Später Handel unprofitabel
Börsenhandel bis 20 Uhr vor dem Aus

Banken atmen auf, viele Kleinanleger dürften verärgert sein: Die Deutsche Börse prüft, die bei Händlern und Institutionellen Anlegern unbeliebten langen Öffnungszeiten der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) bis 20 Uhr zu verkürzen. Das bestätigte eine Sprecherin dem Handelsblatt.

HB/dpa/rtr FRANKFURT. Die Rede ist von einer Rückkehr zum alten Börsenschluss bis 17.30 Uhr, der bis Mitte 2000 galt. Eine generelle Entscheidung hierzu ist jedoch noch nicht gefallen, hieß es. Angestrebt ist eine europäische Lösung: "Wir sind seit längerem in dieser Sache in Europa unterwegs", sagt die Sprecherin. Wann es zur Umsetzung kommen könnte, blieb indes offen. Den bereits im Markt kursierenden Termin von Dezember 2003 wollte die Sprecherin weder dementieren noch bestätigen.

Grund für die Handelszeitverkürzung ist der mit über 40 % sehr hohe Anteil an Handelsvolumen aus dem Ausland. Vor allem internationale Marktteilnehmer drängen seit längerem auf eine Vereinheitlichung der Handelszeiten in Europa. Die FWB hat derzeit mit 11 Stunden täglich die längsten Handelszeiten in Europa und eine der längsten der Welt.

Ein weiterer Grund für das Umdenken der Deutschen Börse sind die stetig geschrumpften Orderaufkommen und Volumina. Als der Abendhandel im Juni 2000 in Deutschland eingeführt wurde, herrschte an den Börsen eine bis dato nicht gekannte Euphorie. Sogar über einen 24-stündigen Handel wurde damals offen nachgedacht. Vor allem Privatanlegern sollte die Möglichkeit gegeben werden, noch am Abend zu handeln. Nach über drei Jahren Börsenbaisse haben sich die Relationen aber verändert. Deutlich wurde auch, dass der Abendhandel von vielen Börsianern nie angenommen wurde. Betrug das Orderaufkommen zwischen 17.30 Uhr und 20 Uhr im Jahr 2001 noch 9 % der gesamten Tagesorders, so sank der Anteil im Jahr 2002 auf 8 % und schrumpfte nach Handelsblatt-Informationen bis Mai 2003 sogar auf 7 %.

Abendhandel fast nur mit kleinen Ordergrößen

Dabei ist allerdings auffällig, dass es vor allem kleine Orders sind, die im Abendhandel an den Markt gelangen. Viele Kleinanleger handeln nach Feierabend. Dagegen verlassen die Institutionellen meist um 17.30 Uhr den Markt. In den Handelsräumen der Großbanken findet sich häufig nur ein Händler. Es verwundert deshalb nicht, dass die Börse mit ihrem Vorstoß bei den Händlern offene Türen einrennt. "Man revidiert lediglich eine Entscheidung, die sich am Markt nicht bewährt hat und zudem noch hohe Kosten verursacht", sagte ein Händler.

Offen ist, wie sich die sieben Regionalbörsen verhalten werden, die alle bis 20 Uhr handeln, Düsseldorf mit dem System Quotrix sogar bis 22 Uhr. Die Deutsche Börse plädiert dafür, dass auch sie sich den veränderten Öffnungszeiten anschließen. Ob dies allerdings so kommt, bezweifeln Marktteilnehmer. Bisher hatten die Regionalbörsen, die zusammen nur einen Marktanteil am Handelsvolumen von 3 % bis 4 % haben, stets nach Nischen gesucht, wie sie sich gegen die Übermacht der FWB stemmen können. "Gut möglich, dass sie die Verkürzung der Handelszeiten in Frankfurt als Chance sehen und gerade deshalb an den längeren Öffnungszeiten festhalten", sagt ein Händler.

Großbanken dürften entscheidende Rolle haben

Eine entscheidende Rolle wird deshalb den Großbanken zukommen. Die Frage ist, ob diese ihre Handelsräume für die Regionalbörsen bis 20 Uhr offen halten. Allein von den Orders, die über die Online-Banken zwischen 17.30 und 20 Uhr herein kommen, dürfte der Aufwand eines längeren Handels für sie zu groß sein.

Wenig Probleme sieht die Deutsche Börse darin, dass der Handel in Deutschland künftig nur noch zwei Stunden parallel zur Wall Street verlaufen könnte. Bisher sind es 4,5 Stunden, weshalb der Deutsche Aktienindex (Dax) am Abend häufig als einziger europäischer Index auf Vorgaben aus New York reagiert. "Das ist nur ein nebensächliches Argument", sagte eine Sprecherin.

Nicht zur Debatte steht bei der jetzigen Überprüfung der bei Händlern unbeliebte Feiertagshandel. Seit dem Jahr 2000 wird in Deutschland an Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam und dem Tag der Deutschen Einheit gehandelt. "Eine Entscheidung darüber steht derzeit nicht auf der Agenda", sagte die Sprecherin. An den drei Feiertagen, an denen in den letzten drei Wochen gehandelt wurde, sind die Umsätze im Vergleich zu den Vorjahren zuletzt zwar leicht gestiegen, liegen aber weit unter denen eines normalen Handelstags. Gewöhnlich arbeiten die Wertpapierhandelshäuser an solchen Tagen mit Notbesetzung.

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