Spannung vor dem Stabhochsprung-Wettbewerb
Lobinger will endlich etwas reißen - nur nicht die Latte

Bei den vergangenen Olympischen Spielen lief es für Sonnyboy Tim Lobinger nicht so besonders. Jetzt will der Stabhochspringer vom ASV Köln seine letzte olympische Chance nutzen.

HB ATHEN. "Kampf-Flieger" Tim Lobinger will seine letzte Olympia-Chance nutzen und endlich was reißen - nur nicht die Latte. "Tim hat ein Kämpferherz, da ist alles drin, auch Gold, aber Favorit ist er nicht", sagte Stabhochsprung-Bundestrainer Leszek Klima am Dienstag. "Top-Favorit ist für mich der Amerikaner Toby Stevenson, von den zehn Springern dahinter kann jeder eine Medaille gewinnen."

Das glaubt Sonnyboy Lobinger auch. "Für eine Medaille muss man 5,90 Meter springen", meinte der 31-Jährige vom ASV Köln. "Ich habe Heißhunger auf Höhen und freue mich auf den großen Wurf. Vielleicht gelingt in Athen das i-Tüpfelchen." In Atlanta war er 1996 Siebter, vor vier Jahren in Sydney nur 13. Und in Peking 2008? Dann ist der deutsche Rekordhalter (6,00 m) fast 36 Jahre alt. Deswegen sagt auch Coach Klima: "Tim muss es hier in Athen packen, wer weiß, was in Peking ist."

Dass er in vier Jahren ausgerechnet im Reich der Mitte nochmal in der Form seines Lebens ist, daran mag selbst Vielspringer Lobinger nicht recht glauben. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in Peking besser beieinander bin als jetzt, ist eher gering", hatte er in einem "kicker"-Interview zugegeben, "also sollte ich mich schon zusammenreißen."

Helm-Flieger Stevenson hat in dieser Saison nach einem Sechs- Meter-Satz zwar den Hut auf, aber schon im Vorkampf am Mittwoch wird sich bei der Stab-Premiere im neuen Olympiastadion die Spreu vom Weizen trennen. Und wenn am Freitag die Medaillen vergeben werden, will das deutsche Trio ein Wort mitreden: Lobinger und Lars Börgeling haben in dieser Saison schon 5,80 m bewältigt, der deutsche Meister Danny Ecker, Börgelings Teamkollege beim TSV Bayer 04 Leverkusen, schaffte 5,72 m.

"Alle drei sind physisch und mental gut drauf und bestens vorbereitet. Alle sind heiß aufs Finale und wissen auch, dass eine Medaille drin ist", erklärte der Männer-Cheftrainer. Klima traut insbesondere Lobinger den Coup zu. "Er wird immer besser und kann noch höher springen." Auch 5,90 m? "Das hat er drauf."

Auch der EM-Zweite Börgeling und Dauertalent Ecker sind in Top- Form, versicherte Klima. "Lars hat ein Leistungsvermögen zwischen 5,80 und 5,85, und Danny ist in der Form seines Lebens: stark, schnell und sprunggewaltig." Ergo: "Alle Drei kommen ins Finale."

"Früher wurden unsere Stabis vor großen internationalen Wettkämpfen immer hoch gehandelt und haben dann die Erwartungen meist nicht erfüllt - diesmal ist es vielleicht umgekehrt", erklärte DLV - Cheftrainer Bernd Schubert. Lobinger ("Mein stiller Traum sind 6,06") könnte am Freitag der Coup gelingen. Und wenn es der EM-Dritte und WM-Fünfte wieder nicht packt? Kein Problem: Lobinger hat das Größte schon erreicht und den Gipfel längst bezwungen: Alle seine Trainings- und Wettkampfsprünge eines Jahres summiert, erzählte er einmal, ergäben locker die Höhe des Mount Everest.

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