Sorgen vor einem millitärischen Alleingang der USA
Euro-Kurse fallen wegen Erwartung einer Zinssenkung

Die Erwartung einer baldigen Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat dem Euro am Montag nach Einschätzung von Marktteilnehmern Kursverluste beschert.

Reuters FRANKFURT. Sorgen über die US-Konjunktur und die Kriegsängste um Irak hätten den Euro aber wieder etwas gestützt und die Verluste begrenzt. Gegen 9.55 Uhr MEZ notierte der Euro mit 1,0756/57 Dollar nach 1,0769/75 Dollar zum Handelsschluss am Freitag. Der Yen reagierte mit Kursgewinnen auf die Nachricht der Ernennung eines konservativen Notenbankers zum neuen Chef der Bank von Japan (BoJ).

Den Erwartungen einer Zinssenkung habe EZB-Präsident Wim Duisenberg am Wochenende neue Nahrung gegeben, sagten Händler. Nach deren Meinung hat der Euro bei seinen rasanten Kursgewinnen in den vergangenen Monaten vor allem wegen des in der Euro-Zone im Vergleich zu den USA höheren Zinsniveaus Investoren angelockt. Bei einer EZB-Zinssenkung würde sich das Niveau der Leitzinsen im Währungsgebiet sich dem der USA wieder annähern. Deswegen sei es am Montag zu Euro-Verkäufen gekommen. "Die Stärke des Euro in den vergangenen Monaten hatte wenig mit der tatsächlichen Wirtschaftslage zu tun", sagte Kota Kimura von der Shinkin Central Bank.

Duisenberg hatte am Wochenende beim Gipfeltreffen der Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) in Paris ein klares Signal für eine baldige Leitzinssenkung gegeben."Was auch immer passieren sollte in dieser Welt der Unsicherheit: Wenn wir neue Informationen erhalten oder neue Feststellungen über die mittelfristigen Aussichten für die Preisstabilität oder die Wirtschaft treffen, werden wir nicht zögern zu handeln", hatte der EZB-Präsident gesagt. Zuletzt hatte Duisenberg bereits wiederholt die grundsätzliche Bereitschaft der EZB zu einer Zinssenkung signalisiert, sollte es zu einem erneuten Konjunktureinbruch in der Euro-Zone kommen.

Hemmend für den Dollar wirken nach Einschätzung der Analysten der Helaba Trust weiterhin die Sorgen über einen möglichen militärischen Alleingang der USA gegen Irak ohne UNO-Mandat. In einem Marktkommentar der Bank hieß es außerdem, neue Konjunkturdaten könnten ein trüberes Bild der US-Wirtschaft zeichnen. Daraus könnten wiederum Spekulationen über eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) erwachsen, die dann den Dollar wieder unter Druck setzen würden.

Der ehemalige BoJ-Vizegouverneur Toshihiko Fukui ist als neuer Zentralbankchef Japans nominiert. Ministerpräsident Junichiro Koizumi werde Fukui und seine Stellvertreter Kazumasa Iwata und Toshiro Muto benennen, sagte der Chef für Parlamentsangelegenheiten der regierenden Partei LDP, Hidenao Nakagawa, am Montag in Tokio. Fukui, Nachfolger von Masaru Hayami, gilt als Gegner eines Inflationszieles. Bei einer Geldpolitik mit einem vorgegebenen Inflationsziel müsste der japanische Staat riesige Summen in die von einer Deflation belastete Wirtschaft pumpen und sich noch stärker verschulden. Iwata ist dagegen als Verfechter radikaler Maßnahmen zur Ankurbelung der von Rezession und Deflation geplagten japanischen Wirtschaft bekannt. Hayamis fünfjährige Amtszeit läuft am 19. März aus.

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