Spannungen um Irak und Nordkorea
Finanzmärkte weiter von Kriegsängsten belastet

Nach der Weihnachtspause haben die anhaltenden Spannungen um Irak und Nordkorea auch am Freitag die internationalen Finanzmärkte belastet.

Reuters LONDON. Die fortdauernden Kriegsängste sowie der Generalstreik im Ölexportland Venezuela drückten den Dollar auf ein neues Dreijahres-Tief zum Euro und trieben zugleich den Ölpreis deutlich nach oben. Die Aktienmärkte in Europa gaben nach, was Händler vor allem auf ein eher enttäuschendes Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels zurückführten. Die Handelsumsätze an allen Märkten blieben dünn, da viele Marktteilnehmer im Urlaub waren.

Der Euro stieg zum Dollar im europäischen Handel zwischenzeitlich bis auf 1,0397 Dollar und verzeichnete damit seinen höchsten Stand seit Januar 2000. Händlern zufolge wurde die US-Währung weiter von einem drohenden Angriff der USA auf Irak sowie von den jüngsten Äußerungen aus Nordkorea belastet. Die staatlich gelenkte nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hatte den USA vorgeworfen, sich "kopfüber in eine extrem gefährliche Konfrontation" zu stürzen.

"Wir haben momentan zwei Faktoren, die den Dollarkurs bewegen", sagte Steven Saywell, Währungsstratege bei der Citibank. Da sei zunächst die Kriegsgefahr im Nahen Osten. Außerdem leide die US-Währung derzeit unter einer saisonal bedingten Schwäche, die im Dezember häufiger zu beobachten sei. Zum Schweizer Franken, der als sicherer Anlagehafen in politisch unsicheren Zeiten gilt, verlor der Dollar vorübergehend auf 1,3987 Franken und notierte damit auf seinem tiefsten Niveau seit Januar 1999.

Die internationalen Ölmärkte stehen weiterhin nicht nur unter dem Eindruck der weltpolitischen Spannungen, sondern auch des fortgesetzten Generalstreiks im Ölförderland Venezuela. Der Preis für die marktführende Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im Februar stieg im Londoner Vormittagshandel vorübergehend um 74 Cent auf 30,35 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter). Dies ist der höchste Preis seit den Anschlägen in den USA am 11. September 2001. Am Donnerstag forderten Tausende von Demonstranten auf den Straßen der venezuelanischen Hauptstadt Caracas den Rücktritt von Präsident Hugo Chavez und sofortige Neuwahlen.

Die europäischen Aktienmärkte wurden insbesondere von Kursverlusten bei Einzelhandelswerten ins Minus gedrückt. So verloren die Aktien der Düsseldorfer Metro 2,73 Prozent und die der britischen Elektrohandelskette Dixon's 3,9 Prozent, nachdem der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart am Vortag seine Umsatzprognose für Dezember gesenkt hatte. Der FTSE-Eurotop-Index der 300 führenden europäischen Standardwerte notierte am frühen Nachmittag um 1,35 Prozent tiefer.

Auch die Terminkontrakte auf die wichtigsten US-Aktienindizes deuteten auf eine leichtere Eröffnung an der Wall Street hin. Die Aktien in Tokio hatten dagegen geringfügig im Plus geschlossen. "Jeder wartet auf das neue Jahr. Viele Leute bleiben pessimistisch nach dem schlechten Jahr, das wir 2002 hatten, doch wir brauchen das neue Jahr, um ganz von vorne anzufangen", sagte Gert de Mesure, Aktienstratege bei Delta Lloyd Securities.

Angesichts der unsicheren geopolitischen Lage drängten die Anleger weiter in das als sichere Anlage geltende Gold. Der Goldpreis notierte in Europa mit knapp unter 350 Dollar je Feinunze nahe seines Sechsjahres-Hochs. Auch die Renten verzeichneten deutliche Kursgewinne. Am europäischen Rentenmarkt erreichte der richtungweisende Bund-Future zwischenzeitlich ein neues Kontrakthoch. Anleihen gelten unter Investoren im Vergleich zu Aktien als sicherere Anlage in Krisenzeiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%