Spannung vor den Hewlett-Packard-Quartalszahlen am Mittwoch
HP-Chefin: Capellas geht zur richtigen Zeit

Zur richtigen Zeit verlässt Michael Capellas HP - sagt jedenfalls HP-Chefin Fiorina. Investoren sehen den Weggang eher als Zeichen dafür, dass die Fusion mit Compaq nicht so gut läuft wie versprochen.

siri/kk SAN FRANCISCO. An Marketing-Talent fehlt es Carleton Fiorina nicht: Der Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard Co. (HP) verkauft den Abschied des zweiten Mannes bei HP, Michael Capellas, als Erfolg. "Das ist ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel, weil die Integration beider Unternehmen gut läuft", kommentierte die unerschütterlich optimistische Fiorina. Von Spekulationen über Unstimmigkeiten zwischen ihr und Capellas will sie nichts hören.

Capellas war Chef von Compaq, bevor der Computerkonzern von HP übernommen wurde - bei dem neuen Unternehmen musste der Manager die zweite Geige spielen. Jetzt verlässt Capellas HP, um Chef des schwer angeschlagenen US Worldcom Inc. -Telekomkonzerns zu werden. Das dürfte kein leichter Job für den 48-Jährigen werden, der keinerlei Erfahrung in der Telekom-Branche hat: Der Anbieter von Datenkommunikation steht unter Gläubigerschutz und hat Falschbuchungen in den Bilanzen in Höhe von 9 Mrd. $ zugegeben. Capellas soll den Konzern sanieren.

Auch wenn die HP-Chefin Fiorina kein Problem im Weggang ihres Vize hat - die Investoren von HP bleiben skeptisch: Der Kurs der HP-Aktien fielen zeitweise um mehr als 10 %. Sie fürchten immer noch, dass die vor einem halben Jahr vollzogene Fusion nicht hält, was Fiorina versprach. Und da zählen Fakten mehr als gutes Marketing. Deshalb werden Anleger und Analysten die Ergebnisse für das vierte Quartal, die HP am Mittwoch vorlegt, äußerst kritisch beäugen.

Analysten erwarten, dass das Unternehmen in dem Quartal, das am 31. Oktober endete, einen Gewinn von 22 Cents je Aktie bei einem Umsatz von 17,3 Mrd. $ erwirtschaftet hat. Der Geschäftsbereich für Drucker und digitale Bildbearbeitung, aus dem fast der gesamte Konzerngewinn stammt, soll nach wie vor gute Geschäfte machen. Steven Milunovich, Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch, hat wegen eben dieser Stärke des Druckergeschäfts das Kursziel für HP gerade erst von 17 $ auf 20 $ angehoben. Einige Analysten erwarten zudem, dass sich das Minus im PC-Geschäft und im Geschäft mit großen Firmenkunden verringert. Grund sei aber weniger eine Verbesserung der Geschäftslage, sondern Einsparungen durch Entlassungen.

Bisher hat die Fusion mit Compaq noch keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Im Gegenteil: HP verliert Marktanteile in wichtigen Geschäftsbereichen. Bei Severn fiel der Anteil von HP im dritten Quartal 2002 nach Berechnungen der Marktforschungsgruppe Gartner um 1,6 % auf 23 % - Marktführer IBM legte um 3,9 % auf 33 % zu. Auch bei Personalcomputern erlitt HP einen Einbruch: Nach der Fusion mit Compaq war der Konzern für kurze Zeit die Nummer eins unter den PC-Herstellern - im dritten Quartal verdrängte Erzrivale Dell HP wieder vom Spitzenplatz. Dell legte nach Berechnungen des Marktforschers IDC um 2,3 % auf 16 % zu; HP verlor 5 % auf 15,5 %. HP schreibt im PC-Geschäft rote Zahlen.

Grund für HPs Verluste sind nach Ansicht von Marktbeobachtern die unterschiedlichen Strategien der Konzerne. Dell und IBM verfolgen konsequent ihre Marktstrategien - Dell konkurriert durch den Direktvertrieb mit günstigen Preisen, IBM punktet als größter Komplettanbieter von Hardware, Software und Dienstleistungen. HP kämpft dagegen an beiden Fronten.

Von der Konjunktur wird Fiorina so schnell keine Hilfe erhalten: Für das Jahr 2003 rechnet sie lediglich mit einem einstelligem Wachstum in der IT-Branche. Doch trotz der Probleme sich Fiorina mit dem seit der Fusion Erreichten zufrieden: So sei der Konzern bei den angepeilten Einsparungen von 2,5 Mrd. $ schon weiter, als geplant. Die ersten 10 000 Mitarbeiter sollen inzwischen auch entlassen sein, weitere 6 800 werden in den nächsten Monaten folgen. Die Standardisierung der Bauteile für Notebooks und Computer der Marken HP und Compaq mache sich ebenfalls bezahlt. In Europa, vor allem in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, ist die Fusion dagegen noch nicht voll umgesetzt. IDC-Analyst Crawford Del Prete: "Durch die andere Gesetzgebung wird die Integration beider Unternehmen in Europa länger dauern."

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