South African Breweries und Miller Brewing vereinen sich zur Nummer zwei der Welt
Neuer Branchenriese im Biergeschäft

Die südafrikanische SAB setzt mit der Übernahme von Miller zum Sprung auf den US-Markt an. Analysten zweifeln aber, ob SAB den Abwärtstrend bei Miller stoppen kann. Denn Erfahrung im US-Markt hat SAB nicht.

slo/wd LONDON/KAPSTADT. Der Brauereikonzern South African Breweries Plc. (SAB) übernimmt Miller Brewing, die zweitgrößte US-Brauerei. Das gab SAB am gestrigen Donnerstag bei der Vorlage der Jahresergebnisse in London bekannt. Mit der Übernahme entsteht der weltweit zweitgrößte Brauereikonzern hinter der US-amerikanischen Anheuser-Busch. Die belgische Brauereigruppe Interbrew und die niederländische Heineken werden auf die Plätze drei und vier verwiesen. Miller gehört bisher dem US-Tabak- und Nahrungsmittelhersteller Philip Morris Companies Inc. Der Deal hat einen Wert von 5,6 Mrd. $. SAB übernimmt die Miller-Schulden in Höhe von 2 Mrd. $ und begleicht die restlichen 3,6 Mrd. $ des Kaufpreises mit Aktien.

SAB hat damit knapp ein Fünftel mehr für die US-Brauerei gezahlt, als Analysten erwartet hatten. Der Aktienkurs der südafrikanischen Brauerei sank daher an der Londoner Börse im Tagesverlauf um 4 % auf 555 Pence. "Die Übernahme von Miller ist ein großer Schritt für SAB und für den gesamten Markt; dies wird eine weitere Konsolidierung der Branche nach sich ziehen", sagte Konzernchef Graham Mackay, der auch das fusionierte Unternehmen führen wird. SAB ist mit seinen Marken Castle und Pilsner Urquell bisher der weltweit viertgrößte Bier-Brauer und fast ausschließlich in den Wachstumsmärkten Afrika, Osteuropa und China aktiv. Der Sprung auf den reifen, hart umkämpften US-Markt ist daher eine radikale Kehrtwende in der bisherigen Strategie.

SAB gilt als besonders erfolgreich in Märkten, in denen effiziente Produktions- und Vertriebssysteme für hohe Margen sorgen. In den USA kommt es dagegen vor allem darauf an, durch gutes Marketing Konkurrenten Marktanteile abzujagen. In diesem Bereich hat SAB nach Ansicht von Analysten allerdings viel zu wenig Erfahrung. "Wenn es Philip Morris mit seinen hervorragenden Marketing-Experten nicht gelungen ist, das Steuer bei Miller herumzureißen, wie soll es dann SAB schaffen", fragten Analysten in London. Miller, Nummer zwei in den USA, hat in den vergangenen Jahren Marktanteile an Marktführer Anheuser-Busch mit Marken wie Budweiser verloren.

Einer Studie von Credit Suisse First Boston zufolge hat Miller bereits einen effizienten Vertrieb und eine gut funktionierende Produktion, so dass das Unternehmen geringere Herstellungskosten hat als seine Wettbewerber. Daher werden nur geringe Synergieeffekte bei der Übernahme durch SAB erwartet. Gleichwohl erwarten die Südafrikaner, dass sie die Kosten in den nächsten drei Jahren um 50 Mill. $ senken können.

Die Miller-Übernahme hat für SAB aber auch einen großen Vorteil: Der Brauereikonzern verringert seine Abhängigkeit von den Weichwährungen in vielen Schwellenländern. Dies hat SAB bisher vor allem in seiner Heimat enorm belastet. Die Schwindsucht der südafrikanischen Währung hat deutliche Spuren im Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr hinterlassen, das im März endete. Wie SAB gestern mitteilte, lag der Vorsteuergewinn bei 606 Mill. $ - Analysten hatten mit mehr gerechnet.

Mit der Expansion in die USA verringert SAB aber zugleich das Risiko, selbst Opfer einer Übernahme von Konkurrenten wie Anheuser Busch, Heineken oder Interbrew zu werden. Bei Krisen in Schwellenländern sind immer wieder solche Spekulation aufgekommen. Erst im vergangenen Jahr kursierte das Gerücht, dass die belgische Interbrew eine SAB-Übernahme plane. Die Südafrikaner waren deshalb bereits seit längerem auf der Suche nach einem strategischen Partner, um so ein Standbein in einem Markt mit stabiler Währung zu haben. Im April sind die Verhandlungen mit Philip Morris bekannt geworden.

Das aus Miller und SAB entstehende Unternehmen mit einem Umsatz von 9,3 Mrd. $ und einem Pro-forma-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 1,2 Mrd. $ im abgelaufenen Geschäftsjahr wird SAB Plc. -Miller heißen. Philip Morris wird eigenen Angaben zufolge an SAB-Miller 36 % halten. Zu Philip Morris gehören unter anderem auch die Zigarettenmarke Marlboro und Kraft Foods. Der US-Konzern trennt sich mit dem Verkauf von Miller von einer seiner schwachen Sparten. Expandieren will Philip Morris künftig mit weiteren Übernahmen in den Kernbereichen Nahrungsmittel und Tabak.

SAB-Miller produziert weltweit 141 Millionen Hektoliter. Das neue Unternehmen hat 116 Brauereien in 24 Ländern und 37 500 Mitarbeiter. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Aufsichtsbehörden und den SAB-Aktionären genehmigt werden, soll aber im Juli abgeschlossen sein.

Quelle: Handelsblatt vom 31.05.02

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