Spanische Emittenten drängen auf den Bondmarkt: Unternehmensanleihen halten Händler in Atem

Spanische Emittenten drängen auf den Bondmarkt
Unternehmensanleihen halten Händler in Atem

Die Flut an neuen Unternehmensanleihen ebbt nicht ab. In diesem Jahr sind allein in der europäischen Gemeinschaftswährung neue Firmenbonds über knapp 30 Mrd. an den Markt gekommen - mehr als im gesamten vierten Quartal 2002. Emittenten nutzen das historisch niedrige Zinsniveau, um sich vergleichsweise günstig über Anleihen zu refinanzieren. Außerdem sei die Nachfrage von Investoren nach Unternehmensanleihen besonders groß, da sich allein mit ihnen die Performance etwas "aufpäppeln" lasse, sagte ein Händler.

FRANKFURT/M. Gestern taten sich vor allem spanische Emittenten am Bondmarkt hervor. Endesa - der größte Versorger Spaniens - begab eine zehnjährige Anleihe über 500 Mill. . Eine Anleihe mit gleicher Laufzeit und gleichem Volumen kam am Abend von Spaniens Versorger Nummer zwei, Iberdrola.

Die bislang aktivsten Unternehmen am Primärmarkt waren Telekomkonzerne. Gestern gesellte sich die spanische Telefónica mit einer Anleihe über 2 Mrd. zu den Emittenten. Dabei entschied sich der Konzern kurzfristig für eine 30-jährige Tranche über 500 Mill. . Damit folgte Telefónica den Beispielen von Olivetti, France Télécom, Deutscher Telekom und RWE, die ebenfalls ultra-lange Bonds begeben und sich dabei großer Nachfrage erfreut haben.

Schon machen Gerüchte die Runde, dass auch der französische Wasserversorger Vivendi Environnement eine 30-jährige Anleihe plant. "Derzeit gibt es täglich Spekulationen über Neuemissionen", sagte ein Händler. So sei auch eine 1 Mrd. schwere Anleihe von France Télécom im Gespräch, obwohl der Konzern im Januar bereits eine Anleihe in mehreren Tranchen über insgesamt knapp 6 Mrd. begeben hat. Eine weitere Emission mache für den hochverschuldeten Konzern Sinn, um sich für auslaufende Anleihen ein Polster zu schaffen, hieß es. Für dieses Jahr gelte France Télécom zwar als voll durchfinanziert, doch die Möglichkeit zur günstigen Refinanzierung werde sich der Konzern kaum entgehen lassen.

Weniger günstig dürfte Vivendi Universal davon kommen. Im Handel kursieren zwar Spekulationen um eine bevorstehende Anleihe über 1 Mrd. , doch der Medienkonzern wird seit vergangenem Sommer von den Ratingagenturen als riskante Anlage eingestuft. Außerdem gilt eine Emission über 1 Mrd. für den kleinen europäischen High-Yield-Markt als extrem hoch. So wird es bei dem 600 Mill. großen High-Yield-Bond des französischen Elektrokonzerns Legrand eine größere Dollar-Tranche geben.

Abseits der Unternehmen zeigten sich auch Länder und staatsnahe Institutionen am Primärmarkt aktiv. Berlin preiste eine am Vortag begebene fünfjährige Anleihe über 2 Mrd. wie erwartet mit einem Aufschlag von 26 Basispunkten über der entsprechenden Bundesobligation. Die Landesbank Nordrhein-Westfalen stockte einen Pfandbrief um 1 Mrd. auf, und die französische Dexia Municipal Agency begab einen französischen Pfandbrief über 1 Mrd. . Für die geplante Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über 5 Mrd. kündigten die Konsortialführer eine Laufzeit von fünf Jahren an.

Unterdessen erholten sich die Staatsanleihen von ihren Verlusten des Vortags. Dabei profitierten sie von den schwachen Aktienmärkten und von Konjunkturdaten. So lagen sowohl die deutschen Auftragseingänge im Dezember als auch die US-Produktivität im vierten Quartal unter den Erwartungen. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen unverändert zu lassen, belastete die Anleihen nicht. Bis zum Ende sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe deutlich auf 4,02 %. Der Bund-Future legte 60 Basispunkte auf 115,40 % zu und näherte sich damit seinem Jahreshoch. In den USA fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wieder unter 4 %.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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