Sparanlagen und Lebensversicherungen sind gefragt
Japaner bleiben Sparweltmeister

In Japan legen die Hausfrauen das Geld an. Steigt der Nikkei-Index, dann wird schnell von einer Hausfrauen-Hausse gesprochen. Denn traditionell bekommen die Männer ein Taschengeld zugewiesen, während sich die Frauen um die Anlage des Vermögens kümmern. Und das ist nicht wenig.

DÜSSELDORF. Die durchschnittlichen Ersparnisse, über deren Anlage eine japanische Hausfrau zu entscheiden hat, belaufen sich auf fast 118 000 Euro. Davon fließen über 7 400 Euro in Aktien und Fonds. "Japaner sind Sparweltmeister" sagt Alexander Hahl, Leiter der Research-Abteilung für den japanischen Markt bei HSBC Trinkaus und Burkhardt. Japan sei der größte Kreditgeber der Welt und halte allein 30 % der amerikanischen Staatsanleihen.

"Generell legen japanische Privatanleger ihr Geld hauptsächlich in relativ sicheren Anlageformen und im Inland an. Sie bevorzugen Sparanlagen und Lebensversicherungen vor allem bei der Post", sagt Håkan Hedstroem, Leiter des Investment-Managements der Commerzbank in Tokio, "in diesem Jahr stieß auch Gold auf reges Interesse."

Doch auch Aktienanlagen seien wieder gefragt, sagt Hedström, "allerdings noch nicht wie in Boomphasen. Besonders der Umsatz des führenden Onlinebrokers Matsui Securities nimmt deutlich zu." Auch Neuemissionen liefen zurzeit ausgezeichnet. Im laufenden Jahr gab es bereits 40 Börsengänge größerer Unternehmen. "Im Gegensatz zu Amerika und Europa sind die Japaner nicht so stark enttäuscht worden", sagt Hannah Cunliffe, Fondsmanagerin von Union Investment. Der Kurs des Werbeagentur-Riesen Dentsu habe sich seit Emission im November sogar verdoppelt.

Nippons Investoren üben sich in Vorsicht

Nach dem fast zwölfjährigen Abschwung an Japans Aktienmarkt sind Nippons Investoren vorsichtiger geworden. "Sie sind es leid, Telekom-Aktien zu kaufen", sagt Hahl. Der Konzern NTT werde noch immer stark staatlich kontrolliert. NTT und Mobilfunktochter NTT Docomo machen allein 86 % des Telekomindex in Japan aus. "Die NTT-Zahlen fielen dennoch besser als erwartet aus", sagt Hedström. Besonders im Festnetz-Geschäft mache NTT Fortschritte. Aus technischer Sicht zeige der Chart des NTT-Kurses eine Bodenbildung, die nun in einen Aufwärtstrend münde. Die Commerzbank führt den Telekom-Bereich auf ihrer Kaufliste.

Japaner sind wenig begeistert von typischen Auslandsfavoriten wie Sony, Honda oder den in Deutschland unter risikoorientierten Anlegern beliebten kleineren Werte wie Jafco oder Trans Cosmos. "Das meiste Geld fließt in Aktien aus den Sektoren Elektronik und Rohstoffe", sagt Anais Faraj, Aktienstratege von der Investmentbank Nomura. Außerdem seien Automobilwerte gefragt, allerdings weniger stark als in früheren Zeiten. Japaner setzten dafür mehr auf heimische Werte wie den Einzelhändler Seiyu, weiß Hedström.

Sogar die in Verruf stehenden Banken wurden in den vergangenen Tagen wieder geordert. Nach Informationen von Nomura-Brokern belebte sich auch der Handel mit Aktien der UFJ Holding. Bislang mieden japanische Investoren Banken wegen ihrer zahlreichen faulen Kredite und des sich daraus ergebenden Abschreibungsbedarfs. Erst vergangenen Freitag hatte UFJ einen Rekord-Verlust von 10,8 Mill. Euro vermeldet. Der Konzern ist neben Mizuho, Sumitomo Mitsui Banking Corp (SMBC) und Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG) eines der vier größten Institute.

Abschreibungs-Höhepunkt scheint erreicht

Der Höhepunkt der Abschreibungen könnte durchaus erreicht sein: "Die Skepsis der Anleger war zu groß. Jetzt sollten selbst kleine positive Nachrichten den Sektor beflügeln", denkt Hedström. Die Konjunkturerholung verringere das Entstehen neuen Abschreibungsbedarfs. Er beobachtet, dass die Banken Fortschritte bei der "bedarfsgerechten Festsetzung von Kreditzinsen nach Risikoklassen" machen. "Unsere Händler berichten, dass viele Investoren ihre Einstufung von "Verkaufen" auf "Halten" ändern", sagt Faraj. Daher sieht der Stratege für die Aktienkurse japanischer Banken gute Perspektiven.

"Die Notierungen sind bei weitem zu niedrig", sagt Faraj. Auch wenn die Gewinnprognosen nur sehr langsam angehoben würden, seien die Titel mittelfristig ein interessanter Kauf. Die Risiken seien nun weitestgehend eingepreist, so dass institutionelle und heimische Investoren Bankaktien bald wieder stärker gewichten würden. Privatanleger dürften dann sehr schnell nachziehen. "Es ist famos, wie gut japanische Anleger ihre Ein- und Ausstiegszeitpunkte bestimmen. Sie liegen am Aktienmarkt oft goldrichtig", sagt HSBC-Experte Hahl. Auch in Krisenzeiten hätten sie oft die Nerven gehabt, zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen.

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