Spanien unter Druck
Iberischer Showdown

Die Griechen können ihren Erfolg kaum fassen, die Spanier stehen in der Kritik. Während "König" Otto Rehagel die Freuden- Wogen ein wenig glätten muß, gerät Spanies Trainer Inaki Saez nach dem Untentschieden gegen die Hellenen immer mehr ins Kreuzfeuer der spanischen Medien. Doch noch ist nichts verloren, aber auch noch nichts erreicht.

PORTO. Sie machten die "La Ola"-Welle mit den Fans, skandierten "Olé" und feierten das Unentschieden gegen Titelkandidat Spanien wie einen Sieg. Doch Trainer Otto Rehhagel und die griechischen Medien mahnen vor dem Showdown am Sonntag gegen Russland zur Vorsicht. Durch das 1:1 am Mittwoch in Porto gegen die Iberer benötigen die Hellenen nur noch einen Punkt, um sicher zum ersten Mal in das Viertelfinale einer Fußball-Europameisterschaft einzuziehen. "Die Jungs sollen sich jetzt zwei Tage wahnsinnig freuen - dann müssen sie den Kopf frei haben für das Spiel gegen die Russen", meinte der überglückliche Rehhagel, nachdem Angelos (deutsch: Engel) mit seinem Ausgleichstreffer die "göttlichen" Griechen auf Wolke 7 weiter Richtung Fußball-Olymp schweben ließ und tausende Fans auf die Athener Straßen trieb.

Eng könnte es indes für die Spanier werden - allen voran für Trainer Iñaki Saez. Mit vier Zählern liegen sie punktgleich in der Gruppe A hinter den Griechen und vor dem nächsten Gegner Portugal (3), so dass es am Sonntag in Lissabon zum gefürchteten und alles entscheidenden Duell der beiden iberischen Titelkandidaten kommt. Erst Portugal mit einem 2:1 gestürzt, dann Spanien mehr als ins Stolpern gebracht. "Rehhagels Piraten treiben alle zum Wahnsinn", titelte die griechische Sportzeitung "Sporttime". Und "Goal" schrieb: "Eine neue griechische Sage. Wenn das ein Traum ist, weckt uns nicht!" Die Kommentatoren warnen aber vor Übermut und erinnern an das russische 6:1 im letzten WM-Gruppenspiel 1994 gegen Kamerun - damals ging es für die Russen ebenfalls um nichts mehr.

Ein böses Erwachen will Rehhagel unbedingt vermeiden. Gegen die bisher tor- und punktlosen Russen, die ohne Chance aufs Weiterkommen sind, fordert der 65 Jahre alte Trainerfuchs mehr Übersicht und Souveränität. "Wir konnten uns in den letzten 20 Minuten der Partie nicht vom Druck der Spanier und aus den Spielsituationen befreien. Das ist noch ein Manko, das wir beheben müssen", betonte Rehhagel.

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