Spannung vor Eröffnung der IAA
IAA soll Konjunkturmotor ankurbeln

Die deutsche Industrie sehnt nach mehreren Krisen-Jahren in Folge den Aufschwung für die Auto-Branche herbei. In Deutschland hängt laut VDA immerhin jeder siebte Arbeitsplatz von der Automobilindustrie ab, jeder fünfte Steuer-Euro fließt dem Staat zudem durch Herstellung oder Nutzung von Automobilen zu.

HB FRANKFURT. Noch nie war die Spannung so groß wie vor dieser 60. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA). Frankfurt wird von diesem Donnerstag an elf Tage lang zum Mekka für Autofans. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird die weltgrößte Automesse eröffnen und sich bei einem Rundgang die neuesten Modelle der Hersteller zeigen lassen. Vor allem die deutsche Industrie sehnt den Aufschwung für die Branche herbei. Am Mittwoch, ein Tag vor der Eröffnung, war daher die Verbreitung von Zuversicht weiter an der Tagesordnung.

Trotz 60 Weltneuheiten und 850 000 erwarteten Besuchern ist aber ungewiss, ob sich die Konsumenten wieder in die Autosalons locken lassen. Die rund 1000 Aussteller aus 42 Ländern hoffen, dass die Berichterstattungsflut von rund 12 000 Journalisten aus aller Welt zu Neuanschaffungen verführt. Forschungsinstitute sind zuversichtlich, dass Deutschlands Schlüsselindustrie 2004 wieder auf die Überholspur wechselt.

Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF rechnet 2004 mit einer Ausweitung des Pkw-Weltmarktes um zwei Prozent. Die meiste Dynamik wird in Deutschland erwartet, wo es vier Prozent mehr Neuzulassungen geben soll. Pessimistisch sieht Vorstandschef Siegfried Goll eher die Aussichten für den wichtigen US-Markt. Er erwartet ein Minus von zwei Prozent. Für ZF werde sich die wiedererwachte Dynamik der weltweiten Automärkte erst 2004 in Umsatzwachstum niederschlagen. In diesem Jahr sollen die Erlöse mit 9,2 Mrd. ? auf Vorjahresniveau bleiben.

Auch der weltgrößte Autozulieferer Delphi ist optimistisch, in diesem Jahr den Umsatz mit rund 27 Mrd. Dollar fast stabil zu halten. Bis einschließlich Juli habe sich die Summe aller Aufträge weltweit auf 24 Mrd. Dollar binnen Jahresfrist verdoppelt, betonte der Europa-Chef Volker Barth.

Der hannoversche Zulieferer Continental prognostiziert für die kommenden Jahre ein rasantes Wachstum der Fahrzeugelektronik. Der Weltmarkt soll bis 2010 auf rund 210 Mrd. Dollar zulegen. 2000 war der Markt lediglich 120 Mrd. Dollar schwer. Schon für 2003 bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer seinen Optimismus. Der Umsatz werde klar über 11,4 Mrd. ? steigen. Das operative Ergebnis werde "signifikant über 700 Mill. ?" liegen nach 694 Mill. ? im vergangenen Jahr.

Stolpe: Schmerzgrenze erreicht

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sprach sich am Mittwoch gegen höhere Belastungen für Autofahrer aus. Die Schmerzgrenze sei erreicht worden, sagte Stolpe in einem dpa- Gespräch. Eine Pkw-Maut sei nicht geplant. Die anstehenden Kürzungen bei der Pendlerpauschale gingen durch das Vorziehen der Steuerreform zeitgleich mit einer Entlastung der Bürger einher. Stolpe plädierte dafür, bei der Pendlerpauschale Auto und öffentlichen Nahverkehr gleich zu behandeln.

Die Kosten rund um das Auto stiegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in den letzten zwei Jahren etwas schneller als die Verbraucherpreise insgesamt. Die Preise für Kauf und Nutzung von Pkw lagen im 1. Halbjahr 2003 um 2,8 % höher als zwei Jahre zuvor. Die Inflation betrug für diesen Zeitraum dagegen nur 2,6 %. Am stärksten kletterten dabei - vor allem wegen der Ökosteuer - mit 5,1 % die Kraftstoffpreise. Neuwagen waren 2,9 % teurer, gebrauchte Autos dagegen 0,5 % günstiger. Die Versicherungsprämien gaben um 6,7 % nach.

Auf deutschen Straßen sind nach einer Untersuchung der Stuttgarter Sachverständigen-Organisation DEKRA rund 600 000 Autos unterwegs, die nach schweren Unfällen nur unzureichend repariert wurden. "Das sind rollende Zeitbomben", warnte Geschäftsführer Werner von Hebel.

Insgesamt 60 Weltneuheiten sind bei der IAA in Frankfurt über die Ausstellungsfläche von 215 000 Quadratmeter verteilt. Geöffnet ist die Schau von 09.00 bis 19.00 Uhr. Die ersten beiden Tage (11. und 12. September) sind allerdings den Fachbesuchern vorbehalten. Von Samstag an ist die Messe für alle geöffnet. Die Eintrittskarten kosten am Wochenende 15 ?, werktags 13 ?. Nach 15 Uhr gibt es an Werktagen das Feierabendticket für acht Euro.

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