Sozialer Aufstieg überzeugt viele Wähler
Alejandro Toledo - Die Rückkehr des Inkakönigs

Er springt auf der Bühne umher wie ein Popstar, sieht aus wie ein Bauer aus den Anden, und sein Lebenslauf könnte für eine Telenovela geschrieben sein. Doch Alejandro Toledo ist nicht Musiker, Landwirt oder Serienheld, sondern aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat in Peru.

afp LIMA. Mal zeigt sich der promovierte "Dr. Toledo" im Anzug als renommierter Wirtschaftswissenschaftler, mal in Jeans und angeschmutztem weißen Hemd als der "cholo", der Ureinwohner aus der Unterschicht. Beide Rollen beherrscht Toledo perfekt; sein Leben hat sie ihm gelehrt.

Der 55-Jährige stammt, wie unzählige Peruaner, aus einer bettelarmen Familie: sieben der 16 Geschwister starben an Unterernährung, als Kind arbeitete er als Schuhputzer. Mit einem Stipendium für eine Studium in den USA begann der Aufstieg: Studium an der Eliteuniversität Stanford, Dozent in Harvard, Berater bei der Weltbank, der UNO, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Fehlt nur noch ein politisches Amt.

Eigentlich hatte sich Toledo schon vergangenes Jahr vorgenommen, Präsident zu werden und die zehnjährige autokratische und korrupte Herrschaft Alberto Fujimoris zu beenden. Nach dem offensichtlichen Betrug im ersten Wahlgang zog er seine Kandidatur aber zurück. Doch der "cholo" ließ dem "chino", wie Fujimori wegen seiner japanischen Abstammung genannt wird, weiterhin keine Ruhe. Hunderttausende aus dem ganzen Land schlossen sich seinem Protestmarsch an, der pünktlich zur Amtseinführung Fujimoris in der Hauptstadt Lima eintraf. Der Beitrag Toledos zum Sturz des Staatschefs ist nach wie vor unbestritten. Doch seitdem hat sich der politische Wind im Land gedreht.

Vertreter des "Dritten Weges"

Mit ihrer Stimme für Toledo votierten die Peruaner im April 2000 vor allem gegen Fujimori. Am Sonntag hingegen stehen mehrere Kandidaten zur Wahl, die eine demokratische Wende versprechen. Programmatisch unterscheidet sich Toledo kaum von seiner stärksten Konkurrentin, der Christdemokratin Lourdes Flores Nano. Beide wollen sie an der neoliberalen Wirtschaftspolitik Fujimoris festhalten. "Mehr Arbeit" lautet der Slogan Toledos; in populistischen Wahlkampfspots verspricht er mit seiner stets heiseren Stimme den Ärmsten Häuser und Arbeitsplätze. Er selbst sieht sich als Vertreter des "Dritten Weges", seine Partei Perú Posible ("Mögliches Peru") ist ein Sammelsurium von Vertretern unterschiedlichster politischer Richtungen. Viel wichtiger als die Parteifreunde ist für Toledo ohnehin seine Frau, die vor Energie strotzende Belgierin Eliane Karp, die sich als peruanische Hillary Clinton versteht.

Viele Peruaner überzeugt weniger das Programm des 55-Jährigen als seine Herkunft: Zum ersten Mal seit der Ankunft der spanischen Eroberer vor 500 Jahren könnte wieder ein Urienwohner den Andenstaat regieren. Das versuchten einige mit allen Mitteln zu verhindern, behauptet Toledo. Berichte über eine angebliche uneheliche Tochter und Kokainkonsum im Wahlkampf weist er als "schmutzige Kampagne" zurück. Toledos Anhänger lassen sich davon nicht beeindrucken: Zu Tausenden strömen sie zu seinen Auftritten und bejubeln ihn als "Pachacutec", die Wiedergeburt des heldenhaften Inka-Koenigs.

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