Spannungen
Indien bringt Pakistan in Verbindung mit Anschlag

Der pakistanische Geheimdienst ISI war nach Angaben der indischen Polizei in den Überfall am Donnerstag auf das Bundesparlament in Neu-Delhi verwickelt, der 13 Menschen das Leben kostete.

Reuters NEU-DELHI. Der Polizeichef Neu-Delhis, Ajai Raj Sharma, sagte am Sonntag, die Verbindung zum ISI sei beim Verhör des Hauptverdächtigen entdeckt worden. Indien drängt Pakistan auf rasche Zwangsmaßnahmen gegen zwei Organisationen kaschmirischer Extremisten und hat indirekt gedroht, bei der Verfolgung von Attentätern die Grenze im geteilten Kaschmir nicht länger zu respektieren. Pakistan hat für einen solchen Fall Gegenwehr angekündigt.

Sharma sagte, wenn der ISI Verbindung mit den Tätern gehabt habe, "dann muss Pakistan das wissen". Der Hauptverdächtige habe in der Haft ausgesagt, er sei in einem ISI-Stützpunkt in Muzzafarabad im pakistanischen Teil Kaschmirs ausgebildet worden. "Die ISI-verbindung ist sehr klar", sagte der Polizeichef. Die fünf Attentäter, die bei dem Überfall erschossen wurden, stammten alle aus Pakistan. Am Sonntag erlag ein indischer Wachmann als 13. Opfer seinen Verletzungen.

Sharma bekräftigte, hinter dem Anschlag würden die beiden Gruppen Jaish-e-Mohammed und Lashkar-e-Taiba vermutet. Sie gehören zu über einem Dutzend von Gruppen, die für die Wiedervereinigung Kaschmirs kämpfen - als eigenständiger Staat oder als Bestandteil Pakistans. Kaschmir wurde wie das übrige Südasien nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 geteilt.

Die indische Regierung hat verlangt, dass die beiden Gruppen aufgelöst, ihre Anführer verhaftet und ihre Vermögenswerte beschlagnahmt werden. Pakistan hat den Anschlag zwar als Terrorismus verdammt, doch verlangte Präsident Pervez Musharraf Schuldbeweise und sagte, Pakistan werde militärisch reagieren, wenn Indien die Waffenstillstandslinie in Kaschmir verletze. Er bezog sich auf Äußerungen des indischen Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee, beim letzten großen Konflikt 1999 habe Indien die Grenze noch respektiert, obwohl es das nicht gemusst hätte.

Indien und Pakistan haben seit 1947 drei Kriege ausgefochten - zwei um Kaschmir und einen um Ostpakistan, das heutige Bangladesch. Jedes Frühjahr, nach der Schneeschmelze, lebt der Konflikt entlag der Waffenstillstandslinie im Himalaya mit Artillerieduellen und Schusswechseln wieder auf. Doch hat der Konflikt eine neue Qualität bekommen, seit Indien und Pakistan über Kernwaffen verfügen. Das hat die Vermittlungsbemühungen intensiver werden lassen, doch bleibt Indien dabei, dass sein Teil Kaschmirs kein Verhandlungsthema sei, und Pakistan beharrt auf dem Selbstbestimmungrecht der Kaschmiri.

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