Spannung im Sportstudio
Völlers Wutausbruch heizte Quoten an

Völlers "Emotionsausbruch von Island" hat sich als wahrer Glücksfall für die ARD erwiesen: Vier Tage nach der heftigen Kritik an Gerhard Delling, Günter Netzer und den Medien überhaupt kann sich der Sender über einen Quotenrekord freuen. Durchschnittlich 15,19 Millionen TV-Zuschauer schauten am Mittwochabend die Live-Übertragung des Schottland-Spiels in der ARD. Damit war sie die meistgesehene Sport-Sendung dieses Jahres.

HB HANNOVER/DORTMUND. Nach dem von Zurückhaltung geprägten TV- Abend plädierte Gerhard Mayer-Vorfelder für eine Versöhnung. "Jetzt muss man schauen, dass man wieder ein normales Verhältnis bekommt", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Völlers überraschende Wutrede sowie das mediale Nachspiel, das auch die ARD mit Berichten und Kommentar in den "Tagesthemen" angeheizt hatte, waren die beste Werbung. Wie groß die Erwartungshaltung nach Völlers wüster General-Abrechnung war, zeigt vor allem die Quote von 10,31 Millionen bei der anschließenden Analyse aus dem Studio und bei Völlers Interview mit Waldemar Hartmann. "Das ist außergewöhnlich viel, normalerweise schalten viel mehr Menschen direkt nach dem Spiel ab", erklärte ein ARD-Sprecher am Donnerstag. "Viele waren wohl neugierig und haben auf das Interview gewartet."

Die Übertragung war die bisher zweiterfolgreichste Sendung des Jahres, geschlagen nur von einer Folge des Unterhaltungs-Klassikers "Wetten, dass..." im Januar. Zum Vergleich: Das Island-Spiel am Samstag sahen durchschnittlich nur 8,41 Millionen, und selbst bei den drei WM-Vorrundenspielen des deutschen Teams im vergangenen Jahr schauten im Durchschnitt weniger Zuschauer zu.

Wer einen erneuten Eklat erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der Teamchef wirkte beim Interview angespannt, hielt sich nach dem Sieg gegen die Schotten aber zurück und ging auf seine Aufsehen erregenden Verbal-Attacken und die Folgen nur am Rande ein: "Das hat mich nicht nur beschäftigt, sondern auch belastet." Allerdings vermied Hartmann eine direkte Frage zu den Ereignissen des Mittwochs. Mit einem Handschlag verabschiedete sich Völler von seinem "Duz-Freund". Die von WDR-Sportchef Heribert Faßbender erwartete Entschuldigung blieb ebenso aus wie die von einigen Wettern erhoffte Versöhnung mit Weißbier.

Nicht nur auf Grund des Sieges fehlte jeglicher Grund für eine erneute Entgleisung. Die ARD-Mitarbeiter hatten sich, auch nach Gesprächen mit DFB-Vertretern, Zurückhaltung auferlegt. Locker und souverän gingen Delling und Netzer mit der angespannten Situation um. Sie thematisierten den schwelenden Streit nicht und beließen es bei Andeutungen und mehrdeutigen Späßen. Auf die in den vergangenen Tagen mehrfach gesendeten Szenen von Völlers Interview am Samstag verzichtete die ARD am Mittwoch.

Zum versöhnlichen Kurs passten auch die Aussagen von Mayer- Vorfelder, der den entspannten Ablauf begrüßte. "Jetzt kann man wieder kühler miteinander reden", sagte der DFB-Chef. Allerdings sieht er noch immer Klärungsbedarf: "Ich will mal mit Günter Netzer reden."

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