Sozialist Laurent Gbagbo wahrscheinlich Wahlsieger
Militärmachthaber der Elfenbeinküste beantragt Wahl-Anullierung

dpa PARIS/ABIDJAN. Die Elfenbeinküste steht vor einer schweren Zerreißprobe. Militärmachthaber Robert Guei hat nach Angaben aus Paris eine Annullierung der Präsidentenwahl vom Sonntag beantragt. Das gab Frankreichs Entwicklungshilfeminister Charles Josselin am Dienstag in Paris bekannt. Zuvor hatte der wahrscheinliche Wahlsieger, der Sozialist Laurent Gbagbo, Guei aufgefordert, sofort vom Amt des Staatschefs zurückzutreten.

Gueis Antrag auf Wahl-Annullierung werde vom Obersten Gericht des westafrikanischen Landes geprüft, hieß es in Paris. Das Gericht steht dem Juntachef nahe. Vor über zwei Wochen hatte es bereits die Kandidatur von 14 Bewerbern verboten. Darunter waren die Spitzenpolitiker von zwei Parteien, die bei den letzten Wahlen 1995 knapp 75 % der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt hatten.

Sozialist sei klarer Sieger

Gbagbo sagte am Dienstag in mehreren Rundfunkinterviews in Abidjan, er lehne es ab, unter Guei Regierungschef zu werden. Auch sei ein zweiter Wahlgang ausgeschlossen, er sei der klare Sieger. Die nationale Wahlkommission hatte am Montag mitgeteilt, dass nach der Auszählung von 8 % der abgegebenen Stimmen Gbagbo mit 51,35 % vor Guei (40,4 %) liege.

In der Elfenbeinküste sind seitdem die Spannungen deutlich angestiegen. Eine Demonstration von Gbagbo-Anhängern wurde von der Polizei aufgelöst. Das Gebäude der Wahlkommission wurde von Soldaten umstellt.

Rückkehr zur Demokratie nicht eingehalten

Guei hatte sich zu Weihnachten vorigen Jahres an die Macht geputscht und anschließend die Rückkehr zur Demokratie versprochen. Nach Ansicht von Beobachtern im Land hat Guei bei einer einwandfreien Organisation und einem sauberem Wahlverlauf keine Chance, an der Macht zu bleiben.

5,5 Mill. Bürger waren aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Mehrere Oppositionsparteien und auch der Nationale Islamische Rat hatten die Bevölkerung aufgerufen, die Wahlen wegen der Manipulationen von Guei zu boykottieren. Vor allem im moslemischen Norden wurden diese Aufrufe befolgt.

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