Spanische Banken schlagen sich beachtlich
Lateinamerika-Geschäft hat Spuren hinterlassen

In einem international wirtschaftlich schwierigen Umfeld präsentieren sich Spaniens Banken mit soliden Zahlen.

HB DÜSSELDORF. Die führenden privaten Geldinstitute, Santander Central Hispano (SCH) und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), haben sowohl für das Gesamtjahr 2002 als auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres Gewinne vorgelegt - wenn auch niedrigere als im Jahr zuvor. Verantwortlich dafür ist vor allem ihr Engagement in Lateinamerika. Das Geschäft in Argentinien sowie Währungsabwertungen haben deutliche Spuren in den Bilanzen beider Banken hinterlassen. SCH und BBVA gehören zu den größten ausländischen Geldinstituten in der Region, setzen aber nun Schwerpunkte auf einzelne Länder.

Analysten vermuten, dass sich in den folgenden Monaten die angespannte Lage in Lateinamerika aufhellen wird - ein Grund, warum Santander für das Gesamtjahr bereits wieder von einem Plus beim Ergebnis gegenüber 2002 ausgeht. Für die ersten drei Monate hat Spaniens größte Bank noch einen Gewinnrückgang von 8,7 % gemeldet. Banco Popular, drittgrößtes eigenständiges Kreditinstitut in Spanien, überraschte mit einem Ergebnisplus von bald 9 %, dank einer florierenden Kreditvergabe und einer strikten Kostenkontrolle. Die Bank profitiert derzeit davon, auf den Heimatmarkt konzentriert zu sein und nicht auf Lateinamerika gesetzt zu haben.

Anders als auf der anderen Seite des Atlantiks sorgt der iberische Markt für gute Stimmung: Die Wirtschaft wächst weiter überdurchschnittlich in der Euro-Zone, was vor allem die Kreditvergabe anheizt. Die Nachfrage nach Hypothekenkrediten ist trotz massiver Preissteigerungen von Immobilien nicht ins Stocken geraten. Die Banken registrieren mit einem zweistelligen Plus bei der Kreditvergabe weiter einen Traumwert im europäischen Vergleich. Analysten weisen darauf hin, dass die Bankgebühren auf Grund größerer Marktanteile höher sind, zudem sei das allgemeine Kostenniveau geringer. Ebenfalls kam dem Gewinn zu Gute, dass sich die spanischen Banken von nicht-strategischen Beteiligungen getrennt haben, bevor der Aktienwert völlig eingebrochen war.

Europa steht auf dem Arbeitsplan

Um die Abhängigkeit von Lateinamerika einzuschränken, steht aber nunmehr Europa auf dem Arbeitsplan. Zwar will SCH-Präsident Emilio Botín zumindest derzeit nichts von grenzüberschreitenden Fusionen wissen. Die Bank hat seinen Worten zufolge ausreichend Potenzial, um aus eigener Kraft zu wachsen. Als Wachstumsmarkt sieht Spaniens mächtigster Bank das Geschäft mit Verbraucherkrediten, in dem die Bank einen führenden Platz in Europa einnehmen soll. Auch in Osteuropa will SCH in dieser Nische Fuß fassen. Bislang ist Santander mit dieser Sparte in acht Ländern vertreten, darunter in Deutschland mit der auf Konsumkredite konzentrierten AKB-Bank. Zuletzt stockten die Spanier im Februar ihren 50 %-Anteil an der italienischen Finconsumo auf 100 % auf. Finconsumo war zuvor im Besitz der San Paolo-IMI. Insgesamt brachte der Geschäftsbereich der Mutter in den ersten drei Monaten 2003 einen Gewinn von 56 Mill. ? ein (+81 %), ist damit aber noch immer nicht mehr als ein Randgeschäft. Zum Vergleich: Selbst das kränkelnde Lateinamerika steuerte im ersten Quartal 385 Mill. ? zum Nettogewinn bei.

Die SCH-Konkurrenz BBVA setzt dagegen darauf, dass die politischen Widerstände gegen grenzüberschreitende Fusionen gebannt werden. BBVA-Präsident Francisco González hält nach einem Kaufobjekt Ausschau und will zuschlagen, sobald sich eine Gelegenheit bietet. González selbst sprach vom Süden der USA, um spanisch sprechende Kunden zu gewinnen, sowie von Italien. Selbst haben SCH und BBVA die Einstiegshürden in das eigene Institut gelockert: Es fielen die Stimmrechtsbeschränkungen zum Schutz vor feindlichen Übernahmen. Bislang war das Stimmrecht unabhängig vom tatsächlichen Aktienbesitz auf 10 % beschränkt.

Sparkassen haben starke Stellung

Bewegung auf dem spanischen Bankenmarkt erwarten Analysten bei den mittleren Geldhäusern. Sowohl Barclays (Großbritannien) als auch Fortis (Belgien-Niederlande) haben grundsätzlich Interesse am spanischen Markt geäußert. Im Mittelpunkt der Spekulationen: die Regionalbank Zaragozano. Für Änderungen in der Aktionärsstruktur könnte auch das neue Sparkassengesetz sorgen: Künftig dürfen die Institute stimmrechtslose Anteilsscheine ausgeben, an denen auch die privaten Banken interessiert sein könnten. Immerhin nehmen die Sparkassen eine starke Stellung von 50 % im spanischen Bankensektor ein und erwirtschaften ordentliche Gewinne. Seit Ende 2000 haben die Sparkassen den privaten Instituten 4 % Marktanteil abgenommen - Tendenz steigend. Der Grund: Statt massiv Personal abzubauen und Geschäftsstellen zu schließen, wie es SCH und BBVA vor allem Ende der 1990er Jahre betrieben haben, wählten die Sparkassen genau die andere Richtung. Auf diese Weise haben sie ihr Geschäft deutlich erweitern können. "Vielleicht sind wir bei der Schließung von Filialen etwas zu weit gegangen", sagte selbst Botín. Sowohl SCH als auch BBVA haben inzwischen die Bremse gezogen, eröffnen neue Geschäftsstellen und setzen auf Servicesteigerung.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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