Spätfolge der Kölner SPD-Spendenaffäre
RWE Umwelt zieht Trienekens aus dem Verkehr

Die RWE zieht einen Schlussstrich unter das Kapitel Trienekens und übernimmt das Viersener Müllunternehmen komplett. Unter dem Namen RWE Umwelt will der Essener Versorger vor allem das Image des Entsorgungsgeschäfts aufpolieren. Trienekens stand zuletzt für regionalen Klüngel und krumme Geschäfte.

agr DÜSSELDORF. Die Ära des Viersener "Müllkönigs" Hellmut Trienekens geht zu Ende. Mit der Übernahme des größten Entsorgungsunternehmens in Nordrhein-Westfalen durch den langjährigen Partner RWE Umwelt wird der Firmenname Trienekens vollständig verschwinden. Dies sagte der Vorstandschef der RWE Umwelt AG, Essen, Bernard Kemper.

Firmengründer Hellmut Trienekens scheidet aus dem neuen Unternehmen aus. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Kölner Parteispendenaffäre. Trienekens soll im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage unkorrekt verbuchte Spenden an die Kölner SPD gezahlt haben. Bis Ende Juli soll die Verschmelzung der Unternehmen abgeschlossen sein.

Der vor der Rethmann-Gruppe aus Lünen größte deutsche Entsorgungskonzern wird künftig bundesweit unter RWE Umwelt firmieren. Die Sparte peilt dabei 2002 mit 14 500 Mitarbeitern einen Umsatz von gut 2,1 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 90 Mill. Euro an.

"Der Mutterkonzern RWE erwartet Einsparungen durch die Verschmelzung", sagte Personalvorstand Ralf Zimmermann. Wie viel Stellen abgebaut werden, wollte er nicht beziffern. Mittelfristig werde durch den gemeinsamen Marktauftritt der beiden Unternehmen aber wieder die alte Personalstärke erreicht. RWE Umwelt verlegt die Hauptverwaltung von Essen ins niederrheinische Viersen. Dadurch dürften in der Verwaltung einige Arbeitsplätze wegfallen. Zum Kaufpreis, den RWE für die restlichen 50 % plus eine Aktie an Trienekens bezahlt hat, wollte Kemper keine Angaben machen. Nach Presseberichten lag er bei 450 Mill. Euro.

Die Sonderprüfung der Trienekens-Geschäfte habe keine unternehmerischen Risiken aufgedeckt, betonte Kemper. Strafrechtlich relevante Vorwürfe hätten sich nicht ergeben. Geprüft werde aber der Verdacht auf Steuerdelikte. Ob und in welcher Höhe Steuernachzahlungen auf den neuen Konzern zukommen könnten, ließ Kemper offen: "Das wird zwischen den Gesellschaftern glatt gezogen."

Dubiose Zahlungen bei Trienekens



RWE-Chef Dietmar Kuhnt hatte kürzlich auf der Hauptversammlung eingeräumt, dass es bei Trienekens dubiose Zahlungen gegeben habe. Prüfungen hätten ergeben, dass es zu Zahlungen an domizilierte Gesellschaften gekommen sei, denen keine Gegenleistung gegenüber gestanden habe. Domizilgesellschaft ist ein Schweizer Begriff für Briefkastenfirma. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte 12 Mill. DM von Trienekens in der Schweiz entdeckt. Das Unternehmen habe daraufhin seine Steuererklärung korrigiert, hatte Kuhnt erklärt. RWE hatte nach Bekanntwerden des Kölner Skandals zwei Wirtschaftsprüfer mit der Prüfung beauftragt.

Keine Verfehlung habe sich Trienekens hingegen als Parteispender zu Schulden kommen lassen, hatte Kuhnt erklärt. Es habe Spenden an Parteien gegeben. Sie seien aber vorschriftsmäßig versteuert worden.

Trotz der Verwicklung des bisherigen Firmenchefs in den Kölner Spendenskandal will sich RWE Umwelt weiterhin an Ausschreibungen für Müllverbrennungsanlagen beteiligen. Die Technische Anleitung Siedlungsabfall schreibt ab Juni 2005 vor, Müll zu verbrennen. Einem 30 Mill. Tonnen Müllberg stehen dabei laut RWE heute lediglich Anlagen mit einer Verbrennungskapazität von 13 Mill. Tonnen gegenüber.

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