Spaniens König sieht Real im Finale
Juve feiert 1:2 wie einen Sieg

Die Fußballer rätselten noch darüber, ob Real Madrids 2:1-Erfolg über Juventus Turin nun ein gutes oder ein schlechtes Ergebnis war. Da hatte Spaniens König Juan Carlos auf der Ehrentribüne des Bernabéu-Stadions die Lage bereits erfasst. "Wir sehen uns dann im Endspiel in Old Trafford", gab der oberste Fan der "Königlichen" dem Real-Präsidenten Florentino Pérez mit auf den Weg.

HB/dpa MADRID. Der Monarch steht nach dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League mit seinem Optimismus jedoch ziemlich allein da. Viele seiner Landsleute zittern um den Titelverteidiger. "Real hängt in der Luft", titelte das Sportblatt "Marca". "Das 2:1 schmeckt nach wenig", meinte Reals Trainer Vicente del Bosque skeptisch. Spielmacher Zinedine Zidane befürchtet: "Im Rückspiel im Stadio delle Alpi werden wir leiden müssen." Der Franzose muss es wissen, denn er hatte fünf Jahre für Turin gespielt.

Die Italiener feierten Juves Niederlage beinahe wie einen Sieg und freuen sich bereits auf ein italienisches Finale zwischen Turin und dem Sieger des Mailänder Stadtderbys Inter gegen AC Milan. "Wir haben bewiesen, dass wir Real aus dem Cup werfen können", meinte der Torschütze David Trezeguet stolz, dessen Treffer im Rückspiel in einer Woche Gold wert sein könnte. "Dieses Real macht uns keine Angst." Die "Gazzetta dello Sport" feuerte die "Alte Dame" Juventus an: "Jetzt geht's richtig los!"

Real und Juventus boten den 80 000 Zuschauern im Bernabéu-Stadion eine hochklassige Partie. Wer allerdings beim Duell der Spitzenreiter der beiden stärksten Ligen der Welt ein Aufeinandertreffen von zwei Fußballwelten erwartet hatte, wurde enttäuscht. Real zeigte nicht seinen berauschenden Angriffsfußball wie im Viertelfinale gegen Manchester United. Nach der bitteren 1:5-Schlappe vom Samstag gegen RCD Mallorca zogen die Spanier es vor, die Abwehr zu stärken. Juventus strafte auf der anderen Seite diejenigen Lügen, die in den italienischen Fußballern nur "Catenaccio-Barbaren" sehen.

"Der Krieg der Zivilisationen fand nicht statt", befand "La Vanguardia". Überraschenderweise ähnelten sich beide Teams sogar in ihrer taktischen Ordnung. Die Madrider dominierten die Partie in der ersten Hälfte. Ronaldo erzielte in der 23. Minute folgerichtig die Führung. Real schien auf dem besten Weg ins Finale zu sein, aber dann folgte ein schwerer Doppelschlag. Zuerst gelang Trezeguet (45.) vor der Pause der Ausgleich, dann schied Ronaldo nach dem Wechsel wegen einer Zerrung aus. Der Einsatz des Brasilianers im Rückspiel ist fraglich. Dann hofft Real allerdings auf das Comeback Raúls, der am Blinddarm operiert wurde.

Mit dem Ausscheiden von "Ronnie" war es um die Herrlichkeit des Real-Angriffs geschehen. Nun übernahm Juve das Kommando. Aber hier zeigte sich dann doch die "Abwehr-Mentalität" der Italiener. Juve schien einen Sieg nicht im Marschplan zu haben und ließ die Möglichkeit verstreichen, Real den entscheidenden Schlag zu versetzen. "Ausgerechnet in unserer stärksten Phase kassierten wir das 1:2", beklagte Juve-Trainer Marcello Lippi. Der Schütze war Roberto Carlos (73.), der am Samstag noch ins eigene Tor getroffen hatte.

Beinahe wäre Reals Siegtreffer aberkannt worden, denn der Linienrichter monierte eine Abseitsstellung von drei Real-Angreifern. Aber der norwegische Unparteiische Terje Hauge befand, dass die Stürmer nicht ins Geschehen eingegriffen hatten. Juve-Generaldirektor Luciano Moggi sah dies anders: "Der Treffer war völlig illegal."

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