrößten Industrienation der Welt zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 % und auf das Jahr gerechnet um 1,0 %.

Die Daten entsprachen den Erwartungen von Experten und konnten an Tokios Börse nach Händleraussagen daher nicht viel bewirken. Der Nikkei-Index stieg um 0,8 % auf 14 954 Punkte, liegt aber noch rund 21 % unter dem Stand zu Jahresbeginn. Selbst wenn die Wirtschaft in den beiden verbleibenden Quartalen des noch bis März laufenden Fiskaljahres nicht wachsen sollte, könne das Jahresziel von 1,5 % Wachstum erreicht werden, so das Wirtschaftsplanungsamt.

Einige Ökonomen konnten an den Quartalsdaten jedoch keine Anzeichen dafür erkennen, dass die japanische Wirtschaft an Fahrt gewinnt oder sie gar schon auf eine sich selbsttragende Erholung zusteuert. Einziger Wachstumsmotor seien derzeit die vornehmlich in Informationstechnologien fließenden Investitionen der Firmen, sagte Yasunari Ueno, Chefökonom bei Mizuho Securities. Die Investitionen stiegen um 7,8 % zum Vorquartal und steuerten damit 1,2 Punkte zum Wirtschaftswachstum bei. Das ist der stärkste Anstieg seit 1980.

Zugleich nahm die Bedeutung des öffentlichen Sektors für die Wirtschaft ab. Das Hauptproblem bleibt Ökonomen zufolge aber der weiter schwache Privatkonsum, der 60 % zur wirtschaftlichen Leistung des Landes beiträgt. Im Berichtsquartal zeigte er mit lediglich plus 0,04 % praktisch keine Veränderung. Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und einer Rekordstaatsverschuldung trauen die Japaner der fragilen Wirtschaftserholung nicht über den Weg und halten am Ersparten fest. Ein Anziehen des Konsums gilt aber als Bedingung für eine dauerhafte Erholung der japanischen Wirtschaft.

Wirtschaftsplanungschef Taichi Sakaiya zeigte sich jedoch zuversichtlich: Die Konsumdaten seien besser, als er erwartet habe. Die Stimmung der Verbraucher werde sich angesichts der steigenden Firmenerträge in den nächsten Monaten bessern. Die Wirtschaft sei nicht dabei, sich abzuschwächen. Bereits zwischen April und Juni hatte sich ein Wachstum von ebenfalls moderaten 0,2 % ergeben. Sakaiya warnte jedoch vor Risiken einer Konjunkturabschwächung in den USA und Asien und sprach sich für weitere Stimulierungsmaßnahmen aus.

Die Auslandsnachfrage hatte das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal um 0,1 %punkt beeinträchtigt. Die Exporte waren im Oktober nur noch um 2,8 % gestiegen, der niedrigste Zuwachs seit Juli vergangenen Jahres. Sakaiya bekräftigte derweil seine Absicht, auszuscheiden. Am Dienstag wollte Premier Yoshiro Mori sein Kabinett umbilden, die meisten Posten aber unverändert belassen. Experten erwarten davon weiter keinen Reformschub.

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