Spannung verschärft sich
Bereits zehn Tote am Samstagabend

Zwei palästinensische Selbstmordattentäter haben im Zentrum Jerusalems Polizeiangaben zufolge zehn Menschen mit in den Tod gerissen. 150 Menschen seien bei den Anschlägen am Samstag kurz vor Mitternacht verletzt worden, 17 davon schwer, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Reuters JERUSALEM. Die Selbstmordattentäter hätten die Sprengsätze in einer belebten Fußgängerzone gezündet. Wenig später sei eine Autobombe detoniert. Israelische Sicherheitskräfte nahmen Militärkreisen zufolge mehrere militante Palästinenser fest. Im Gaza-Streifen wurde israelischen Angaben zufolge ein Siedler von Palästinensern getötet. In den USA wurde das Gespräch von Ministerpräsident Ariel Scharon und US-Präsident George W. Bush auf Sonntag vorgezogen.

Israels Regierungssprecher Awi Pasner sagte: "Als Chef der Palästinsenser-Regierung ist (Palästinenser-Präsident Jassir) Arafat direkt dafür verantwortlich, was sich heute in Jerusalem ereignet hat." Dem US-Sender CNN sagte Pasner, Israel werde auf die Anschläge reagieren. "Wenn Blut in den Straßen Jerusalems fließt, wird Israel nicht untätig bleiben." Die Palästinenser-Behörde wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, die Verantwortlichen zu ermitteln. Ein anonymer Anrufer meldete sich bei Reuters und bekannte sich im Namen der Gruppe Islamischer Dschihad zu den Anschlägen. Ob der Bekenneranruf authentisch war, konnte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Eine Augenzeugin, die ein Cafe in der Jerusalemer Ben-Jehuda-Straße besucht hatte, sprach von einer mächtigen Explosion. Andere Augenzeugen sagten, ein Auto habe etwa 50 Meter weit von dem Ort der ersten Detonation entfernt die Straße blockiert. Es sei explodiert, als etwa 20 Personen versucht hätten, es zu bewegen. Der Augenzeuge Jossi Misrahi sagte: "Ich habe Menschen ohne Arme gesehen. Ich sah einen Menschen mit aufgerissenem Bauch. Ich sah einen Zehnjährigen, der seinen letzten Atemzug machte. Ich kann nicht glauben, dass jemand so etwas tun würde." Einige Passanten flohen unter Tränen. Andere blieben stehen und riefen: "Tod den Arabern".

Israelische Sicherheitskräfte nahmen am Sonntag am Rande des arabischen Ostteils von Jerusalem Militärkreisen zufolge mehrere militante Palästinenser fest. Bei der vor dem Morgengrauen vorgenommenen Aktion seien islamische Aktivisten aus der Ortschaft Abu Dis festgesetzt worden, hieß es.

Im Norden des Gaza-Streifens wurde nach Angaben der Armee am Sonntagmorgen eine jüdische Siedlung von palästinensischen Attentätern überfallen. Dabei seien ein Israeli getötet und mehrere verletzt worden, teilte die Armee mit. Die zwei Angreifer der Siedlung Elei Sinai seien getötet worden.

Ein für Montag geplantes Treffen Scharons mit Bush in Washington wurde unter dem Eindruck der Anschläge um einen Tag vorgezogen. Bush forderte Arafat auf, schnell und entschlossen zu handeln: "Jetzt, mehr denn je, müssen Präsident Arafat und seine Regierung durch Taten und nicht nur durch Worte zeigen, dass sie sich zum Kampf gegen den Terror bekennen." Der US-Gesandte Anthony Zinni sagte, er werde seine Bemühungen um einen Waffenstillstand fortzusetzen. Der US-Vermittler hält sich seit Montag in der Region auf. Bundesaußenminister Joschka Fischer appellierte in Berlin an die Konfliktparteien, trotz der Eskalation der Gewalt die amerikanische Vermittlungsmission nicht scheitern zu lassen.

Der Islamische Dschihad und anderen palästinensische Gegner des Nahost-Friedensprozessen haben mehrfach Selbstmordattentate mit Bomben verübt. Bei dem seit September 2001 anhaltenden Aufstand der Palästinenser für einen eigenen Staat und gegen die israelische Besatzungsmacht sind mehr als 900 Menschen getötet worden.

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