Southwest Airlines ist die Hoffnung der Verbraucher
Wenige große Airlines dominieren US-Markt

Der Schritt geschah in aller Stille. Um 10 % hob United Airlines im November vergangenen Jahres die Tarife für Business Class Tickets an. Die anderen Airlines folgten prompt. Es war die sechste Erhöhung dieser Art innerhalb nur eines Jahres - um durchschnittlich 26 % stieg im Jahr 2000 der Preis für einen Business-Class-Flug innerhalb der USA.

HB DÜSSELDORF. Das Beispiel spricht Bände: Wenige große Fluggesellschaften dominieren den Flugmarkt in den USA, Wettbewerb findet weitgehend nicht statt - was insbesondere die Vollzahler zu spüren bekommen. Der Luftverkehr fließt über die großen Drehkreuzflughäfen, die jeweils von einer großen Airline beherrscht werden. Versucht ein Newcomer dieses Quasi-Monopol zu brechen, unterbietet ihn der Platzhirsch bei den Preisen und verweigert ihm attraktive Start- und Landerechte - und drängt ihn so vom Markt.

Jüngstes Beispiel: Legend Airlines, die in Dallas, dem Heimatflughafen von American Airlines gestartet waren, mußten Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts beantragen. Nicht zuletzt die juristischen Kämpfe gegen American hatten das Kapital der jungen Airline aufgezehrt.

Von den großen Hoffnungen der Liberalisierung des Luftverkehrs in den USA ist wenig übriggeblieben. Mehr Wettbewerb und billigere Tickets hatten sich die Politiker erhofft, als Präsident Jimmy Carter 1978 die Deregulierung des Flugmarkts in den USA durchsetzte. Zunächst wurden auch zahlreiche Fluggesellschaft neu gegründet. Doch nach einem mörderischen Wettbewerb wurden die meisten von ihnen geschluckt oder fusionierten miteinander. Auch US Airways ist aus dem Zusammenschluss mehrerer kleiner Fluggesellschaften hervorgegangen. Selbst große Namen wie die traditionsreiche PanAm oder Eastern Airlines verschwanden. Große Teile des Europa-Netzes von PanAm gingen in der damals noch weniger bedeutenden Delta Air Lines auf.

Insbesondere die starke Stellung der großen Fluggesellschaften auf den Flughäfen zementiert den mangelnden Wettbewerb. So halten beispielsweise United und American am Flughafen Chicago O?Hare zusammen mehr als 80 % der Start- und Landerechte. In Dallas Fort Worth befördert American 70 % aller an- und abfliegenden Nonstop-Passagiere. Häufig sind ganze Flugsteige, zuweilen sogar komplette Terminals an einzelne Fluggesellschaften exklusiv vermietet. Das Fazit des General Accounting Office 1999 in einem Bericht über die Wettbewerbssituation: "Seit der Deregulierung im Jahr 1978 kontrollieren die großen Fluggesellschaften zehn der wichtigsten Flughäfen, was zu Wettbewerbsbeschränkungen und zu teureren Flugscheinen führt."

Sollten die jetzt geplanten Fusionen von United mit US Airways und von American mit TWA von den Kartellbehörden genehmigt werden, dann teilen sich die beiden großen Fluggesellschaften mehr als die Hälfte des Flugmarktes in den USA. So würde United mit der Übernahme seinen Marktanteil von 19 auf 26 % ausbauen. American käme auf 25 %. Der Dritte der Branche, Delta Air Lines, wäre mit 15 % schon deutlich abgeschlagen.

Die Hoffnung der Verbraucher ruht auf Southwest Airlines aus Dallas. Die 1971 gegründete Billigfluggesellschaft beförderte im vergangenen Jahr bereits über 58 Mill. Passagiere. Und überall, wo Southwest auftaucht, purzeln die Preise. Im hart umkämpften Markt an der US-Ostküste hat Southwest den etablierten US Airways und Delta so zugesetzt, dass sie mit Metro-Jet und Delta Express eigene Billigableger gründen mussten.

Das Geheimrezept: Southwest meidet die abgeschotteten großen Drehkreuze und fliegt von kleineren Flughäfen in der Nähe der Großstädte. Die Gesellschaft bietet ausschließlich Punkt zu Punkt-Verbindungen an, und als Verpflegung an Bord gibt es nur Erdnüsse, Kaffee und Cola.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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