Spannung vor der Bekanntgabe
Ford vor drastischer Restrukturierung

Mit Spannung erwarten Analysten und Investoren die Vorstellung eines umfassenden Restrukturierungsprogramms der Ford Motor Co, Dearborn, das der weltweit zweitgrößte Automobilhersteller am Freitag präsentieren will.

vwd DEARBORN. Andeutungen hat es von dem in die roten Zahlen gerutschten US-Traditionsunternehmen im Verlauf der Detroit Motor Show schon zur Genüge gegeben: Es ständen "schmerzhafte" Einschnitte bevor, kündigte der Chairman und CEO, William Clay Ford, vor der Presse. "Wir müssen die Kosten drastisch senken", war eine weitere Äußerung, die Ford im Laufe eines Abendessens mit Medienvertretern fallen ließ. Dennoch: Mehr war dem Spross der Ford-Familie, der das Ruder im Konzern vor Kurzem übernommen hat, nicht zu entlocken. Mit dem Verweis, das Konzept müsse erst mit Gewerkschaftsvertretern, dem Aufsichtsrat und den Angestellten diskutiert werden, bewahrte er Stillschweigen.

Dem Vernehmen nach steht bei Ford "alles unter Vorbehalt". Gewerkschaftsvertreter kolportieren, es werde nicht bei den bisher angekündigten Streichungen einzelner Schichten in US-Werken bleiben. Deshalb sei mit einer Verminderung der Belegschaft über die bereits angekündigten 5 000 Entlassungen hinaus zu rechnen.

Bei Ford dürften Maßnahmen bevorstehen, die der Konkurrent Chrysler mit 26 000 Entlassungen bereits hinter sich gebracht hat. Auch Werksschließungen sind nicht auszuschließen. Eines jedoch steht bereits fest: Ford wird nicht bei den Entwicklungkosten für neue Modelle den Rotstift ansetzen. In Detroit gab der Konzern sich zuversichtlich: Er werde in den kommenden Jahren mehr als 20 neue Modelle auf den Markt bringen. Insbesondere das Luxussegment soll eigenen Ankündigungen zufolge ausgebaut werden: Das vom ehemals für BMW tätigen Manager Wolfgang Reitzle geführte Segment "Premier Automotive Group" (PAG) mit den Marken Land Rover, Jaguar, Volvo und Aston Martin, werde für Ford ein "extrem wichtiger" Gewinnträger werden, war auf der Detroit Motor Show zu hören.

Die schlechten Quartalsergebnisse des vergangenen Jahres führt der Automobilkonzern auf mehrere Faktoren zurück: Die Unfallserie mit Ford-Explorern und das daraufhin folgende Debakel mit dem Reifenhersteller Bridgestone seien nicht der einzige Grund für die Schieflage des Konzerns, räumte Ford ein. Auch ohne diese Ereignisse wäre das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht, so die nüchterne Feststellung. Grund seien eben die viel zu hohen Produktionskosten, was eine grundlegende Änderung der Produktionsweise erforderlich mache.

Darüber hinaus habe der Versuch, mit Hilfe des Nullzinsprogramms den Absatz abzukurbeln, die Marketingkosten im letzten Quartal in die Höhe schießen lassen. "Darunter hat unsere Marge ganz erheblich gelitten", so ein hochrangiger Ford-Mitarbeiter. Der Preiskampf auf dem US-Markt dürfte in diesem Jahr zunächst weitergehen.

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