Spätestens bis Ende des Sommers
Fusion von Warner und BMG kommt voran

Die weltweite Absatzkrise treibt die Konsolidierung in der Musikindustrie voran. Wie die amerikanische Tageszeitung "USA Today?" berichtet, nimmt die Zusammenlegung der Musiksparten der Mediengiganten AOL Time Warner und Bertelsmann immer konkretere Formen an.

hps/HB DÜSSELDORF. Die beiden Konzerne verhandeln exklusiv über eine Zusammenlegung ihrer Musiktöchter Warner Music und BMG (Christina Aguilera, Eros Ramazotti, Santana, Guano, Pink). Ziel der Fusion ist es, die Kosten zu verringern und den Gewinn zu steigern. Bereits Ende des Sommers soll das Joint-Venture, an dem Bertelsmann und AOL Time Warner jeweils zu Hälfte beteiligt wären, unter Dach und Fach sein. Dabei könne es auch einen finanziellen Ausgleich geben, zitierte "USA Today" informierte Kreise. Ein Bertelsmann-Sprecher wollte zum offenbar bevorstehenden Megadeal keine Stellung nehmen.

Derzeit würden die Beteiligten noch noch über die unterschiedlichen Bewertungen der Unternehmen verhandeln, so die US-Zeitung. Der BMG-Anteil am weltweiten Musikmarkt stieg im vergangenen Jahr von 8 auf 10 %. In den USA allerdings wurde BMG mit einem Marktanteil von über 17 % zum zweitgrößten Player. Die Verhandlungsposition des Gütersloher Konzern verbessert sich auch durch die neuesten Zahlen von BMG Deutschland. Wegen des Erfolgs der RTL-Musiktalentshow "Deutschland sucht den Superstar" und internationaler Künstler wie Carlos Santana und Pink konnte BMG in Deutschland gegen den Markttrend zulegen. Im ersten Halbjahr habe BMG Deutschland ein Umsatzplus von 6 % erzielt, während der Markt mehr als 20 % eingebrochen sei, berichtet Thomas Stein, BMG-Chef für die Region Deutschland, Österreich und die Schweiz.

2002 hatte BMG Deutschland einen Umsatz von 237 Mill. Euro erzielt. Welchen Gewinn Stein in der New Yorker BMG-Zentrale abliefern wird, konnte er allerdings nicht sagen. Die Umsatzrendite werde vermutlich aber im mittleren einstelligen Bereich liegen. Stein fährt seit zwei Jahren einen harten Sparkurs. Er reduzierte die Zahl der Beschäftigten um fast die Hälfte auf derzeit noch 320. Auch die Zahl der aktiven Künstler im Programm strich Stein von 240 auf gut 90 zusammen. Der Musikmanager wurde als Jurymitglied bei den "Superstars" einem großen Publikum bekannt.

Die Musikindustrie leidet weltweit unter Raubkopien und dem illegalen Herunterladen aus dem Internet. Nicht zuletzt deshalb hat sich Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen dafür entschieden, dass Musik nicht mehr zum Kerngeschäft des Medienkonzerns gehört. Die Bertelsmann Music Group ist weltweit die Nummer 4. AOL-Tochter Warner Music ist der drittgrößte Musikkonzern. An der Spitze steht Universal Music gefolgt von Sony Music.

Trotz die Sondereffekte der "Superstars" belastet die weltweite Absatzflaute auch BMG. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr einen Rückgang des weltweiten Musikmarktes um 7 %. Bereits im letzten Jahr sank der Umsatz der Bertelsmann - Musiktochter auf 2,714 Mrd. Euro (Vorjahr 3,0 Mrd. Euro); davon entfielen auf Deutschland 237 Mill. Euro.

Zu Warner Music mit einem Jahresumsatz von 4,2 Mrd. $ zählen eine Reihe von Plattenfirmen wie Atlantic, Warner Bros. Records und Elecktra Entertainment. Bei einem Zusammenschluss entstünde dem Weltmarktführer Universal Music erstmals ernsthafte Konkurrenz.

BMG schaffte erst mit harten Einsparungen und Umstrukturierungen im letzten Jahr den Turnaround. Schrieb die Musiktochter 2001 noch Verluste von 79 Mill. Euro, erzielte sie im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 125 Mill. Euro. Im November letzten Jahres erwarb BMG für 2,3 Mrd. $ die amerikanische Musikfirma Zomba (Britney Spears, Backstreet Boys).

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