Soweto
Weltberühmte Slums mit Nobelhotel

30 Jahre nach dem Aufstand entsteht eine schwarze Mittelschicht in Soweto: Südafrikas berühmteste schwarze Vorstadt vollzieht eine wirtschaftliche Metamorphose, die Lichtjahre von den damaligen Ereignissen entfernt scheint.

KAPSTADT. Wie ein Lauffeuer raste die Nachricht an jenem kalten Junimorgen des Jahres 1976 durch Südafrika und wenig später um die ganze Welt: "Rassenunruhen in Soweto". War das Ende der weißen Minderheitsherrschaft am Kap gekommen? Immer neue Gerüchte und Schreckensmeldungen aus dem schwarzen Township im Südwesten von Johannesburg schürten damals unter den Weißen die Angst vor dem lange befürchteten Rassenkrieg und einer Nacht der langen Messer. Am Ende gelang es den Sicherheitskräften jedoch, die Unruhen im Keim zu ersticken. Und dennoch: In der Geschichtsschreibung gilt Soweto als ein entscheidender Wendepunkt - als der Anfang vom Ende der weißen Vorherrschaft am Kap.

Der zündende Funke für den Aufstand am 16. Juni 1976 war von einer Überreaktion der Polizei auf eine Demonstration schwarzer Oberschüler ausgegangen. Diese protestierten damit gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache in ihren Schulen. Die Sprache der Weißen war ihnen verhasst. Bei den landesweiten Unruhen kamen 575 Menschen ums Leben.

Zum Sinnbild des Aufstandes vor genau 30 Jahren wurde an jenem Tag der Schüler Hector Petersen, der auf dem Heimweg von Polizisten als erster erschossen wurde. Das Bild seines schlaffen Körpers, der von einem älteren Mitschüler davongetragen wird, warf ein grelles Licht auf die Brutalität des Apartheidstaates. Zur Erinnerung an Petersen wurde in dem Stadtteil Orlando West ein Heldendenkmal für den Schüler errichtet, das für Touristen zum Pflichtprogramm einer Soweto-Tour gehört.

Heute deutet nur noch wenig auf die bewegten Zeiten hin. Südafrikas berühmteste schwarze Vorstadt vollzieht eine wirtschaftliche Metamorphose, die Lichtjahre von den damaligen Ereignissen entfernt scheint.

Wer etwa zur Fußball-WM 2010 ans Kap reist und eine Spitzen-Herberge sucht, der könnte sich ausgerechnet in Soweto wiederfinden. Bis dahin will die Regierung hier ein Luxushotel aus dem staubigen Townshipboden stampfen. Das "Freedom Sqaure Hotel" soll mit den besten Unterkünften im reichen Norden von Johannesburg konkurrieren.

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