Spanien kritisiert rigiden IWF-Kurs
Kein Geld mehr ohne neue Politik

Schon vor einem Jahr sprachen Frankfurter Banker vom "Sprengsatz Argentinien". Im vergangenen Juni wäre er fast explodiert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) kam jedoch noch einmal zur Hilfe. Jetzt ist der Sprengsatz hochgegangen: Argentinien steht vor der Pleite.

coh WASHINGTON. Die stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des IWF, Anne Krueger, zeigte sich gestern sehr besorgt über die Unruhen in Buenos Aires. Die Entwicklung zeige, wie nötig die Umstrukturierung der Schulden für das hoch verschuldete Land sei. Sie erklärte zudem, dass der IWF bereit sei, bei etwaigen "Ansteckungseffekten" das Nachbarland Brasilien finanziell zu unterstützen. Entsprechende Programme mit dem Land würden bereits vorliegen und könnten auch verlängert werden, sagte Krueger.

Vor einem Szenario, das an die Asienkrise 1997/98 erinnert, warnen Ökonomen schon seit Jahren. IWF-Direktor Horst Köhler hatte bei Amtsantritt das Ziel ausgegeben, nicht erst einzugreifen, wenn die Krise da ist. Stattdessen wollte der Währungsfonds verstärkt auf Prävention setzen. Außerdem hatte die Asienkrise gezeigt, dass sich der internationale Finanzmarkt darauf verlässt, dass er im Schuldenfall freigekauft wird.

Doch Argentinien ist schon länger in der Krise. Seit vier Jahren dauert nun bereits die Rezession. Das Land kämpft gegen einen Schuldenberg von 132 Mrd. $ und eine Arbeitslosenquote von 18,3 %. Allein von Mai bis Oktober stieg sie von 16,4 % auf 18,3 %. Um die Zahlungsfähigkeit nicht zu verlieren, hat sich die Regierung immer wieder um IWF-Hilfen bemüht. Doch der IWF spricht sich gegen weitere Kredite für Argentinien aus. Stattdessen solle ein strafferer Sparkurs gefahren werden. Nach dem Rücktritt von Wirtschaftsminister Domingo Cavallo werden nach Aussage von IWF-Ökonomin Krueger künftige finanzielle Hilfen von der weiteren Wirtschaftspolitik des Landes und dem dahinter stehenden Team abhängen.

Eingefrorenen Kredite

Spaniens Finanzminister Rodrigo Rato hat diese Politik indirekt kritisiert. Er erklärte, dass er schon in der vergangenen Woche darauf gedrängt habe, die kürzlich eingefrorenen Kredite für Argentinien freizugeben. Rato sprach die Auszahlung von 1,3 Mrd. $ an, die auf Grund der unzureichenden finanziellen Konsolidierung in Argentinien vom IWF auf Eis gelegt wurden. Daraufhin war Cavallo nach Washington gereist und hatte sich mit den Ökonomen auf einen neuen Sparkurs geeinigt. Beim IWF zeigt man sich angesichts der Unruhen ratlos: "Bei den Schulden bleibt dem Land nur die Möglichkeit zu sparen. Doch die Bevölkerung scheint sich ja gegen die Einbußen zu wehren", heißt es in IWF-Kreisen. Um der Zahlungsunfähigkeit zu entgehen, könnte das Land seine Schulden im Verhältnis 1:1 von US-Dollar auf Peso umschreiben. Wenn es dann die eigene Währung abwertet, könnte es aus der Krise kommen, erfuhr das Handelsblatt weiter. Doch damit würde Argentinien Anleger auf Jahre verprellen.

Auf der anderen Seite hat das auch schon der frühere US-Präsident Franklin D. Roosevelt gemacht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Bindung des Dollars an das Gold aufgehoben. Die Geldmaschinen konnten angeworfen und Kosten beglichen werden. "Was die neue Regierung und das neue Wirtschaftsteam tun werden, ist weiterhin offen. Es würde mich aber wundern, wenn sie eine Restrukturierung ohne externe Hilfe machen können", erklärt Ökonomin Krueger.

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