Sparen ist das Gebot der Stunde
Konzerne halten sich auch 2003 mit Investitionen zurück

Die deutsche Industrie geht vorsichtig in das Jahr 2003. Die großen Unternehmen werden auch im kommenden Jahr nur zurückhaltend investieren. Steigende Budgets wie bei der Deutschen Lufthansa sind die große Ausnahme. Damit sinken die Hoffnungen auf eine baldige wirtschaftliche Erholung.

FRANKFURT/M. Die deutschen Großunternehmen werden auch im kommenden Jahr nur das Nötigste investieren. Die Mehrzahl der führenden deutschen Konzerne will ihre Ausgaben auf dem niedrigen Niveau des laufenden Jahres halten oder sogar zurückfahren. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts unter den Dax-30-Unternehmen.

Zurzeit laufen in den Konzernen die Gespräche über die Budgets für das kommende Jahr. Deshalb liegen in der Regel noch keine endgültigen Beschlüsse vor. Dennoch zeichnet sich eine eindeutige Tendenz ab: Mehr Geld für Investitionen will sich im kommenden Jahr kaum ein Unternehmen bewilligen. Lediglich die Deutsche Lufthansa AG kündigte an, etwas mehr Geld für Investitionen in die Hand zu nehmen.

Die meisten Konzerne beschränken sich dagegen auf die notwendigsten Ausgaben. So werden die Chemiekonzerne BASF AG und Bayer AG ihre in diesem Jahr begonnene Politik fortsetzen, die Investitionen auf Höhe der Abschreibungen zu halten. In der Regel deutet ein Investitionsvolumen auf oder unter dem Niveau der Abschreibungen darauf hin, dass das Unternehmen nicht von einem expandierenden Geschäft ausgeht. Allerdings haben BASF und Bayer zuvor jahrelang kräftig in neue Anlagen und Fabriken investiert.

Die ehemalige Siemens-Tochter Epcos AG will ihre Ausgaben für Investitionen wegen der gravierenden Nachfrageschwäche sogar unter das Niveau der Abschreibungen senken. Auch der Chiphersteller Infineon AG hat sein Budget von ursprünglich geplanten 1,5 Mrd. Euro auf rund 1 Mrd. Euro gekappt. Damit liegt das Münchener Unternehmen in etwa auf dem Niveau des laufenden Jahres. Gleiches gilt für den Mischkonzern MAN AG, der auch 2003 unverändert niedrige Ausgaben plant. Dagegen will der Anlagen- und Gasespezialist Linde AG das recht hohe Investitionsniveau des laufenden Jahres beibehalten.

Damit zeichnet sich ab, dass die Investitionsgüterindustrie auch im kommenden Jahr vergeblich auf Impulse aus dem Inland warten wird. Ganz ähnlich sieht es beim Investitionsgut Informationstechnologie (IT) aus. Ähnlich wie die Industrie will auch die Finanzbranche - ein wichtiger Kunde der IT-Unternehmen - angesichts der eigenen großen Ertragsprobleme auf der Ausgabenbremse bleiben. Beispielsweise plant die Commerzbank AG sinkende Ausgaben im kommenden Jahr.

Die Aussagen der Konzerne decken sich mit den Ergebnissen des jüngsten Handelsblatt Business-Monitors. Danach ist das Investitionsklima der Führungskräfte auf einen neuen Tiefstand gefallen. Das liege unter anderem an den Plänen der wiedergewählten rot-grünen Regierungskoalition. Nur 8 % der Firmenchefs wollen der Umfrage zufolge ihre Ausgaben in den kommenden Monaten erhöhen, im September waren es noch 22 % gewesen. Dagegen hat sich der Anteil der Manager, die Budgetkürzungen planen, auf 43 % fast verdoppelt.

Doch Experten sehen in der neuen Sparsamkeit nicht nur eine Tugend, sondern auch eine Gefahr. Denn unter Umständen verringern die Unternehmen ihre Kapazitäten so weit nach unten, dass sie Probleme bekommen, wenn die Nachfrage tatsächlich wieder anzieht. Analysten haben deshalb etwa den Chiphersteller Infineon bereits vor zu starken Einschnitten gewarnt.

Ganz ähnlich argumentieren die Marktforscher von Gartner Consulting bezogen auf die Ausgaben für Informationstechnologie. In einer aktuellen Studie beklagen sie, dass die deutschen Unternehmen ihre IT-Ausgaben zu stark reduzieren. "Die Folge ist, dass deutsche Firmen an Wettbewerbsvorteil verlieren", warnt Gartner-Vizepräsident John Simcox. Schließlich habe die Studie gezeigt, dass Unternehmen, die stark in IT investierten, im Schnitt 2,4 % mehr Gewinn vor Steuern erzielten als andere.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%